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Beiratswahl 2019 im Bremer Südosten
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SPD bleibt stärkste Kraft

Christian Hasemann 02.06.2019 0 Kommentare

Als am Wochenende die ersten vorläufigen Ergebnisse zur Beiratswahl eintrafen, war schnell klar: Es wird bunter in den Beiräten des Bremer Südostens. Verlierer, wie nach den Ergebnissen der Bürgerschaftswahl zu erwarten war, ist die SPD. Einen eindeutigen Gewinner gibt es hingegen nicht, vielmehr konnten vor allem die kleinen Parteien Stimmenzuwächse verbuchen.

Die SPD-Genossen in den Beiräten dürften nach den desolaten Ergebnissen mit bangen Blicken auf die Ergebnislisten geschaut haben und tatsächlich wollten die Wähler offenbar auch auf Beiratsebene die SPD abstrafen. In den drei Stadtteilen des Bremer Südostens verlor sie zwischen neun und zehn Prozentpunkte, konnte aber dennoch in allen drei Stadtteilen die meisten Stimmen für sich verbuchen. Den kleineren Koalitionspartner „Die Grünen“ dagegen traf der Zorn der Wähler nicht, sie legten leicht zu. Die Linken konnten ihre Position in den Beiräten des Bremer Südostens verteidigen. Neu in den Beiräten sind die Parteien „Die Partei“ und die Alternative für Deutschland (AfD).

Osterholz

Im eher bürgerlichen Stadtteil Osterholz votierten die Wähler insgesamt deutlich für die etablierten bürgerlichen Parteien. Die SPD verlor nicht nur Stimmen (minus zehn Prozent), sondern auch zwei Sitze im Beirat. Die CDU profitierte in Osterholz nicht von der Schwäche der SPD, sondern verlor ebenfalls Stimmen, kann ihre fünf Sitze aber verteidigen. Neu hinzukommen zwei Sitze für die AfD und ein Sitz für die FDP, die knapp elf beziehungsweise sechs Prozent der Stimmen hinter sich sammeln konnten. Die Grünen legen moderate drei Prozentpunkte auf 15,7 Prozent zu, das reicht aber nicht für einen vierten Sitz im Beirat. Minimale Verluste dagegen bei den Linken, die damit wieder auf zwei Plätzen im Beirat Platz nehmen dürfen. Darunter ist auch Silvia Suchopar, die sich schon seit Jahren im Stadtteil engagiert. „Ich freue mich riesig, dass die Bewohner Osterholz mir ihr Vertrauen geben“, sagt die Videopädagogin aus Tenever. Sie habe versprochen, das Ohr der Bewohner zu sein. „Und ich will weiter an den Bewohnern dran bleiben.“ Eindeutige Mehrheitsverhältnisse sieht sie in Osterholz nicht. „Es kommt jetzt darauf an, dass wir miteinander sprechen.“

Für die Grünen wurde erstmals Andrea-Marie Schönfelder in den Beirat gewählt. Sie sei zufrieden mit dem Ergebnis, bedauere aber, dass es trotz der drei Prozentpunkte mehr in Osterholz nicht zu einem vierten Sitz gereicht habe. Den Stimmenzuwachs erklärt sie sich so: „Das hängt wohl auch damit zusammen, dass die Feldmark wieder unter Beschuss steht.“ Der Volksentscheid gegen die Bebauung der Galopprennbahn sei da nicht hilfreich. Nun richte sich der Blick auf andere mögliche Baugebiete. „Das wird ein hartes Brot, die Feldmark zu verteidigen“, meint die Verwaltungsangestellte. In Osterholz, so meint sie, möchte keine der Parteien eine Bebauung der Feldmark.

Auf Ortsteilebene zeigen sich in Osterholz große Unterschiede. So holte die AfD in Tenever und Blockdiek mehr als zwölf Prozent der Stimmen. Damit scheint sich ein auch in Osterholz zu bestätigen, was in anderen Stadtteilen zu beobachten ist: Die rechten Parteien punkten vor allem in den benachteiligten Quartieren. Ihr bestes Ergebnis erzielten CDU und Grüne jeweils im bürgerlichen Ortsteil Osterholz (31,9 und 19,5 Prozent). Einen vergleichsweise schweren Stand hat die CDU in Tenever und Blockdiek. Dort erzielten die Konservativen 20,9 beziehungsweise 24,3 Prozent. Die SPD hingegen erzielte in Blockdiek bremenweit ihr zweitbestes Ergebnis (38,4 Prozent).

Vahr

In der Vahr zeigt sich ein ähnliches Bild, wie in Osterholz: Die SPD verliert massive Stimmenanteile, kann aber mit 32 Prozent die Spitzenposition verteidigen. Insbesondere Beiratssprecher Bernd Siegel und der ehemalige Bürgerschaftsabgeordnete Helmut Weigelt konnten zudem zahlreiche Personenstimmen für sich verbuchen. Die CDU gewinnt ein Prozentpünktchen, aber damit einen zusätzlichen vierten Sitz, während die SPD auf nur noch fünf Sitze statt bisher sieben kommt. Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Martin Michalik, freut sich vor allem über den zusätzlichen Sitz im Beirat. „Wir sind sehr zufrieden, dass es mehr geworden ist, denn die Vahr war immer etwas schwieriger für die CDU, als zum Beispiel Schwachhausen.“ Er selbst allerdings wird dem Beirat voraussichtlich nicht mehr angehören, denn Martin Michalik wurde außerdem über einen Listenplatz in die Bürgerschaft gewählt. Für ihn, der vom Ergebnis nach eigenen Angaben überrascht wurde, wird jemand nachrücken müssen. „Da müssen wir die Fraktion in der Vahr jetzt erst einmal umbauen, wir brauchen auch einen neuen Fraktionssprecher“, sagt Martin Michalik.

