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Jürgen Pohlmann diskutiert mit Gröpelingern über Parzellen-Leerstände und schlecht gepflegte Wege
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Kleingärtner wollen Rechtssicherheit

Anne Gerling 21.08.2017 0 Kommentare

WES Fleetstraße Kleingartengebiet Naherholungspark Bremer Westen
Planungen für einen Naherholungspark einerseits, andererseits schlecht gepflegte Wege – das passt für viele Besucher des Parzellengebiets einfach nicht zusammen. (Roland Scheitz)

Der hatte im Sommer mit der Idee für Verunsicherung unter Bremer Kleingärtnern und Ortspolitikern gesorgt, brach liegende Parzellen für den Wohnungsbau nutzen zu wollen.

Seitdem fragen sich viele, was denn wohl konkret geplant wird und ob womöglich auch ihr Verein betroffen sein könnte. Angeblich soll es schon einen Run auf Eigenlandparzellen von Käufern geben, die darauf spekulieren, diese Grundstücke als Bauland mit Gewinn weiterzuverkaufen. Gleichzeitig stehen Bremens Parzellisten noch vor ganz anderen Schwierigkeiten, wie sich in der Diskussion zeigte.

WES Fleetstraße Kleingartengebiet Naherholungspark Bremer Westen
Diese leer stehende Parzelle im Kleingartengebiet Fleetstraße passt so gar nicht zur Naherholung. (Roland Scheitz)

Besonders problematisch ist der Umgang mit leer stehenden Kaisenhäusern. Potenzielle Neupächter haben Angst, am Ende auf den Abrisskosten sitzen zu bleiben. Deshalb können trotz vieler Interessenten solche Gärten von seinem Verein, den Gartenfreunden Am Mittelwischweg, derzeit praktisch nicht vermittelt werden und verfallen, sagt SPD-Beiratspolitiker Rolf Heide. Und, so Heides Vereinskollege Hans Senkpiel: Ein für Kleingärten und Wochenendhäuser verantwortlicher Behördenvertreter habe den Vereinen gesagt, sie müssten bei Neuverpachtung alte Kaisenhäuser selbst abreißen. In anderen Fällen soll wiederum die Behörde Bestandsgarantien ausgesprochen haben, schilderte ein anderer Parzellist. Die Verunsicherung ist dementsprechend groß.

Ungenutzte Gärten umnutzen

„Es gibt eine Regelungslücke, was den Umgang mit Kaisenhäusern angeht“, unterstrich auch Birgit Drechsler, Geschäftsführerin des Landesverbandes der Gartenfreunde Bremen, die im Publikum saß. Dabei gehe es um die Frage, wer sogenannter Verfügungsberechtigter über ausgewohnte Kaisenhäuser sei. „Wir sind es nicht, werden aber in diese Rolle gedrängt“, betont Drechsler: „Wir können die Kaisenhäuser nicht im Ehrenamt verwalten, wir sind doch keine Immobilienmakler!“ Den Vorstoß, ungenutzte Gärten umzunutzen, finde sie großartig, erklärte Drechsler weiterhin: „Wir haben einen Überbestand. Wenn man den sinnvoll anders nutzen kann, würden wir uns nicht dagegen stellen.“ Im Gegenzug müsse es dann aber eine „Sanierung im Bestand“ geben – so könnten zum Beispiel Gärten kleiner und besser erreichbar werden: „Das ist machbar, dafür gibt es gute Stadtplaner!“ Eine Position, der sich zum Beispiel Jürgen Huss, Vorsitzender von „Blüh’ auf“, durchaus anschließen könnte: „Aber bitte schalten Sie Vereine und Landesverband rechtzeitig mit ein!“

