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Bremen-Findorff-Bürgerweide
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Ein Gruppenbild für die Historie

Anke Velten 02.07.2018 0 Kommentare

Genau hundert Jahre nach ihrer Bauzeit wurde die Häuserzeile der Espabau an der Grünbergstraße saniert. Auf die Idee, das historische Foto mit den Akteuren von Heute nachzustellen kam Uwe Wilke, einer der beteiligten Handwerker.
Genau hundert Jahre nach ihrer Bauzeit wurde die Häuserzeile der Espabau an der Grünbergstraße saniert. Auf die Idee, das historische Foto mit den Akteuren von Heute nachzustellen kam Uwe Wilke, einer der beteiligten Handwerker. (fotos: Roland Scheitz)

Findorff-Bürgerweide. Die Männer, die sich vor hundert Jahren auf dem Baugerüst vor den Häusern an der Grünbergstraße postierten, dürften nicht geahnt haben, dass sie mit diesem Schnappschuss in die Geschichte eingingen. Die Handwerker, Mitarbeiter, Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder der Espabau, die das Archivfoto am Dienstag nachstellten, sollte es dagegen bewusst sein. Falls nicht, erinnerte sie der Fotograf freundlich daran. Die Wohnungsbaugesellschaft mit Sitz in Findorff hatte einen doppelten Anlass für die Neuauflage des Gruppenbilds. Die Häuser an der Grünbergstraße wurden vor genau einem Jahrhundert gebaut. Und in diesem Jahr begeht der „Eisenbahn Bau- und Sparverein“ sein 125-jähriges Gründungsjubiläum.

Im Gegensatz zur Welt um sie herum hat sich – zumindest äußerlich – an den Häusern nichts verändert. Die schmucken Fassaden im Stil der Reformarchitektur sehen vielmehr aus wie neu, denn die Espabau ist gerade dabei, den Straßenzug zu sanieren und zu modernisieren. Um neuen Wohnraum im dicht bebauten Stadtteil zu schaffen, wird aufgestockt, wo immer es geht. So auch an der Grünbergstraße, wo nach Plänen von Architektin Maja Marstaller aus dem Bremer Büro Gruppe GME die Dachböden zu 23 modernen 55-Quadratmeter-Wohnungen ausgebaut wurden. Besonderes Highlight sind die Dachterrassen mit ihrem spektakulären Panoramablick. Weit oben ist für Espabau-Verhältnisse in diesen Fällen auch der Mietpreis von 12,50 Euro pro Quadratmeter: Der Durchschnitts-Quadratmeterpreis liegt nach Angaben des Unternehmens bei 5,73 Euro. Nicht, dass die Espabau für die Wohnungen Werbung machen müsste: Das Interesse sei schon jetzt groß, erzählt Marc Bohn, der im vergangenen Jahr Nachfolger des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Manfred Eisinger wurde. Überhaupt: Es ist wieder eine Zeit, in der die Wartelisten lang sind.

Bedarf an Bedienstete für Bahnbetrieb

In einer Phase akuten Wohnraummangels begann auch die Geschichte der Eisenbahn-Genossen. Der Eisenbahnverkehr war ab der Mitte des 19. Jahrhunderts rasant in Fahrt gekommen. 1889 wurde der neue Bremer Centralbahnhof eingeweiht – Bremens heutiger Hauptbahnhof. Der wachsende Bahnbetrieb hatte einen heute unvorstellbaren Bedarf an Bediensteten, die irgendwo untergebracht werden wollten. In der ganzen Stadt war Wohnraum knapp. Glücklich waren darüber nur die Vermieter, die ihre Mietzinse ordentlich anheben konnten. Es wurden  selbst „die letzten Löcher“ vermarktet, wie es in einer Espabau-Chronik heißt. Am 30. Juli 1893 beschlossen 57 Eisenbahner, dass sie nicht länger warten wollten, bis irgendjemand anders das Wohnungsproblem lösen würde. Sie gründeten ihren „Eisenbahn Bau- und Sparverein“ nach dem Vorbild von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch. Motor der Gemeinschaftsaktion war der Schmied Heinrich Helmbrecht, der von der Gründerversammlung auch zum Vorsitzenden gewählt wurde. Schon im Oktober 1895 wurden die ersten Häuser am Torfbassin bezugsfertig – der Straße, die ab 1910 als Eickedorfer Straße im Bremer Adressbuch auftaucht. Bis zur Jahrhundertwende hatte die Genossenschaft fast 300 Mitglieder, und die ersten 44 Häuser mit 79 Wohnungen standen.

Großverdiener waren sie alle nicht. Die Mehrheit der Genossen waren Arbeiter, der Rest kleine Beamte. An der Grünbergstraße – benannt nach dem Vorsitzenden der Eisenbahns-Pensionskasse – wohnten ab 1908 unter anderem Zugführer, Weichensteller, Maschinisten, Schaffner, Heizer, Bremser und „Hülfsbremser“, Stellmacher, Wagenwärter, Gepäckträger. Es müssen allesamt sehr sparsame Leute gewesen sein. Ein Anteil an der Genossenschaft kostete 300 Goldmark. Der durchschnittliche Tageslohn eines Eisenbahners belief sich auf 3 Goldmark.

Nicht mehr genug Eisenbahner

In den 1960er-Jahren zeichnete sich ab, dass es bald nicht mehr genug Eisenbahner für die ganzen Wohnungen geben würde. Die Genossenschaft öffnete sich und nannte sich fortan „Espabau“. Seither können auch Nicht-Eisenbahner Anteile zeichnen.

Die ersten Häuser, die die Espabau erstellte, gibt es nicht mehr. Somit dürften die Häuser an der Grünbergstraße die Ältesten im Bestand sein, erklärt Marc Bohn – und sie sind auch eines der schönsten Gebäudeensembles in Findorff. Die Fluktuation in den Häusern sei gering. Wer eingezogen ist, bleibt meist lange, sagt Bohn, denn „etwas Besseres muss man heutzutage ja auch erst mal finden.“


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Leserkommentare
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peteris am 19.10.2019 10:57
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