Corona-Tagebuch - Tag 4

Standing Ovations für eine Packung Toast

Warum wir uns über die Nudelversorgung offensichtlich keine Gedanken machen müssen - und was die Coronazeit mit der deutschen Brotkultur anrichtet.
19.03.2020, 18:46
Lesedauer: 2 Min
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Standing Ovations für eine Packung Toast
Von Philipp Jaklin
Standing Ovations für eine Packung Toast
Unser Autor Philipp Jaklin erzählt in seinem "Corona-Tagebuch" davon, wie seine Familie den Alltag in Zeiten der Corona-Krise meistert.

Schulen und Kitas sind geschlossen, Eltern ins Homeoffice verbannt – über den Härtetest des Pandemie-Alltags in der Großfamilie mit vier Kindern (6, 10, 13 und 15 Jahre).

An dieser Stelle einige Worte zur Versorgungslage. Ich würde sie als gefühlt hervorragend bezeichnen. Jedenfalls herrschte in unserer Familie heute ausgelassenste Stimmung, nachdem wir in unserem Penny zum ersten Mal seit fast einer Woche wieder eine Packung Toast entdeckt hatten. Es gab nur die kleinen mit zehn Scheiben und nur eine Sorte, aber egal. Der Klopapierengpass hat uns komplett kaltgelassen. Da verfügen wir nach Großfamilienart über gewisse Reservoirs. Der Drogeriemarkt unseres Viertels war neulich auch wieder vollgestellt mit Klopapier-Rollen. Kein Wunder, die Leute sind ja jetzt alle bis Ende 2020 ausgestattet.

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Beeindruckt hat mich, wie routiniert meine Miteinkaufenden in der Kassenschlange die anderthalb Meter Corona-Sicherheitsabstand einhielten – möglicherweise das Werk unserer Kanzlerin. Insgesamt herrschte im Penny eine selten professionell-gelassene Einkaufsatmosphäre. Alle schienen sehr konzentriert bei der Sache zu sein, keine Spur von Klopapierhysterie. Letztere ist schon weidlich psychologisch ausgedeutet worden, aber was ist über das Toastbrot zu sagen? In der angeblichen Hochburg der Brotkultur muss vielleicht doch daran erinnert werden, dass auch während der Corona-Krise niemand behördlich zum Konsum von schnell schimmelndem Labberbrot verpflichtet ist. Im kleinen Vollkornbäcker unseres Vertrauens jedenfalls stapeln sich die wohlriechenden Laibe bis zur Decke. Und auch für unsere tägliche Mittagessen-Challenge konnten wir bislang sämtliche nötigen Zutaten problemlos beschaffen. Sogar die Farfalle! Während das Nudelregal im Penny noch deprimierend wüst aussah, bot der kleine Gemüsehöker um die Ecke wie gehabt verschiedenste Sorten allerfeinster italienischer Ware feil.

Ein Missverständnis möchte ich an dieser Stelle vorsichtshalber ausräumen: Nicht immer liegt ein Fall von Hamsterkauf vor, wenn Mittvierzigjährige im Supermarkt acht Liter Vollmilch im Einkaufswagen vor sich herschieben. Es kann sich auch um den ganz normalen täglichen Verbrauch laktosehaltiger Produkte einer durstigen Großfamilie handeln. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Wie meistern Sie gerade den Familienalltag? Schicken Sie uns Ihre Tipps an onlineredaktion@weser-kurier.de

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