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Polizei Bremen findet keine Beweise für Mordfall im Tietjensee

Ralf Michel 06.11.2018 3 Kommentare

Am Dienstag wurden von der Polizei Ermittlungsergebnisse im Fall des Mords ohne Leiche präsentiert.
Am Dienstag wurden von der Polizei Ermittlungsergebnisse im Fall des Mords ohne Leiche präsentiert. (Ralf Michel)

Wenn es denn tatsächlich Beweise geben sollte, dass die seit Juni 1993 vermisste Jutta Fuchs aus Farge ermordet wurde – sie liegen nicht im Tietjensee bei Schwanewede. Zumindest sagt das die Bremer Kripo, auf deren Betreiben hin der See Anfang Oktober komplett abgepumpt und dann wochenlang akribisch abgesucht wurde. Jede Menge Metallstücke habe man gefunden – Angelhaken, Nägel, Bierdosen, Grillgitter, Eisenstangen, von der Polizei unter "Banalschrott" zusammengefasst –, aber nichts prozessrelevantes, erklärte am Dienstag der Ermittlungsführer der Polizei als Zeuge vor Gericht. Keine Leiche, keine Leichenteile, keine Tatwaffe. "Nach unserer Einschätzung gibt es in diesem See keine Beweismittel mehr."

Ende Oktober hat die Polizei deshalb die Suche beendet. Inzwischen wurde der See wieder aufgefüllt. Und damit neigt sich vor dem Landgericht auch der Mordprozess gegen den heute 58-jährigen damaligen Verlobten von Jutta Fuchs unwiderruflich dem Ende entgegen. Die Beweisaufnahme wurde am Dienstag so gut wie abgeschlossen. Zwei, drei Kleinigkeiten noch, dann sollen am nächsten Verhandlungstag, am Montag, 12. November, die Plädoyers gehalten werden. Die Urteilsverkündung ist für den 20. November geplant. Und auch wenn am Dienstag die Staatsanwaltschaft noch einmal Flagge zeigte, Anwalt Horst Wesemann dürfte mit seiner Einschätzung in einer Verhandlungspause wohl richtig liegen. "Ich gehe von einem Freispruch aus", sagte er und kritisierte erneut die Durchsuchung des Sees: "Außer Spesen nichts gewesen."

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Das sieht die Kripo ganz anders. Zwar habe man den See schon zweimal abgesucht, nachdem dort 1994 Angler eine mit Steinen beschwerte Plastiktüte mit Papieren und Utensilien aus dem Besitz von Jutta Fuchs geangelt hatten. Die Suche habe seinerzeit aber ohne die letzte Gewissheit geendet, dass sich tatsächlich nichts Wichtiges in dem See befindet. Dies könne man erst jetzt mit Gewissheit sagen, betonte der Ermittlungsführer gleichsam als Begründung für das aufwendige Abpumpen des Sees. "Wir sind zufrieden mit der Durchsuchung."

Nachdem das Technische Hilfswerk (THW) den See geleert hatte, wurde er zunächst mit Drohnen abgeflogen. Dann wurden kroatische Kadaverhunde zur Suche eingesetzt, bevor schließlich der Kampfmittelräumdienst der Polizei manuell nach Metallstücken suchte. Der gesamte Boden sei systematisch abgeharkt worden, der Kampfmittelräumdienst habe rund 200 metallische Ortungspunkte im See und am Uferbereich überprüft, erläuterte der Kripo-Beamte. "Wir gehen davon aus, dass wir alles aus Metall gefunden haben."

"Und Knochenteile?", erkundigte sich der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann. Größere Knochenteile wären doch wohl kaum übersehen worden? Kein Zögern beim Polizisten: "Ja, das kann ich mit Sicherheit sagen."

Einsatzkosten noch unklar

Zu den Kosten der Aktion wollte sich der Kripobeamte noch nicht äußern. Unseriös zu diesem Zeitpunkt, erklärte er. Es lägen noch nicht alle Rechnungen vor. Dafür konnte der Richter mit der Hilfe des Ermittlungsführers eine Reihe weiterer Punkte abhaken: Hat die Überwachung der Telefone im familiären Umfeld des Angeklagten relevante Ergebnisse erbracht? "Nein!" Die Observierung des Angeklagten? "Nein!" Der Hinweis eines Anwalts, dass der Angeklagte Kontakt zu einem verurteilten Mörder hatte? "Nein, wurde überprüft. Stimmt nicht."

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Die Polizei hält den 58-Jährigen trotzdem weiterhin für tatverdächtig, sagte der Polizist. Die Frage des Richters, ob es weitere konkrete Ermittlungsmaßnahmen der Polizei gebe, musste er allerdings verneinen.

So konnte das Gericht am Donnerstag eine Vielzahl von "Restarbeiten" erledigen. Darunter die Bekanntgabe des Ergebnisses der Analyse einer DNA-Mischspur auf dem Knoten der 1994 aus dem See gefischten Plastiktüte: Faktisch ist es ausgeschlossen, dass die Spur von dem Angeklagten stammt. 

Kreativer Lebenslauf

Bei der Verlesung des polizeilichen Protokolls zur Vernehmung des Angeklagten 1994 meldete sich der Staatsanwalt noch einmal zu Wort. Die Version des damals 34-Jährigen, wonach Jutta Fuchs ihn und ihren dreijährigen Sohn aus Freiheitsdrang verlassen habe und abgetaucht sei, sei voller Widersprüche. Sie passe weder zu den Aussagen der anderen Zeugen noch zum Verhalten des Angeklagten nach dem Verschwinden seiner Verlobten. Die Aussagen seien allein dafür gedacht gewesen, eine falsche Spur zu legen.

Den Schlusspunkt des mutmaßlich drittletzten Verhandlungstages setzte der Vorsitzende Richter. Anwalt Horst Wesemann hatte gerade den beruflichen Werdegang seines Mandanten verlesen – diverse Geschäftsführertätigkeiten, der Handel mit Motoryachten, eine eigene Kosmetikfirma, aber auch mehrere als "arbeitssuchend" bezeichnete Zeitabschnitte. Da grätschte Helmut Kellermann dazwischen: Mit einer der Zeiten ohne berufliche Tätigkeit sei dann ja wohl die achtmonatige Gefängnisstrafe gemeint, die der mehrfach vorbestrafte Angeklagte 2013 wegen Betruges hatte absitzen müssen. Was dieser einräumte. Hätte sich so formuliert aber weniger gut in seinem Lebenslauf gemacht.

(Dieser Artikel wurde um 17.30 Uhr aktualisiert.)


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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