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Vandalismus in Bremen-Osterholz
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Steinskulptur am Marktplatz nach nur einem Tag zerstört

Jakob Milzner 10.07.2019 3 Kommentare

Skulptur für Marktplatz Osterholz zerstört
Skulptur für Marktplatz Osterholz zerstört (Günter Block)

Es wäre wohl eine festliche Veranstaltung geworden, als am Mittwoch eine neue Skulptur auf dem Marktplatz Osterholz eingeweiht werden sollte. Doch es kam anders. Bereits in der ersten Nacht, nachdem die rund zwei Meter große Sandsteinskulptur am Donnerstag an ihren neuen Platz gebracht worden war, zerstörten Unbekannte das Kunstwerk.

Dabei gingen die Täter mit brachialer Gewalt vor, denn die Skulptur war mit zwei langen Stahlschrauben fest auf ihrem Sockel verankert worden. Selbst drei Personen hätten den schweren Sandstein zusammen nicht bewegen können, erzählt Aykut Tasan vom Quartiersmanagement im Schweizer Viertel. So wurde extra ein Kran organisiert, um die Skulptur zu platzieren.

Nicht zu reparieren

Trotzdem lag die Figur am Freitagmorgen umgestürzt auf dem Boden, Kopf und Gliedmaßen waren abgebrochen und teilweise zersprungen. „Es muss in der Nacht passiert sein und es muss laut gewesen sein. Aber auch Anwohner, die unmittelbar ihre Fenster zum Marktplatz haben, haben nichts mitbekommen“, sagt Tasan. Der Schaden sei irreparabel, heißt es, einen Ersatz für das Kunstwerk wird es wohl nicht geben.

Spricht man mit den Personen, die an dem Projekt beteiligt sind, stößt man auf Unverständnis und Trauer. „Ich bedaure es sehr, dass das Kunstwerk noch vor der Einweihung zerstört wurde“, sagt Ulrich Schlüter, der das Ortsamt Osterholz leitet. Von der Skulptur habe man sich eine Aufwertung des Stadtteils erhofft. Die Figur stellte eine traditionelle Marktfrau mit Kopftuch dar und war im Jahr 1984 in der Bildhauerwerkstatt der JVA Bremen entstanden, wo Strafgefangene unter der Anleitung von ausgebildeten Künstlern arbeiten. Seit 1997 gehört die Werkstatt zum Verein „Mauern öffnen“.

Mit der Marktfrau habe man sich bewusst für eine Figur entschieden, die die Menschen im Stadtteil anspreche und zu der Umgebung passe, erklärt Schlüter. „Das macht mich eigentlich doppelt böse.“ Für die Skulptur seien zudem keinerlei Steuergelder verwendet worden, weshalb der möglich Vorwurf der Verschwendung von Mitteln ungerechtfertigt sei.

In Huchting 30 Jahre unbeschadet gestanden

Mehr als 30 Jahre habe die Skulptur zuvor an der Heinrich-Plett-Allee in Huchting gestanden, erzählt Rose Pfister, Referatsleiterin beim Senator für Kultur. Dort hätte die Statue nun wegen baulicher Maßnahmen entfernt werden müssen. Angesichts der langen Zeit, die das Kunstwerk an seinem alten Platz unbeschadet überstanden habe, sei dessen Zerstörung in der ersten Nacht am Marktplatz Osterholz umso verstörender, sagt Pfister. „Wir waren alle entsetzt“, beschreibt sie ihre erste Reaktion auf die Nachricht.

Die Skulptur sollte Teil der Neugestaltung des Marktplatzes Osterholz werden, den man schrittweise mit Kunst neu beleben wolle, sagt Aykut Tasan. Dabei handelt es sich um eine Initiative des Ortsamtsleiters Schlüter und des Beirats Osterholz. Die Zerstörung der Statue ist für Tasan besonders unverständlich, da es beim Aufstellen viele positive Rückmeldungen vonseiten anwesender Stadtteilbewohner gegeben habe.

