Wie die Teilnehmer die Stadt sehen Städtepartnerkonferenz lockt internationalen Besuch an

So viel internationaler Besuch auf einen Schlag ist auch im Rathaus selten: Etwa 40 Teilnehmer aus 16 Ländern und von drei Kontinenten sind zur Städtepartnerkonferenz in Bremen angereist.
14.11.2016, 20:00
Lesedauer: 4 Min
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Städtepartnerkonferenz lockt internationalen Besuch an
Von Alice Echtermann

So viel internationaler Besuch auf einen Schlag ist auch im Rathaus selten: Etwa 40 Teilnehmer aus 16 Ländern und von drei Kontinenten sind zur Städtepartnerkonferenz in Bremen angereist.

Zwei Tage lang beschäftigen sie sich auf Exkursionen und in Workshops mit der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen auf kommunaler Ebene. Im Mittelpunkt stehen die Themen saubere Energie, Bildung, Stadtentwicklung und nachhaltiger Konsum und Produktion.

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Am Montag hat die Fachkonferenz mit Vorträgen von Bürgermeister Carsten Sieling (SPD), Bremerhavens Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) und Bärbel Dieckmann, Präsidentin der Welthungerhilfe, begonnen.

Kontakte werden geknüpft

Anschließend knüpften die Teilnehmer beim Empfang mit Suppe und Schnittchen erste Kontakte. Neben Bremens Partnerstädten, zum Beispiel Danzig (Polen), Izmir (Türkei) oder Durban (Südafrika), sind auch Vertreter aus anderen Ländern wie Indien oder Namibia dabei. Welchen ersten Eindruck haben die Gäste von Bremen? Wir haben bei einigen Teilnehmern nachgefragt.

Eugene Kine ist nicht nur das erste Mal zu Besuch in Bremen – es ist auch das erste Mal, dass er die Grenzen seines Heimatlandes Kamerun verlassen hat. Während sich alle in der Pause auf das Buffet stürzen, macht er mit den anderen Mitgliedern seiner Delegation, Albert Ngakou und Joseph Noumema, Fotos von sich in der Rathaushalle.

Ein alter Bekannter in der Stadt

Am Sonntag hätten sie bereits das Rathaus und das Parlament gesehen und waren einen Kaffee bei „Starbucks“ trinken, erzählt Kine. Albert Ngakou ist dagegen beinahe ein alter Bekannter in der Stadt: Als Gastprofessor für Ökologie war er seit 2010 jedes Jahr in Bremen, um an der Universität zu lehren, sagt er.

Seit acht Jahren unterhält die Uni Bremen eine Kooperation mit der Universität von Ngaoundere in Kamerun; Albert Ngakou erforscht dort unter anderem die Qualität von Trinkwassser. „Bremen ist eine sehr saubere Stadt, das einzige Problem ist die Kälte“, sagt Eugene Kine mit einem Lachen. In Kamerun sei es derzeit angenehme 18 Grad warm.

Von dem Besuch bei der Städtepartnerkonferenz erhofft er sich Wissen über nachhaltige Produktionsweisen – seine Organisation „Gic Sondason“ ist eine Kooperative für Bauern, die ökologischen Kaffee, Tee, Obst und Gemüse anbauen. Dabei setzt „Gic Sondason“ auf fairen Handel, bietet den Bauern Schulungen und feste Preise für ihre Produkte, die die Organisation dann exportiert – unter anderem nach Deutschland, wie Kine sagt.

Enge Zusammenarbeit mit der Hauptstadt Namibias

Otniel Rinoumba Kakero lebt in Windhoek. Mit der Hauptstadt Namibias betreibt Bremen seit 2001 Entwicklungszusammenarbeit. Bereits in den 80er Jahren unterstützte jedoch eine Anti-Apartheid-Bewegung in Bremen das Land im Süden Afrikas. Anlässlich der Unabhängigkeit Namibias im Jahr 1990 wurde das Denkmal „Bremer Elefant“ zum Anti-Kolonial-Denkmal umgewidmet.

Kakeros erster Eindruck von Bremen ist sehr positiv; es sei eine sehr schöne Stadt, sagt er. Besonders beeindruckt ist er von der Infrastruktur und der Tatsache, dass die Menschen so kurze Wege haben, dass sie mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren.

„In Windhoek nutzen wir keine Fahrräder, und hier sieht man überall Fahrradwege“, sagt der junge Mann mit den Dreadlocks und einem geschnitzten Holzanhänger um den Hals. Auch das System des öffentlichen Nahverkehrs interessiert ihn stark – dass Straßenbahnen und Autos auf denselben Straßen fahren, sei neu für ihn. Seine Erlebnisse in Bremen und das Gelernte werde er in seiner Heimat teilen, so Kakero.

Städtepartnerkonferenz ist eine gute Gelegenheit

Ingrid Konrad ist Chefarchitektin im Büro des Oberbürgermeisters von Bratislava in der Slowakei. Das, was sie bisher bei einem kleinen Spaziergang von Bremen gesehen habe, gefalle ihr gut, erzählt sie in fließendem Deutsch. Für Konrad ist die Städtepartnerkonferenz eine Möglichkeit, die derzeit ruhende Partnerschaft zwischen Bremen und Bratislava wieder zu beleben: „Ich weiß, dass unsere Stadt in der Vergangenheit nicht so aktiv war“, sagt sie.

Von dem Besuch in Bremen erhofft Konrad sich Impulse für die Stadtentwicklung, ihrem zentralen Aufgabenbereich in der Heimatstadt. Es sei die Aufgabe einer Stadtverwaltung, den Menschen ein gesundes und gutes Zusammenleben zu ermöglichen, sagt sie. „Wir haben in Bratislava einiges nachzuholen.“ Sie wolle sich vor allem anschauen, wie Bremen als Kommune aktiv ist.

In der Slowakei sei die kommunale Ebene noch stark mit der nationalen verknüpft. So hätten die Städte wenig gesetzliche Handlungsspielräume, was sie in ihrer Arbeit einschränke. „Wir sollten als Städte enger zusammenarbeiten und beweisen, dass die Kommunen administrative Freiheiten brauchen, um Dinge umzusetzen“, so die Architektin.

Vor allem das Wetter ist anders

Alvin Anderson arbeitet für die gemeinnützige Organisation „Econtur“ in Durban, Südafrika. Durban ist seit 2011 Partnerstadt von Bremen, der Austausch auf städtischer und zivilgesellschaftlicher Ebene ist vergleichsweise intensiv. „Econtur“ vermittelt unter anderem junge Deutsche für Freiwilligendienste im Rahmen des „weltwärts“-Programms nach Südafrika.

Mit einem Pilotprojekt sollten nun auch umgekehrt Menschen von dort nach Deutschland kommen, sagt Anderson. Für den 24-Jährigen ist es der erste Besuch in Bremen. Anders als die meisten Delegationen ist er bereits vor einer Woche angereist und hatte Zeit, sich die Stadt anzusehen. Er habe an einer Art Rallye teilgenommen, bei der die Teilnehmer sich mit der Nachrichten-App Whatsapp orientieren mussten, erzählt er und lacht.

Abgesehen von den Sehenswürdigkeiten ist ihm an Bremen vor allem das Wetter neu: „Es ist sehr kalt hier, in Durban sind es jetzt 26 bis 30 Grad.“ In einem so nördlichen Land wie Deutschland sei er bisher noch nicht gewesen. Aber er sei gut vorbereitet, fügt er hinzu – mit dicker Jacke und warmer Kleidung.

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