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Bürgerschaftsabgeordnete
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Fast jeder vierte kommt aus dem Westen

Anne Gerling 10.07.2019 0 Kommentare

Bremen West. Findorff, Walle und Gröpelingen werden in der just gestarteten 20. Wahlperiode deutlich enger mit Landtag und Senat verzahnt sein als in den vergangenen vier Jahren. Unter den frisch gewählten 69 stadtbremischen Bürgerschaftsabgeordneten befinden sich nämlich insgesamt 16 Frauen und Männer aus dem Bremer Westen – das sind fünf mehr als in der vergangenen Legislaturperiode.

Für acht Mandatsträger ist dies ihre erste Amtsperiode, die anderen acht waren bereits in der Vergangenheit in die Bürgerschaft gewählt worden und hatten teilweise ihr Bürgerschaftsmandat zugunsten eines Senatoren-Postens aufgegeben wie Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) aus Findorff und Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) aus Walle.

Voraussichtlich werden Stahmann und Mäurer auch in den kommenden vier Jahren diese Ämter bekleiden und deshalb nicht der Bürgerschaft angehören, in die sie nun hineingewählt wurden. Eine dritte West-Senatorin könnte noch hinzukommen: Kristina Vogt, seit 2011 Vorsitzende der Linksfraktion in der Bürgerschaft und wegen ihres Engagements von Kollegen des Öfteren als „Gröpelingen-Senatorin“ tituliert, wird als Bremens neue Wirtschaftssenatorin gehandelt. Somit kämen zukünftig drei von acht Senatoren aus dem Bremer Westen.

Auch die beiden Spitzenkandidaten von CDU und FDP sind im Bremer Westen beheimatet: Der frisch gewählte Bremer CDU-Landesvorsitzende Carsten Meyer-Heder, der in Walle lebt, dürfte stadtweit wohl der prominenteste unter den Bürgerschafts-Neulingen sein. 104 589 Stimmen wurden für ihn abgegeben, womit Meyer-Heder der Kandidat mit den meisten Personenstimmen ist. Beinahe wäre der IT-Unternehmer und Politik-Quereinsteiger neuer Bürgermeister geworden – nach der Bildung der rot-grün-roten Koalition wird er sich nun stattdessen aber auf die Oppositionsarbeit konzentrieren.

Auch die anderen beiden West-Stadtteile sind in der neuen CDU-Fraktion vertreten: Dem in Findorff lebenden ersten türkischstämmigen CDU-Bürgerschaftsabgeordneten Oğuzhan Yazici, der 2013 für Elisabeth Motschmann nachgerückt und 2015 wiedergewählt worden war, gelang ebenso der Wiedereinzug ins Parlament wie dem Gröpelinger Abgeordneten Heiko Strohmann. Dieser hat in seinem Stadtteil besonderen Rückhalt, wie ein Blick auf die Zahlen zeigt: 467 der für ihn abgegebenen Stimmen kamen aus Gröpelingen, das entspricht 46,9 Prozent.

Wie dem Stimmzettel zu entnehmen ist, ist auch FDP-Spitzenkandidatin Lencke Steiner mittlerweile in Walle zuhause – wo ihre Partei allerdings keinen so leichten Stand hat. Gerade einmal 4,9 Prozent der Wählerstimmen bekam die FDP in Walle und angesichts der für Steiner in Walle ermittelten Kreuzchen (5,3 Prozent von bremenweit 19151 Personenstimmen) kann man hier auch nicht gerade von einem Heimspiel reden.

Anders sieht dies bei der SPD aus – auch wenn sie dieses Jahr sogar in ihren traditionellen Hochburgen Walle und Gröpelingen Stimmen verloren hat und mit Jürgen Pohlmann – seit gut einer Woche Walles neuer Beiratssprecher – ein langjähriger Fürsprecher des Westens die Bürgerschaft verlassen hat. Elombo Bolayela wiederum, der auch dieses Mal wieder deutlich mehr als 3000 Personenstimmen bekam, ist mittlerweile von Oslebshausen nach Blumenthal umgezogen. Dafür konnten nun andere Kandidaten aus Gröpelingen von ihren Personenstimmen profitieren und eine so hohe Zahl an Stimmen für sich verbuchen, dass ihnen beim ersten Anlauf der Sprung in die Bürgerschaft gelungen ist: Jasmina Heritani, Jahrgang 1982, hat Wirtschaftsarabistik, Kulturwissenschaft und Deutsch als Fremdsprache studiert und ist 2012 mit ihrer Familie nach Gröpelingen gezogen. Sie war bei der Aufsuchenden Bildungsberatung in Gröpelingen als Ansprechpartnerin für die arabischsprachige Community tätig, ist Vorsitzende des 2016 gegründeten und in Gröpelingen beheimateten Syrischen Exil-Kulturvereins (Seku) und Trägerin des diesjährigen Kultur- und Friedenspreises der Villa Ichon. 342 der für sie abgegebenen 2540 Stimmen kamen aus dem Stadtteil, in dem sie lebt und nur in Horn-Lehe, Oberneuland, Hemelingen, Blumenthal, Seehausen, Strom, Borgfeld und dem Blockland bekam sie jeweils weniger als 100 Stimmen.

Große Unterstützung aus seinem Stadtteil gab es für den Arcelor-Betriebsratsvorsitzenden Muhammet Tokmak, Jahrgang 1972: 43 Prozent der für ihn abgegebenen 2390 Stimmen kommen aus Gröpelingen, wo er sich bereits in den vergangenen vier Jahren im Gröpelinger Beirat engagiert hatte und unter anderem Sprecher des Bauausschusses war.

Gönül Bredehorst, bislang Sprecherin des Findorffer Beirats, trauen insbesondere die Menschen in ihrem Stadtteil viel zu: 56,4 Prozent ihrer insgesamt 834 Stimmen stammen von Findorffern, wodurch sie nach aktuellem Stand einen Sitz in der Bürgerschaft erringen konnte. Allerdings könnte es hier noch zu Verschiebungen kommen – wenn nämlich nach der Senatswahl im August ihre beiden Parteikollegen Carsten Sieling und Eva Quante-Brandt sich dazu entscheiden, ihre Bürgerschaftsmandate anzunehmen. Als Bürgermeister beziehungsweise Wissenschaftssenatorin gehören beide derzeit nicht der Bürgerschaft an.

Für die Grünen war Bildungspolitiker Matthias Güldner aus Findorff im Mai nicht mehr zur Wiederwahl angetreten. Ganz neu in der Grünen-Fraktion sind stattdessen nun die Abgeordneten Philipp Bruck aus Findorff und Solveig Eschen aus Walle. Bruck – der immerhin 18,6 Prozent seiner Stimmen aus Findorff bekam – ist überzeugter Veganer und Radfahrer und Fraktionssprecher für Klima-, Energie- und Tierpolitik. Die Wissenschaftlerin und Psychologin Eschen wiederum – die 19,2 Prozent ihrer Stimmen in Walle holte – will sich auf die Schwerpunkte Grüne Stadtentwicklung, Bildungsgerechtigkeit und Europa konzentrieren.

Auch der 1966 geborene Uwe Felgenträger (AfD) ist neu in der Bürgerschaft. 35 Prozent der insgesamt 1160 für ihn abgegebenen Stimmen kamen aus Gröpelingen, wo er lebt.

Zu sechs Fraktionen hat somit der Bremer Westen nun einen „heißen Draht“.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...
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