Bremen Stadtwerder: Kleingärten bleiben

Bremen. Wohnungen in frei gewordenen Kleingartengebieten im Bremer Westen? Darüber lässt sich reden. Aber auf dem Stadtwerder ganz sicher nicht - das fordert der Landesverband der Gartenfreunde.
08.03.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Stadtwerder: Kleingärten bleiben
Von Frauke Fischer

Bremen. Wohnungen in frei gewordenen Kleingartengebieten im Bremer Westen? Darüber lässt sich reden. Aber auf dem Stadtwerder ganz sicher nicht. Der Landesverband der Gartenfreunde reagiert damit auf eine Äußerung der Handelskammer, die im "öffentlichen Grund" auf dem Stadtwerder Flächenreserven für Bauprojekte sieht. "Dagegen werden wir mit allen Mitteln kämpfen", sagt der Vorsitzende der Gartenfreunde, Hans-Ulrich Helms.

Rund 160.00 Mitglieder haben die Gartenfreunde Bremen, gut 100 Vereine sind in dem Dachverband zusammengeschlossen. Nach der Rechnung von Hans-Ulrich Helms haben die Kleingärtner demnach ein Wählerpotenzial von 13,5 Prozent. Und das führt der Interessenvertreter auch unumwunden ins Feld, wenn Wohnungsbauunternehmer begehrliche Blicke auf die Kleingärten auf dem Stadtwerder werfen. Die Diskussion um den Fortbestand der idyllisch ruhig am Fluss und dabei zentral in Fußwegentfernung zur Innenstadt gelegenen Parzellen ist nicht neu. Mit dem jetzt von der Handelskammer geforderten Aktionsprogramm in Sachen Wohnungsneubau in Bremen ist sie aber wieder (oder immer noch) aktuell.

Die Häuser und Wohnungen, die auf dem Stadtwerder seit 2010 entstanden sind und noch entstehen, sind in vielen Fällen lange vor Fertigstellung vergeben. 800 bis 850 Neubürger, vor allem wohlhabende, bringt das 20 Hektar große Gebiet dem Stadtteil. Ein solcher Erfolg – vor allem aus Sicht der Investoren – weckt offensichtlich weitere Begehrlichkeiten, die Umgebung des Areals ebenfalls zu bebauen.

Die Pächter der Kleingärten auf dem Stadtwerder und die Anwohner aus der Neustadt haben in den vergangenen Jahren immer wieder gegen solche Ideen protestiert. Und auch jetzt stellt Hans-Ulrich Helms, Vorsitzender des Landesverbands der Gartenfreunde klar: "Der Stadtwerder bleibt ein Kleingartengebiet." Aus seiner Sicht spricht alles dafür, die etwa 2000 Gärten zu erhalten. Da ist vor allem die soziale Komponente. Menschen aus den angrenzenden Stadtteilen, die sich keine großen Häuser mit entsprechenden Gärten leisten könnten, fänden in Kleingartengebieten ihre Naherholung. Und zwar wohnortnah. Die Idee, Kleingärtner gegebenenfalls umzusiedeln, hält er schlichtweg "für unsozial. Wir lassen uns nicht an die Peripherie drängen", betont er. "Kleingartengebiete sind keine Vorhalteflächen für den Wohnungsbau." Alternativen in Randlagen, womöglich nahe der Autobahn, sind für ihn indiskutabel.

Ob der Kleingartenverein Juliushöhe, der auf dem Stadtwerder zu den Nutzern öffentlichen Grunds gehört, oder der Landesverband der Gartenfreunde überhaupt in naher Zukunft um seine Flächen kämpfen müssen? Aus dem Ortsamt Neustadt/Woltmershausen kommt jedenfalls uneingeschränkt Rückendeckung für die Kleingärtner. "An die Parzellen kann man nicht heran", sagt Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon. Die Neustadt sei in Teilen europaweit eines der am dichtesten besiedelten Stadtgebiete, Grünflächen wie die Kleingärten auf dem Stadtwerder deshalb unantastbar. Für Czichon stehen zwei Forderungen direkt nebeneinander: Sozial verträglicher Wohnraum mit Lückenbebauung und Innenstadtverdichtung in der Neustadt sowie der Erhalt von Frei- und Grünflächen.

Das sieht auch der Bausenator so. Es sei aus Sicht von Wohnungsbauunternehmen verständlich, dass sie Flächen wie den Stadtwerder ins Auge fassten, sagt Behördensprecherin Brigitte Köhnlein. Politik und Senat aber müssten das Gesamtwohl der Stadt bedenken. Derzeit wird der Flächennutzungsplan neu aufgestellt. "Es gibt rund 100 Flächen in der Wohnungsbaukonzeption, darunter eine Reihe guter Gebiete in Innenstadtnähe, aber der Stadtwerder gehört nicht dazu", sagt Brigitte Köhnlein. Die soziale Funktion, Aspekte von Naherholung und Naturschutz sprechen ihrer Ansicht nach für den Erhalt der Kleingärten in dem Gebiet.

Mit Blick auf die Wohnungsbauoffensive und die Frage, ob die von der Stadt angeschobenen Maßnahmen für dringend benötigte Bauprojekte, vor allem für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen, ausreichen, verbreitet Köhnlein Zuversicht: "Das Verfahren muss sich einlaufen." Das betrifft nach Ansicht der Behörde auch die 25-Prozent-Quote sozialen Wohnungsbaus. "Man kann darüber streiten, wie hoch Renditen sein müssen. Die öffentliche Hand muss zusätzliche Interessen im Blick haben." Damit reagiert die Behörde auf Bedenken und Kritik aus Kreisen der Wohnungsunternehmer. Diese haben wiederholt ins Feld geführt, dass hohe Auflagen es schwierig machten, sozialen Wohnungsbau und damit die Vorgaben des Senats zu realisieren.

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