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Beiratswahlen in Bremen
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Raus aus der Insellage

Kornelia Hattermann 17.04.2019 0 Kommentare

Karin Mathes im Herbst 2018 vor einer im Bau befindlichen Reihenhauszeile im Gebiet an der Otto-Braun-Straße.
Karin Mathes im Herbst 2018 vor einer im Bau befindlichen Reihenhauszeile im Gebiet an der Otto-Braun-Straße. (PETRA STUBBE)

Dort, wo er selber über Gelder verfügen kann, hat der Beirat in der Vahr in den vergangenen vier Jahren durch kleine Maßnahmen positive Veränderungen und mehr Barrierefreiheit im öffentlichen Raum bewirkt. Bordsteine wurden abgesenkt, Beleuchtungen in dunklen Ecken ergänzt, kleinräumige Sanierungen an Wegen vorgenommen. Von 193 000 Euro des Stadtteilbudgets 2016 bis 2019 sind knapp 131 000 ausgegeben worden oder verplant. Die Beratungen sind meist konstruktiv und nicht parteipolitisch geprägt. „Alle ziehen an einem Strang“, sagt Ortsamtsleiterin Karin Mathes dazu, „der Beirat Vahr packt Sachen an und macht etwas für die Bürger.“

Mehr Lob geht kaum für die 15 Ortspolitikerinnen und Ortspolitiker von SPD (sechs), CDU (drei), Grüne (zwei), FDP (einer) Linke (zwei, zurzeit einer) und BIW (einer). Drei Mitglieder sind wegen Umzugs in den vergangenen vier Jahren ausgeschieden, zwei Vertreter nachgerückt. Am 26. Mai bei der Bürgerschaftswahl werden auch die Beiräte für die Stadtteile neu gewählt. Damit die Wahlbeteiligung höher als 2015 ausfällt (in der Neuen Vahr Nord waren es 34,2, in der Neuen Vahr Südost 36,6, der Neuen Vahr Südwest 36,9 und in der Gartenstadt Vahr 53,1 Prozent) wurde beispielsweise ein Plakatwettbewerb gestartet. Die Plakate und die Preisträger werden am Donnerstag, 25. April, um 10 Uhr öffentlich in der Oberschule Kurt-Schumacher-Allee vorgestellt und prämiert. Man dürfe auch nicht vergessen, dass viele, die in der Vahr lebten, gar nicht wahlberechtigt seien, sagt Karin Mathes.

Die Ortsamtsleiterin hat mit den Ortspolitikern daran gearbeitet und will es weiter tun, die Vahr aus ihrer Insellage heraus besser anzubinden und gegen die soziale Spaltung vorzugehen. Ein Blick auf die Karte macht die Barrieren deutlich: Die Vahr ist nördlich durch den Golfplatz des Clubs zur Vahr begrenzt, hinter dem der Rhododendronpark liegt, der in fünf Minuten erreichbar wäre, würde es direkte Wege geben. Im Süden liegt die Galopprennbahn, westlich liegt die Autobahn.

Damit die Vahrer die Angebote der Stadt nutzen können und Verbindungen in die bürgerlichen Stadtteile und die Natur bekommen, sei Geld für Kunstprojekte über das Programm „Sichere und saubere Stadt“ mobilisiert worden, erklärt Mathes. Damit sollen die Wege, Fahr- und Fußgängertunnel, die in die Vahr führen, ansprechender gestaltet werden. Die Projekte seien ausgeschrieben. Eine bessere Anbindung für die Vahrer sieht der Beirat in der geplanten und andernorts viel kritisierten Straßenbahnverbindung Querspange Ost, die er auch nach der zweiten Beteiligungsrunde einstimmig befürwortet.

„Eine Katastrophe“ sei die Dauer der Planungen für die dringend benötigte Groß-Kita auf dem sogenannten Ampelspielplatz an der August-Bebel-Allee. 2013 hatte der Beirat beschlossen, dass dort eine Kita gebaut werden soll. Für 2016 hatte die damals zuständige Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) die Eröffnung versprochen. Nach neuen Berechnungen, wonach mehr Gruppen gebraucht werden, sollte es 2018 so weit sein, dann bekam der Beirat 2017 zu hören, das Ganze verzögere sich um weitere zwei Jahre. Die Ortspolitiker waren wütend und fassungslos. Wohin mit den Kindern, von denen viele einen Migrationshintergrund haben? Beirat und Ortsamt haben in der Behörde interveniert, haben Lösungen gefordert und immer wieder angemahnt, die vor allem in Form von Mobilbauten kamen. Nun soll die Kita an der August-Bebel-Allee Mitte 2021 mit acht Gruppen in Betrieb gehen. Am 4. Februar sei die Baugenehmigung erteilt worden.

