Molotowcocktails auf Containerdorf für Flüchtlinge

Stahmann: "Ganz feiger Anschlag"

In Huchting sind in der Nacht zu Dienstag laut Polizeiangaben mehrere Wohncontainer für Flüchtlinge mit Molotowcocktails in Brand gesetzt worden. Der Staatsschutz ermittelt.
20.09.2016, 06:47
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Stahmann: "Ganz feiger Anschlag"

Die Container an der Obervielanderstraße waren noch nicht bewohnt.

Nico Schnurr

In Huchting sind in der Nacht zu Dienstag laut Polizeiangaben mehrere Wohncontainer für Flüchtlinge mit Molotowcocktails in Brand gesetzt worden. Der Staatsschutz ermittelt.

Die Container waren unbewohnt, da sich die Unterkunft an der Obervielanderstraße direkt an der B75 noch im Aufbau befindet. Es seien vier von insgesamt 80 Containern komplett ausgebrannt und zwölf weitere beschädigt worden.

Unbekannte Verdächtige hatten an diversen unbewohnten Wohncontainern Fensterscheiben eingeschmissen. Anschließend warfen die Straftäter mehrere Brandsätze in die Container. Nicht alle Molotowcocktails zündeten, so dass am Ende vier Container ausbrannten und nicht das ganze Übergangswohnheim zerstört wurde.

Das Feuer ist gegen 1.45 Uhr entdeckt worden. Etwa 20 Feuerwehrleute brauchten nach eigenen Angaben rund eine Stunde, um den Brand zu löschen. Personen waren nicht gefährdet.

Täterhinweise liegen derzeit noch nicht vor. Ein politischer Hintergrund kann für die Tat nicht ausgeschlossen werden. „Es ist mit Sicherheit ein Fall für den Staatsschutz“, sagte ein Polizeisprecher. Die Hintergründe der Tat seien derzeit aber noch unklar. „Es wird in alle Richtungen ermittelt.

Stahmann: "Ganz feiger Anschlag"

Parteiübergreifend sorgte der Brandanschlag für Entsetzen. Auch Sozialsenatorin Anja Stahmann verurteilte die Attacke scharf und bezeichnte sie als "ganz feigen Anschlag", der "abscheulich und ekelhaft" sei. Stahmann sprach bei einem Ortstermin an der geplanten Einrichtung von einem "Angriff auf die Schwächsten der Gesellschaft" und sagte, dass der Anschlag "mitten ins Herz der Gesellschaft" treffe. Die Senatorin richtete auch einige Worte an die unbekannten Täter und betonte: "Wer sich von dieser feigen Tat verspricht, dass Bremen sich weniger um die Aufnahme von Flüchtlingen kümmert, erliegt einem schweren Irrtum."

Hitzige Debatte über Flüchtlinge in Huchting

Schon im Frühjahr hatte es auf einer Sitzung des Huchtinger Beirats eine angespannte Debatte über die Unterbringung von Flüchtlingen im Stadtteil gegeben. Dort wurden auch die Pläne für das jetzt angezündete Übergangswohnheim vorgestellt: Auf dem Platz 7 an der Obervielander Straße soll demnach im Dezember 2016 ein Heim mit 280 Plätzen eingerichtet werden. Die Nutzungsdauer werde auf zehn Jahre begrenzt, danach sollen die Bauten dem Stadtteil für Wohn- und Gewerbezwecke zur Verfügung stehen. „Wir bauen keine tragenden Wände ein. Das erleichtert die Nachnutzung“, erläuterte Kirsten Kreuzer von Immobilien Bremen. Das Containerdorf solle so platziert werden, dass auf einer Teilfläche weiter Sport getrieben werden könne. „Wir hoffen, dass der Platz auch für Übungen der Freiwilligen Feuerwehr Huchting bleibt“, betonte Kreuzer.

Drei Anschläge in Bremen in 2015

In Bremen hatte es im vergangenen Jahr zwei weitere Anschläge auf geplante Flüchtlingsunterkünfte gegeben: Im September 2015 versuchten Unbekannte den Boden und die Außenwand eines Zelts in Blumenthal anzuzünden, das als Unterkunft für Flüchtlinge dienen sollte. Die Unterkunft befand sich noch im Aufbau und der Anschlag wurde erst am nächsten Morgen von Bauarbeitern bemerkt. Im Oktober musste die Feuerwehr ausrücken, um den Boden einer Turnhalle in der Nürnberger Straße in Findorff zu löschen. Am Tag des Brandes wollte die Sozialbehörde die Halle besichtigen, um zu prüfen, ob dort Flüchtlinge untergebracht werden können. Auch in diesem Fall geht die Polizei von Brandstiftung aus. Vieles deutete auf einen fremdenfeindlichen Hintergrund hin. Ebenfalls im Oktober wurde an der Außenwand einer Turnhalle, die als mögliche Notunterkunft im Gespräch war, eine Kühlbox angezündet.

Bundesweit hat sich die Zahl der Anschläge im Vergleich zum Vorjahr verfünffacht

Im vergangenen Jahr zählte Bremen neben dem Saarland und Hamburg zu den Bundesländern mit den wenigsten Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte. Bundesweit ist die Zahl der Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte 2015 deutlich gestiegen: Das Bundeskriminalamt (BKA) zählte insgesamt 1005 Delikte gegen Einrichtungen für Flüchtlinge in Deutschland. Davon stufte das BKA 901 Straftaten als politisch motiviert und mit rechtsradikalem Hintergrund ein. Binnen eines Jahres hat sich die Zahl damit verfünffacht: Im Vorjahr waren es 199 Attacken gewesen, von denen 177 dem rechtsradikalen Spektrum zugeschrieben worden waren. Brandanschläge gegen Flüchtlingsheime gab es im vergangenen Jahr 92. Das sind 15-mal mehr als 2014. (jör/nsc)

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