Wie alle anderen Beteiligten möchte auch Beiratssprecher Wolfgang Haase (SPD) nicht über die Identität der Täter spekulieren. Bestürzend sei aber die kriminelle Energie, mit der die Unbekannten vorgegangen seien. „Wer immer das fertig gebracht hat, wollte dieses Kunstwerk nicht“, sagt Haase. Die Tat sei durch spontanen Vandalismus kaum zu erklären, das Ausmaß der Zerstörung „mit ein, zwei Mann nicht vorstellbar. Das ist entschlossenen Handeln gewesen“, sagt Haase.

Tathergang und Hintergrund unklar

Diese Einschätzung teilen auch Tasan und Schlüter. Wie die Täter im Einzelnen vorgegangen sind, ist dagegen unklar. Es gibt Mutmaßungen darüber, dass die Skulptur mithilfe eines Autos und eines Seils aus ihrer Verankerung gerissen wurde. Günther Block, Schatzmeister beim Verein „Mauern öffnen“, vermutet dagegen, dass mit einem schweren Gegenstand gegen die Steinfigur geschlagen wurde. Grüne Farbspuren am Kopf der der Skulptur könnten ein Hinweis darauf sein.

Nicht nur über den Tathergang, auch über die Hintergründe herrscht bislang Unklarheit. „Wir fischen da im Trüben“, sagt Schlüter. Der Bereich um die Statue wurde schon am Freitagmorgen abgesichert und die Polizei eingeschaltet, mittlerweile wurde auch eine Strafanzeige wegen Sachbeschädigung erstattet. Die Ermittlungen dauerten derzeit noch an, teilte Polizeisprecher Nils Matthiesen mit. Zeugenhinweise nehme die Polizei unter der Telefonnummer 362 38 88 entgegen. 

Ursprünglich hatte auf dem Marktplatz „Die Hüterin“ aufgestellt werden sollen, eine Bronzestatue des Bildhauers Gerhard Marcks. Dabei hätte es sich um eine Leihgabe des Gerhard-Marcks-Hauses gehandelt. Voraussetzung dafür sei aber gewesen, dass die Statue durch eine Überwachungskamera gesichert worden wäre, erklärt Ortsamtsleiter Schlüter.

„Lassen uns nicht unterkriegen“

Zwar habe es im Beirat schon vor geraumer Zeit einen einstimmigen Beschluss für die Platzierung einer solchen Kamera gegeben. Die Innendeputation habe die nötigen Mittel dafür aber nicht bewilligt, da es sich beim Marktplatz Osterholz nach ihrer Auffassung nicht um einen Kriminalitätsschwerpunkt handelte. „Hätten wir jetzt Kameras, hätten wir jetzt Bilder“, fasst Schlüter die Situation zusammen. „Das ist eine Forderung vom Beirat, schon seit geraumer Zeit“, ergänzt Tasan. An der betreffenden Stelle komme es immer wieder zu Straftaten.

Mit dem Abtransport der schweren Bruchstücke habe der Verein „Mauern öffnen“ nun extra ein Transportunternehmen beauftragt, erzählt Schatzmeister Günter Block. „Das lässt sich nicht mehr reparieren“, sagt Block. „Das ist so schwer, da muss ein Kran her.“

Für die Bemühungen, den Stadtteil künstlerisch neu zu gestalten, ist der Vorfall ein Rückschlag, auch deshalb, weil keine finanziellen Mittel für einen Ersatz bereitstehen. „Jetzt muss natürlich eine Diskussion darüber stattfinden, warum dieses Kunstwerk zerstört worden ist“, sagt Tasan. „Wir lassen uns nicht unterkriegen und werden uns weiterhin für eine Verschönerung des Stadtteils einsetzen“, fügt Ortsamtsleiter Schlüter hinzu.


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Leserkommentare
erschreckerbaer am 22.10.2019 21:34
Ist doch in Ordnung.
Bis jetzt habe ich 48 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt.
Habe dafür Steuern bezahlt.
Würde ich mit 67 in ...
flutlicht am 22.10.2019 20:43
Lieber @Wk, wann hat Höffner denn nun die Fläche erworben? Mal schreiben Sie von 14 Jahren im Text und in der Einleitung von 11 Jahren. Was stimmt?
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