Hooligan-Gruppe meldet sich ab "Standarte" nach 25 Jahren aufgelöst

Die Hooligangruppe „Standarte Bremen“ hat sich nach 25 Jahren aufgelöst. Dieser Schritt könnte in Zusammenhang mit einem Urteil des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe stehen.
26.01.2015, 14:46
Lesedauer: 3 Min
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Von Ralf Michel Jan Oppel

„Der Fußball-Fanclub Standarte-Bremen hat sich nach 25 Jahren aufgelöst“, heißt es kurz und knapp auf der Homepage von Bremens ältester Hooligan-Gruppe.

Ein Grund für die Auflösung der Gruppe wird nicht angegeben, doch der Verdacht liegt nahe, dass dieser Schritt im Zusammenhang mit einem Urteil des Bundesgerichtshofes (BGH) in Karlsruhe steht. Der hatte in der vergangenen Woche ein Urteil des Landgerichts Dresden bestätigt, dass Hooligan-Gruppen als kriminelle Vereinigung angesehen werden können. Allein die Mitgliedschaft oder die Unterstützung einer Hooligan-Gruppe kann strafrechtliche Konsequenzen haben. Mitgliedern entsprechender Vereinigungen drohen Strafen von bis zu fünf Jahren Haft.

Im Fokus des Dresdner Urteils standen Vorfälle, die einschlägig als „Dritte Halbzeit“ bezeichnet werden – gewalttätige Fußballfans aus unterschiedlichen Lagern treffen sich abseits des Spiels zu Massenschlägereien.

Ob das Urteil des Bundesgerichtshofes tatsächlich ausschlaggebend für die Auflösung der „Standarte-Bremen“ war, spielt aus Sicht der Innenbehörde keine Rolle. „Ist uns völlig egal“, betont Rose Gerdts-Schiffler, Pressesprecherin von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). Der Verfassungsschutz werde weiter einen prüfenden Blick auf die Gruppe haben. „Niemand glaubt, dass aus denen jetzt ein Kegelverein wird.“

Nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes handelt es sich bei der „Standarte“ um eine geschlossene Gruppe von 25 bis 30 Männern, die inzwischen allesamt über 40 Jahre alt sind. Die Gruppe insgesamt habe nicht unter Beobachtung gestanden, wohl aber einzelne Mitglieder, die zur rechtsextremistischen Szene gezählt werden. Vor dem Hintergrund des Karlsruher Urteils werde man die Gruppe nun überprüfen und bewerten – und dann über eventuelle weitere Schritte entscheiden, kündigte Gerdts-Schiffler an.

Auch die Nachwuchs-Hooligans des "Nordsturm Brema" haben sich scheinbar aufgelöst. In den vergangenen Jahren sind beide Gruppen immer wieder durch Gewaltdelikte in Erscheinung getreten.

Hier eine Übersicht der Ereignisse

Januar 2007: Hooligans der Standarte Bremen überfallen eine Feier der linksgerichteten Ultra-Gruppe "Racaille Verte" im Ostkurvensaal des Weserstadions. Die 20 Angreifer prügeln mit Flaschen und Stühlen auf die Feiernden ein. Die Bilanz: zwei Schwer- und 40 Leichtverletzte.

November 2008: Anhänger des „Nordsturm Brema“ versuchen beim Werder-Auswärtsspiel in Bochum ein Banner mit der Aufschrift „NS-HB“ zu entrollen. Andere Bremer Fans versuchen dies zu verhindern – die drei Hooligans werden von der Polizei abgeführt.

September 2011: Urteil zum Überfall auf die Fan-Party im Ostkurvensaal: Die Angeklagten nehmen ein Angebot des Gerichts an. Die Hooligans legen Geständnisse ab und kommen dafür mit Geldstrafen davon.

Mai 2012: Auf der Rückreise von Essen nach Bremen greifen Mitglieder der "Standarte" und des "Nordsturm Brema" Gäste einer Elektro-Party im Jugendzentrum „Wohnwelt“ am Wunstorfer Bahnhof an. Die Hooligans verletzen zehn Personen. Zwei Gäste müssen ins Krankenhaus gebracht werden.

November 2012: Ein Video im Internet zeigt Mitglieder des „Nordsturm Brema“ bei einer verabredeten Schlägerei mit Hooligans des MSV Duisburg. Zwei der Bremer tragen schwarze T-Shirts mit einem weißen Hakenkreuz auf der Brust.

März 2014: Beim 100. Nordderby zwischen dem SV Werder und dem HSV mieten Anhänger von Standarte Bremen, Nordsturm Brema und Mitglieder befreundeter Hooligan-Gruppen ein Schiff, vermummen sich und entrollen auf der Weser ein Transparent mit der Aufschrift „Scheiß Hamburg“. Anschließend machen sie Jagd auf Passanten und Journalisten.

November 2014: Bremer Hooligans nehmen an den Kundgebungen der „Hooligans gegen Salafisten“, kurz „HoGeSa“ in Köln und Hannover teil. In Köln kommt es dabei zu Ausschreitungen. (mic/jco)

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