Ganz neu ist mit Hermann Assmann ein Vertreter von „Die Partei“ des Satirikers Martin Sonneborn im Beirat Vahr vertreten. Als Witz sieht Hermann Assmann, dessen letztes politisches Engagement in die Schulzeit zurückreicht, sein Mandat aber nicht. „Auch wenn die Partei als Satirepartei angesehen wird, nehme ich das Mandat ernst und versuche das Beste für die Bürger in der Vahr zu erreichen.“ Erneut in den Beirat gewählt wurden auch die Bürger in Wut (BiW) sowie die FDP und die Linken. Der künftige Beirat, vorausgesetzt alle Kandidaten nehmen ihre Wahl an, wird also bunt sein: Sieben Parteien tummeln sich in dem 17-köpfigen Stadtteilparlament, in dem viele Politikneulinge zu finden sein werden. Martin Michalik meint deswegen: „Da viele neue Beiräte dabei sind, wird es sicher ein paar Wochen dauern, bis man sich verständigt.“ Er ist aber zuversichtlich, dass die Zusammenarbeit klappen wird. „Vor vier Jahren hatten wir auch schon viele kleine Parteien, aber im Laufe der Zeit hat man dann konstruktiv zusammengearbeitet.“

Hemelingen

Auch in Hemelingen bleibt die SPD stärkste Kraft, erreicht aber nur noch 28,2 Prozent der Stimmen und ist damit die große Verliererin. In Sitzen ausgedrückt bedeutet dies, dass die SPD nach derzeitigem Stand zwei Sitze verlieren wird. Auch in Hemelingen konnte aber die CDU von dem Stimmenverlust der anderen großen Volkspartei und der höheren Wahlbeteiligung nicht profitieren. Entgegen dem stadtweiten Trend verliert die CDU in Hemelingen knapp drei Prozentpunkte. Als Gewinner dürfen sich auch in Hemelingen die kleinen Parteien fühlen: Mit der FDP, der AfD und der Partei ziehen gleich drei neue Parteien in den Beirat ein. Wie in der Vahr müssen sich künftig sieben Parteien im Beirat Hemelingen koordinieren. Für die FDP zieht Uwe Janko neu in den Beirat ein. „Ich freue mich sehr über den Sitz und sehe dem mit Freuden entgegen“, sagt Janko. Er sei sehr dafür, dass man sich darauf fokussiere, was für den Stadtteil wichtig ist. Mit Blick auf den Erfolg der AfD sagt er: „Da müssen wir mal sehen, wie die Zusammenarbeit ist.“ Es gehe schließlich um den Stadtteil.

Der bisherige Beiratssprecher Uwe Jahn (SPD) freut sich auf spannende Beiratsarbeit, mit einer Einschränkung: „Auf die AfD freue ich mich nicht.“ Aber sie hätten eben ihre Wähler, die sich davon etwas versprechen. Einen eindeutigen Gewinner sieht er bei den Wahlen dagegen nicht, mit der SPD einzig eine klare Verliererin. Nun gehe es darum, aus der Niederlage etwas zu machen und zu „schauen, wie wir offensiver werden.“ Es habe Probleme gegeben, die man nicht habe lösen können, zum Beispiel bei der Kitaversorgung. „Aber dafür haben andere Parteien auch keine Lösung.“ Er werde jedenfalls sein Mandat annehmen, denn: „Es gibt noch viel zu tun in Hemelingen und bisher war unsere Stärke, gemeinsam etwas für Hemelingen zu fordern.“

Geteiltes Hemelingen

Hemelingen zeigt sich mit Blick auf die Ortsteile als ein geteilter Stadtteil: Im Ortsteil Hastedt sind die Grünen mit 26,3 Prozent der Stimmen die stärkste Partei. Die Linken kommen dort auf gute 15 Prozent, während die AfD nur 4,4 Prozent der Stimmen für sich verbuchen konnte. Ganz anders das Bild im sozial benachteiligten und direkt benachbarten Ortsteil Hemelingen. Hier kommt die AfD auf 11,1 Prozent Wählerstimmen, die Grünen auf vergleichsweise geringe 14,6 Prozent. In den ehemaligen Dörfer Arbergen und Mahndorf, traditionell eher bürgerlich wählend, erlangte die CDU die meisten Wählerstimmen – jeweils etwas mehr als 31 Prozent. Die Linken konnten in diesen Ortsteilen dagegen nur schwach punkten. Sie kommen auf 7,5 Prozent in Arbergen und 5,7 Prozent in Mahndorf.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
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Bremen99 am 21.10.2019 20:41
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