„Wir stehen in Sachen Kaisenhäuser in der Schuld, weil da, wo es Abrissverfügungen gibt, nicht abgerissen worden ist“, bestätigte Jürgen Pohlmann den Kleingärtnern: „Sie haben recht, dass wir hier Rechtssicherheit brauchen.“ Die für die Abrisse eingestellten Mittel seien wohl nicht ausreichend. Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete betonte außerdem, zu einer etwaigen Bebauung noch keine fertigen Pläne präsentieren zu können, sondern gemeinsam mit Vereinen und Landesverband Lösungen finden zu wollen. Er verweist auf das Holter Feld in Sebaldsbrück, wo in den 1970er Jahren Hunderte Kleingärten aufgegeben wurden, um Platz für Mercedes zu machen – im Rückblick eine gute Entscheidung.

In der Diskussion um Gärten als mögliches Bauland irritiert Findorffer, Waller und Gröpelinger Kleingärtner aber noch etwas anderes: Die Planungen für den „Naherholungspark Bremer Westen“ nämlich, die Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) vor einiger Zeit angeschoben hat und in die seitdem viel Energie geflossen ist. „Kollidiert das?“, fragt sich nun Rolf Heide – und Hans Senkpiel schildert: „Wir waren am Anfang erfreut darüber und haben uns an vielen Diskussionen dazu beteiligt. Da war nicht einmal die Rede davon, dass da mal Häuser hin sollen.“ Die erste Euphorie ist dabei verpufft: Gerade einige der Gärten in städtischem Besitz seien besonders ungepflegt, schilderte ein Zuhörer. Seine Sitznachbarin stört, dass sogar einzelne Wege wie etwa der Fliederweg, der Margarethenweg oder der Rathjenweg im Waller Ortsteil Hohweg – dieser Bereich gehört auch zum Naherholungspark Bremer Westen – komplett verwildert und praktisch nicht mehr passierbar seien.

Das Hauptproblem bei dem Park-Projekt sei seiner Ansicht nach, dass man an viele Eigentümer nicht herankomme, sagt dazu Pohlmann. Aufgegeben hat man das Vorhaben im Umweltressort aber ganz offensichtlich nicht: Seit Mai wird dort nach einem neuen Projektkoordinator gesucht. Sobald die Stelle besetzt sei, könne man womöglich auch Fragen zu improvisierten Wohnformen mit in die Diskussion hineintragen, hofft Christina Vogelsang, Sachkundige Bürgerin der Grünen im Gröpelinger Beirat. Ihr will bei der gesamten Diskussion dabei nicht recht einleuchten, weshalb überhaupt Kleingärten als mögliches Bauland ins Blickfeld rücken, wo doch bei Immobilien Bremen (IB) sogar die finanziellen Mittel fehlten, um das fast sieben Hektar große Areal an der Ritterhuder Heerstraße – immerhin eine der potenziellen Wohnbauflächen auf Bremens „40+“-Projektliste – weiterzuentwickeln und zu bebauen. Anders als in manchen Teilen der Vereinsbereiche gebe es dort bereits eine Infrastruktur, betont Vogelsang: „Wieso also die Idee, dass es im Kleingartengebiet klappen könnte?“

Er bleibe dabei, dass die bestehenden Flächen nicht für Bremens Innenstadtentwicklung ausreichend seien, sagt dazu Jürgen Pohlmann, der das Thema nun im Dialog mit den Vereinen weiterverfolgen möchte. Eine lange Liste von Anregungen konnte er aus dem Fachausschuss direkt in die Baudeputation mitnehmen, die das Thema am darauffolgenden Tag auf der Agenda hatte.


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Leserkommentare
heinmueckausbremerhaven am 21.10.2019 20:47
Es gibt nur eine Chance wieviel Artikel beschrieben. Und jetzt schwindet mit dem Artikel von Stefan Rahmstorf das Argument, dass die BRD nur für ...
Bremen99 am 21.10.2019 20:41
Das Parken in Wild-West-Manier rund um den Freimarkt hat Tradition. Vor über 40 Jahren konnte man auch schon regelmäßig beobachten wie dreiste ...
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