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Tigerfell inklusive

Magali Trautmann 09.10.2019 0 Kommentare

Szenenaufnahmen zum Stück „Die Wahrheit über Dinner for One“ des Union Theaters.
Szenenaufnahmen zum Stück „Die Wahrheit über Dinner for One“ des Union Theaters. (Magali Trautmann)

Bis der berühmte Satz „The same procedure as every year!“ fällt, müssen sich die Zuschauer bei der Aufführung der „Wahrheit über Dinner for One“ ein Weilchen gedulden. Schließlich soll geklärt werden, „warum am Ende nur Miss Sophie mit ihrem Butler dort sitzt“, sagt Ansgar Matuschak während der Proben des Union Theaters. In der Aufführung des ältesten Bremer Amateurtheaters spielt Matuschak den Theaterdirektor und Regisseur Edward Taylor. Bis die Frage beantwortet wird, passieren jede Menge ähnlich amüsanter Vorfälle, Verstrickungen und Verwechslungen, für die die alljährliche Sylvesterkomödie bekannt ist – inklusive Stolperer und Nicht-Stolperer über das Tigerfell. Wobei „der Kopf des Tigers mit einer Hantel beschwert sei“, verrät Matuschak, „so klappt’s mit dem Stolpern besser!“

In „Die Wahrheit über Dinner for One“ geht es um ein fiktives Theater in Blackpool, in dem der Sketch aufgeführt werden soll. Das Haus steht kurz vor dem Ruin. Zur Rettung seines Theaters beschließt der Direktor einen Star auf die Bühne zu holen. Die extravagante Schauspielerin May Warden (Jessica Coels), die er für die Rolle der Miss Sophie verpflichtet, ist aber zugleich die Exfrau von Hauptdarsteller Freddie Frinton.

Der zuvor geführte Rosenkrieg zwischen den beiden, droht auf der Bühne wieder auszubrechen. Die Diva will einen Rückzieher machen, doch Taylors Knebelvertrag zwingt sie zu ihrem Ex auf die Bühne. Mit ihrer „Perser-Lady“ Gipsy auf dem Arm lässt Warden in Gegenwart ihres Ex keine Gelegenheit aus, ihn zu verspotten: „Ehemänner hatte ich vier, Katzen nur zwei. Die halten eindeutig länger.“ Doch Frinton (Christian Seegert) zeigt sich wenig beeindruckt und kontert ebenso gewitzt: Den Sketch hätten sie schon zigtausend Mal aufgeführt und er sei jedes Mal fabelhaft gewesen – ohne seine Ex-Frau. Der Direktor versucht vergebens zwischen den beiden zu vermitteln, erklärt Christian Schliehe, der „wahre“ Regisseur der Union-Aufführung: „Mr. Taylor tut alles, um das Stück auf die Bühne zu bekommen. Er erzählt Warden, Freddie sei todkrank und es sei sein letzter Wunsch, noch einmal aufzutreten“. Als die Lüge auffliegt, verbünden sich Frinton und Warden gegen ihn und setzen alles daran, die Aufführung des Sketches zu sabotieren. Bis zum bekannten Ende.

Für die Rolle des Butlers James scheint Seegert geradezu prädestiniert. Bereits bei den Proben im Kellergewölbe des Union Theaters verkörpert er auch ohne Kostüm die Rolle, als wäre sie für ihn geschrieben worden. Matuschak mit den mephistophelischen Augenbrauen, mimt glaubwürdig den aufgebrachten Direktor und Regisseur des Stücks im Stück. Melanie Tröster übernimmt als Doris Cooper die Rolle der nervösen Assistentin an seiner Seite. Werner Logemann (Laurence Hill/Admiral von Schneider) und André Fritsch (Henry King/Mr. Pommeroy) ergänzen die sechsköpfige Besetzung, die im Verlauf der Geschichte auf zwei dezimiert wird. Wie die Hauptdarsteller springen auch Logemann und Fritsch in der Verwechslungs-Komödie zwischen ihren Doppelrollen hin- und her. Das reizvolle Spiel mit dem Stück im Stück geht auf Autor Jan-Ferdinand Haas zurück, der für die Abwesenheit der Gäste an Miss Sophies 90. Geburtstag eine schlüssige wie witzige Erklärung hat, die an dieser Stelle nicht verraten werden soll.

Die Spielfreude ist den Laiendarstellern des Union-Theaters anzumerken: „Es macht Spaß auf der Bühne zu stehen“, erzählt Jessica Coels. „Es gibt zwar oft Momente, wo man sich fragt: Wozu mache ich das? Aber am Ende wird‘s alles gut“. Die Besitzerin einer Druckerei ist vor drei Jahren zum derzeit zehnköpfigen Ensemble gestoßen, dem Aufruf nach einem Theaterabend folgend, neue Schauspieler seien immer willkommen. Seitdem schlüpft sie in ihrer Freizeit in die verschiedensten Rollen und druckt am Arbeitsplatz die Poster, Flyer und Programmhefte des Theaters. André Fritsch ist ebenfalls ein Neuzugang und „Glücksfall für das Theater“, bemerkt Matuschek, der mit 35 Jahren Theatererfahrung „Dienstälteste“. Insbesondere junge Männer für das Theater begeistern sei schwer. Das 127 Jahre alte Union-Theater hat Nachwuchsprobleme. Dass dann ein Stück, dass den 90. Geburtstag einer einsamen Dame feiert, passt, davon ist er überzeugt.

Denn in Schliehe hat das Ensemble einen professionellen Regisseur gefunden, der mit viel Elan „Die Wahrheit über Dinner for One“ inszeniert. Und der Stolper-Slapstick mit dem Tigerfell, über das sich Groß und Klein jedes Jahr aufs Neue an Sylvester amüsieren, wird hier sogar noch weiter ausgereizt. Für alle, die den Schwarz-weiß-Film gewohnt sind, wird es außerdem ein ungewohnter Anblick sein, das Tigerfell in Farbe am Boden liegen zu sehen. Im Union Theater wird die Wahrheit des Sketches Live und in Farbe erzählt.

Nicht nur Dinner for One-Fans steht somit ein vergnüglicher Abend bevor. Dem Kult-Sketch beschert die Komödie einen erhellenden Tiefgang, der alle ins Theater locken sollte, die sich schon immer gefragt haben, warum Miss Sophie allein an ihrer Geburtstagstafel sitzt.

Die Komödie „Die Wahrheit über Dinner for One“ von Jan-Ferdinand Haas, inszeniert von Christian Schliehe, mit Jessica Coels, André Fritsch, Werner Logemann, Ansgar Matuschak, Christian Seegert und Melanie Tröster, ist vom 23. Oktober bis 3. November im Bremer Kriminal Theater, Theodorstraße 13a, zu sehen (jeweils dienstags bis freitags um 20 Uhr, sonnabends 18 Uhr, sonntags 16 Uhr).


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Leserkommentare
Gissmo am 23.10.2019 09:36
Danke für die konstruktive Antwort, man kann sich scheinbar ja doch noch ohne Beleidigungen hier im Kommentarbereich austoben, so machts doch allen ...
RalfBlumenthal am 23.10.2019 09:28
Was macht ein Ortsamtsleiter, der seinen Willen nicht bekommt ?
Er macht nichtöffentlich, was öffentlich gehört !
So geht das nicht, Herr ...
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