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Rolf Wroblewski verlässt die Grünen und den Gröpelinger Stadtteilbeirat
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Ortspolitik verliert engagierte Stimme

Anne Gerling 12.01.2014 0 Kommentare

Gröpelingen Rücktritt Beiratsmitglied Rolf Wroblewski
Überraschend ist der Gröpelinger Grüne Rolf Wroblewski nach zweieinhalb Legislaturperioden von seinen Beiratsfunktionen zurück- und aus der Grünenfraktion ausgetreten. (Roland Scheitz)

Seit mehr als zehn Jahren vertrat er die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Gröpelinger Beirat. Insbesondere in Bildungsfragen hat er dort regelmäßig sehr engagiert – und manchmal auch hoch emotional – mitdiskutiert. Nun zieht sich Rolf Wroblewski aus der Politik zurück.

Sein Markenzeichen ist die Sandale, bei fast jedem Wetter. Inhaltlich steht er für die Belange von Kindern und Jugendlichen und das Thema „Älter werden“. Jetzt muss die Ortspolitik ohne ihn weitermachen: Für viele seiner Mitstreiter überraschend ist der Gröpelinger Grüne Rolf Wroblewski nach zweieinhalb Legislaturperioden zum Jahreswechsel von seinen Beiratsfunktionen zurück- und aus der Grünenfraktion, deren Sprecher er war, ausgetreten.

„Für mich zählt letztlich, dass ich Politik mit meinem Gewissen und meinen Vorstellungen vereinbaren können muss. Und dies wird immer schwerer – im Bundesgebiet entwickeln sich die Grünen immer mehr zu einem FDP-Ersatz, auf Stadtebene gibt es gerade in den für mich wichtigen Bereichen Bildungs- und Sozialpolitik keine Fortschritte“, begründet der gelernte Energieanlagen-Elektroniker diese Entscheidung.

„Der Gröpelinger Beirat war immer sehr SPD-dominiert, und es war für uns Grüne immer ein sehr intensiver Kampf gegen die Mehrheit. Unsere Anträge wurden zum Teil abgelehnt und dann später selber eingebracht. Aber wir haben in der Fraktion gut an Themen zusammengearbeitet und waren uns in den Hauptdingen sehr einig“, blickt Wroblewski auf seine ersten Jahre im Beirat zurück. Immer stärker sei aber im Laufe der Jahre das Gefühl geworden, „gegen die eigenen Leute argumentieren zu müssen“. Auch sei frustrierend, dass uralte Forderungen von vor 20 Jahren bis heute nicht realisiert werden konnten – etwa eine bessere Kita-Versorgung, um alle Kinder optimal auf die Schule vorbereiten zu können.

In der Bildungspolitik vermisse er bis heute einen roten Faden und eine langfristige Planung, moniert Wroblewski. Er habe Zweifel, dass hier der richtige Weg eingeschlagen werde. So sei unklar, in welchem Umfang die Oberschule Ohlenhof gebaut werde und ob es dort zum Beispiel eine Turnhalle gebe. Dass die Inklusion kam, nachdem es in der Vergangenheit alle zwei Jahre ein neues Schulmodell gegeben habe, finde er richtig, betont Wroblewski. „Aber die Schulen müssen entsprechend ausgestattet sein – und das sind sie bisher nicht. Ähnlich verhält es sich mit der Schulsozialarbeit: Da wollte man was Schönes machen, hat es aber nicht konsequent zu Ende gedacht. Dann sollte man das lieber lassen und stattdessen etwas anderes richtig machen.“

Schon als Kita-Gesamtelternbeiratssprecher hatte der Vater dreier Kinder vor rund 20 Jahren engen Kontakt zu den Grünen bekommen – etwa durch Anja Stahmann, die damals in der Sozialdeputation saß. Schließlich warb Helmut Kasten, der damals die Grünen im Gröpelinger Beirat vertrat, Wroblewski für die Ortspolitik an. Er stieg zunächst als Sachkundiger Bürger in die Beiratsarbeit ein und wurde 2003 als reguläres Mitglied in den Beirat gewählt. Dort habe er gewissermaßen mit den Inhalten weitergemacht, die ihn auch schon vorher als Kita-Elternvertreter beschäftigt hatten, schildert Wroblewski: „Ich habe zum Beispiel als einer der ersten gewagt, öffentlich zu sagen, dass die Kinder montags mehr zu essen brauchen, weil sie an den Wochenenden nicht genug bekämen.“

Sein Engagement für Kinder hänge vor allem damit zusammen, dass er selbst sich als misshandeltes Kind einen Fürsprecher von außen gewünscht, diesen aber nicht gefunden habe, erklärt der 60-Jährige. Und vor diesem Hintergrund wird auch die große Emotionalität nachvollziehbar, mit der sich Wroblewski in viele Beiratsdebatten eingebracht hat.

Schweren Herzens zurückgetreten

„Schweren Herzens“ trete er zurück, so Wroblewski, der bekennt: „Man hat immer auch das Gefühl, man lässt da jemanden im Regen stehen.“ Dabei hat er insbesondere Helmut Kasten im Sinn, den Wroblewski als eine „dominante Figur im Stadtteil“ schätzt und mit dem er lange für den heutigen Quartiersbus – die Linie 82 – und für bessere Schulen gekämpft hat.

Der Beirat und die Grünen werden nun ohne Wroblewski auskommen müssen, der Stadtteil aber nicht. Er sehe sich dort aktuell nach neuen Aufgaben und Betätigungsfeldern um, so Wroblewski. Am heutigen Sonntag wird er sich aber erst einmal beim Neujahrsempfang im Nachbarschaftshaus Helene Kaisen von einigen ehemaligen Mitstreitern verabschieden.

Mit Bedauern haben bereits das Ortsamt und die Gröpelinger Grünen auf seine Entscheidung reagiert. „Die Stadtteilgruppe bedauert den Rücktritt sehr, kann aber die Gründe nachvollziehen“, so Beiratsmitglied Dieter Steinfeld, der erklärt: „Trotzdem muss konstatiert werden, dass sich seit Eintritt der Grünen in die Regierungsverantwortung 2007 im Bildungsbereich in Gröpelingen viele Dinge verbessert haben, an denen auch Rolf Wroblewski seinen Anteil hatte. Ohne sein leidenschaftliches Wirken auch in die Partei hinein wäre der Fokus auf Gröpelingen vielleicht geringer ausgefallen. Mehr ist immer besser, aber im Haushaltsnotlageland eben nicht auf einmal machbar. Dennoch heißt es für den gesamten Beirat, weitere Verbesserungen durchzusetzen und Zugesagtes wie die gymnasiale Oberstufe oder den Ersatzbau der Turnhalle Auf den Heuen einzufordern. Im Bereich der Bildungsbehörde muss mehr Transparenz hergestellt werden – zum Beispiel bei der Frage, wo warum wie viele Lehrer eingesetzt werden.“


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Leserkommentare
adagiobarber am 21.10.2019 18:36
viele kleine gelungene schritte ...

in eine verdiente, sichere zukunft.

glückwunsch.

manch' heimischer hat ...
bremenkenner am 21.10.2019 18:08
Leider sehen das hier sehr viele genau anders herum und sind im festen Glauben dass Afrika zig mal in Europa reinpasst. Und viele Afrikaner glauben ...
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