Wetter: wolkig, 7 bis 15 °C
Viert- und Fünftklässler der Grundschule am Halmerweg spielen Stück, das viel mit ihrer Identität zu tun hat
Der Artikel wurde zur Merkliste hinzugefügt.
Die Merkliste finden Sie oben links auf der Seite.

Selbstsicherheit und Wir-Gefühl gewonnen

Christiane Tietjen 14.03.2013 0 Kommentare

Die Viert- und Fünftklässler der Grundschule am Halmerweg spielen während ihrer Aufführung   eine Art Reise nach Jerusal
Die Viert- und Fünftklässler der Grundschule am Halmerweg spielen während ihrer Aufführung eine Art Reise nach Jerusalem, bei der sie nicht nur ihren Platz, sondern sinnbildlich auch ihre Heimat und ihre Freunde verlieren. (Roland Scheitz)

Gröpelingen. "Papa, warum müssen wir auswandern?", fragt der Junge seinen Zeitung lesenden Vater. "Es ist Krieg, das verstehst du nicht", bekommt er zur Antwort. "Ach so, so etwas wie Star Wars?" Der Vater verneint mit amüsiert-besorgter Miene. Die Wände der Bühne sind dicht mit Zeitungspapier verkleidet, ein grüner Boden und tragbare Sperrholzkisten genügen, um den Blick der Zuschauer ganz auf die Bewegung und die Sprache der Kinder zu konzentrieren. Eine Art Reise nach Jerusalem wird in Szene gesetzt, bei der die Akteure ihren Platz, ihre Heimat und ihre Freunde verlieren.

"Die Schüler haben viele Ideen selbst entwickelt", sagt Theaterpädagogin Sabina Mak. "Am ersten Tag waren mehr als 30 Kinder in der Theatergruppe erschienen. Wenn man das Plattdeutsch mit einbezieht, konnten sie 24 verschiedene Sprachen." Die Choreografie im Raum ist sparsam, die Auswanderer sind durch farbige Kleidung gekennzeichnet, alle anderen tragen Schwarz und Sonnenbrillen. Eine fremde Welt, Techno-Musik, abgehackte Sätze wie "Dieser Platz ist videoüberwacht!" geistern durch den Raum, nachdem ein Flug mit ebenso seltsamen Ansagen überstanden ist. Und dann geht die Sprachverwirrung los. Einfache Fragen wie "Darf ich mal ihr Handy benutzen?" beantwortet man mit achselzuckender Abkehr, Türkisch und Albanisch werden ebenso wenig verstanden. Langsam legen die Auswanderer ihre bunten Umhänge ab und setzen sich zu den andern.

Sprachliches Nebeneinander

Eine spürbar emotionale Bewegung entsteht im Zuschauerraum, als eine kleine Schülergruppe auf der Bühne ein türkisches Lied anstimmt. "Es war interessant, welches Lied die Schüler ausgesucht haben," erklärt Sabina Mak. "Ein Lied zum Hennafest, dem feierlichen Bemalen der Braut vor der Hochzeit; Abschiedsstimmung also." Das sprachliche Nebeneinanderher hat ein Ende, als zwei Auswanderinnen Köchinnen in einem deutschen Restaurant werden und statt der bestellten Currywurst etwas Exotisches servieren, das den Gästen aber viel besser schmeckt. Jetzt ist das Eis gebrochen: In der Schlussszene verstehen Deutsche plötzlich arabische oder französische Fragen, Engländer setzen Anfragen auf Deutsch in die Tat um, obwohl jeder seine eigene Sprache spricht. Die Atmosphäre ist bestimmt von gegenseitiger Hilfsbereitschaft und Offenheit. Am Ende stellen Einzelne noch einmal die Gewissheit in den Raum, dass es gut ist, nicht nur eine Heimat zu haben – und warum.

Karl-Holger Meyer, Konrektor der Grundschule am Halmerweg, hat im vergangenen Jahr Sabina Mak bei den Grundschultheatertagen entdeckt und sie gleich für das kooperative Quims-Projekt engagiert. "Quims, das steht für Qualität in multikulturellen Schulen, eine in der Schweiz entstandene Idee, um die Sprachkenntnisse zu verbessern und das Bildungsniveau anzuheben." Auch Schulleiterin Silke Reinders von der Oberschule Ohlenhof ist begeistert, wie schnell sie das gemeinsame Projekt "an den Start gekriegt haben", wie sie sagt. "Was in dem Theaterstück gut zum Ausdruck kommt, ist die Wertschätzung der eigenen und der anderen Sprache. Die Mehrsprachigkeit ist ja auch ein Reichtum."

Seit September des vergangenen Jahres haben die Klassen einmal wöchentlich zwei Schulstunden an dem Stück geprobt und, wie es scheint, Selbstsicherheit und Wir-Gefühl gewonnen. Mit einem strahlenden Lächeln bedanken sie sich bei ihrer "Frau Sabina", nachdem der lang anhaltende Applaus verklungen ist. Auch den Klassenlehrerinnen Buket Yasar von der Oberschule Ohlenhof und Hülya Koçak von der Grundschule Halmerweg ist es ein Anliegen, sich mit einem Geschenk bei der Theaterpädagogin zu bedanken. Sie wissen, wie wichtig es ist, jeden Schüler mit seiner Biografie ernst zu nehmen und zu Wort kommen zu lassen.


Ihr Wetter in Bremen
Temperatur: 15 °C / 7 °C
Vormittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/wolkig.png
Nachmittag:
/__wetterkontor/images/wr/50/bedeckt.png
  Regenwahrscheinlichkeit: 40 %
Berichte aus den Bremer Stadtteilen
Sehen Sie in dieser Bildgalerie, wie facettenreich Bremens Stadtteile sind.
Was ist los in meiner Nachbarschaft? Welche Veranstaltungen finden in meinem Ortsteil statt und welche Debatten führen die Beiräte auf Stadtteilebene? Hier geht es zu den Inhalten des STADTTEIL-KURIER.
Entdecken Sie das historische Bremen
... die Teerhofinsel zu sehen.

Ob Bahnhof, Marktplatz, Weserstadion oder Schlachte: Das Bremer Stadtbild hat sich im Laufe der Zeit erheblich verändert. Wir berichten über vergessene Bauten, alte Geschichten und historische Ereignisse.

Leserkommentare
Fehleinkauf am 22.10.2019 10:30
Was als für immer unerreichtes Märchen in den 70ern begann, ist heute nur noch peinlich.

Peinliche Story
Peinliche ...
Izmir_Fuchs am 22.10.2019 10:27
Keine Sorge, das dient nur AKKs Profilierung. Sie kann den Vorschlag doch nur aufgreifen, weil sie genau weiß, dass da nichts passieren wird.
Sporttabellen & Ergebnisse
Sporttabellen & Ergebnisse

Welcher Verein wann in Bremen oder der Region spielt und wie die Begegnung ausgegangen ist, erfahren Sie in unserem Tabellenbereich. Auch die Ergebnisse der Spiele der höheren Ligen finden Sie dort.

Aktueller Mittagstisch in Bremen
Traueranzeigen
job4u - Das Ausbildungsportal
job4u - Das Ausbildungsportal

job4u ist die regionale Plattform, wenn es um Lehren und Lernen geht. Neben dem WESER-KURIER, der Handelskammer und der Handwerkskammer Bremen machen sich hiesige Firmen für junge Leute stark. 

Sonderthemen aus den Stadtteilen
Sonderthemen aus den Stadtteilen
Anzeige