In die zu Ende gehende Legislaturperiode fielen auch die Neustrukturierungen der Begegnungsstätten und Treffpunkte für Senioren und für den Jugendbereich. Das Jugendfreizeitheim Vahr in der Bispinger Straße bekommt jetzt weniger Geld, weil es nicht so stark frequentiert war, das Personal für das Rote Haus und die Bude in der Neuen Vahr Nord wurde aufgestockt. Das Ganze sei auf Kante genäht, der Bedarf sei größer, sagt die Ortsamtsleiterin. Die Häuser müssten vor allem in den Wintermonaten an den Wochenenden geöffnet werden, weil die Jugendlichen es sich nicht leisten könnten, woanders hinzufahren. Der Beirat wolle im April einen Haushaltsantrag dazu stellen.

Massiv und erfolgreich interveniert hat der Vahrer Beirat bei der Bebauung des frei gewordenen Geländes an der Otto-Braun-Straße. Weil man im Prinzip sozialen Wohnungsbau in der ganzen Vahr habe, die Gewoba halte knapp 10 000 Wohneinheiten im Stadtteil, gebe es einen Bedarf an Häusern und Möglichkeiten der Eigentumsbildung, argumentierten Beirat und Ortsamt. Jetzt entstehen dort Reihenhäuser, und die Erschließungsstraße „Johanna-Kirchner-Weg“ wurde nach einer Sozialdemokratin benannt, die im Widerstand in der NS-Zeit war und 1944 hingerichtet wurde.

Immer wieder wurden und werden neue Projekte zur Integration in der Vahr aufgelegt, wo viele Zuwanderer leben und weiterhin unterkommen. „Der Mietpreis bestimmt, welche Menschen hierher ziehen“, sagt Karin Mathes. Es sei einem breiten Netzwerk zu verdanken, dass bei der Unterbringung der Flüchtlinge beispielsweise in der Einrichtung in der Bardowickstraße alles so gut gelaufen sei. Beirat, Ortsamt, Gewoba, Volkshochschule, Stadtbibliothek, Quartiersmanagement und einige mehr wirkten dabei mit, ebenso engagierte Kita- und Schulleitungen.

Die Verkehrssituation im Stadtteil ist ein Dauerthema, Verbesserungen am Unfallschwerpunkt Berliner Freiheit fordern die Ortspolitiker und einen Rotlichtblitzer an der Ampel Boljahn-Allee/ Friedrich-Stampfer-Straße. Eine Petition dazu ist im Januar 2018 veröffentlicht worden, sie befindet sich immer noch in der parlamentarischen Beratung. Den Blick für Handlungsbedarf geschärft hat auch das Entwicklungsprojekt 2035 (ursprünglich 2030), das Gewoba, Beirat und Ortsamt zur Aufwertung des Stadtteils aufgelegt haben. Deutlich sei beispielsweise geworden, wie nah die Vahr an der Universität liege, wenn es eine gute Fahrradverbindung gäbe. Der Lauf des Achterkampsfleet vom Vahrer See aus soll aufgewertet, und die Wasserqualität des Vahrer Sees verbessert werden, um nur einige Punkte zu nennen.

Heiß diskutiert wird die Zukunft der Galopprennbahn, die auf Sebaldsbrücker Gebiet liegt. Deshalb haben die Beiräte Hemelingen und Vahr den gemeinsamen Regionalausschuss „Galopprennbahn“ gegründet. Die CDU-Ortsverbände lehnen als einzige eine Bebauung ab, alle anderen Ortspolitiker haben sich dafür ausgesprochen, 50 Prozent des Geländes zu bebauen sowie Grün- und Erholungsflächen zu schaffen.


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Leserkommentare
holger_sell am 21.10.2019 13:11
Kretzschmar: Seit der Diskussion um den Brexit ist europaweit die Unterstützung für die EU gewachsen, sowohl in der Politik als auch in den ...
peteris am 21.10.2019 12:30
Vielleicht wissen wir am 1.11. um 11:11h mehr.


Sie meinen sicher den 11.11. um 11:11h?
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