Diskussion erhitzt Gemüter Standortfrage für Bahnstation in Uninähe weiter offen

Während die Umsetzung auf sich warten lässt, läuft die Diskussion darüber auf Hochtouren: Die zusätzliche Bahnhaltestelle an Universität und Technologiepark erhitzt die Gemüter.
28.11.2019, 06:58
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Von Maren Brandstätter

Die Universität und der Technologiepark sollen eine eigene Bahnstation auf der Strecke Bremen-Hamburg bekommen. Dieser Plan ist nicht neu, sondern wurde bereits 2012 einstimmig in der Bürgerschaft beschlossen. Seither aber stockt das Projekt. Zuletzt tauchte es im aktuellen Koalitionsvertrag wieder auf. Dort heißt es: „Wir werden noch in diesem Jahr eine Entscheidung über einen konkreten Standort eines Haltepunktes am Bremer Technologiepark treffen und im Anschluss den Realisierungsprozess vorantreiben.“ Bei den beiden Optionen, die bis dahin geprüft werden sollen, handelt es sich um die Standorte Achterstraße und Otto-Hahn-Allee. Letztere gilt unter den Akteuren vor Ort als Favorit, wie Vertreter der Universität und des Technologieparks im Sommer betont hatten. Diese zeigten sich damals bereits ungeduldig hinsichtlich der Umsetzung des Projekts.

Zügige Entwicklung gefordert

Auch im CDU-Ortsverband Horn-Lehe wünscht man sich eine zügige Entwicklung in der Haltestellen-Planung. Schließlich handele es sich dabei um eines der bedeutendsten Verkehrsprojekte für Horn-Lehe und die Universität in den kommenden Jahren, betont der Vorsitzende Stefan Quaß. „Es ist schon viel zu viel Zeit ins Land gegangen, ohne dass etwas Konkretes passiert ist“, kritisiert er. Die zahlreichen Beschäftigten an der Universität und im Technologiepark sowie die Studierenden stellten immerhin ein sehr hohes Kundenpotenzial für den Öffentlichen und den Schienenpersonennahverkehr dar, argumentiert er. „Durch die Verlängerung der Straßenbahnlinie 6 hat man die Uni zwar direkt an den Hauptbahnhof angebunden, doch gerade in den Stoßzeiten wird hier häufig die Kapazitätsgrenze erreicht.“ Zudem sei die verhältnismäßig lange Fahrzeit von einer Viertelstunde mit elf Haltestellen zwischen Hauptbahnhof und Universität nicht übermäßig attraktiv, wenn man bedenke, dass der räumliche Abstand gerade einmal 4,5 Kilometer betrage. Mit einem Bahn-Haltepunkt ließe sich die Fahrzeit auf rund vier Minuten verkürzen, so Quaß. „Passagiere in und aus Richtung Hamburg könnten ihre Reisezeit sogar um bis zu einer halben Stunde verkürzen, da sie nicht mehr am Hauptbahnhof umsteigen müssten“, erklärt er. Eine baldige Realisierung des neuen Bahn-Haltepunktes sei aus Sicht der Horner CDU daher „ein Gebot der Stunde“, betont der Ortsverband-Vorsitzende.

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Im zuständigen Verkehrsressort plane man eine zeitnahe Realisierung, versichert ein Sprecher auf Nachfrage. Bis Ende des Jahres, wie im Koalitionsvertrag avisiert, wird es damit ihm zufolge allerdings nichts mehr werden. Das Ressort stehe bekanntlich unter neuer Leitung und habe eine Fülle von Themen zu bearbeiten, begründet er die Verzögerung. Ein interner Termin, um sich eine Hausmeinung zu den beiden Standort-Optionen zu bilden, sei jetzt auf den Januar gelegt worden. Das Ergebnis werde anschließend den zu beteiligenden Beiräten vorgestellt, bevor die Pläne in die Beschlussfassung gehen.

Ginge es nach dem SPD-Ortsverein Schwachhausen-Nord, würden die Pläne eine Haltestelle an der Achterstraße vorsehen und nicht an der Otto-Hahn-Allee. „Diese Lösung bietet eine gute Umsteigemöglichkeit von der Bahn in die Linie 6, wobei lediglich eine neue Haltestelle für die Straßenbahn oder eine Verlegung der vorhandenen Haltestelle ins Auge zu fassen wäre“, argumentiert der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Wolfgang Grotheer. Auch eine Umsteigemöglichkeit in die Buslinien sei hier mit geringem Aufwand umsetzbar. Eine Haltestelle an der Otto-Hahn-Allee hat aus Sicht des SPD-Ortsvereins indes den Nachteil, dass in diesem Zusammenhang eine Verlängerung der Straßenbahnlinie 8 über die Kulenkampffallee und den Fettkampsweg diskutiert werde. Eine solche Streckenführung würde beim Ortsverein auf großen Widerstand stoßen, da zu befürchten sei, dass in diesem Fall Straßenbäume zwischen Crüsemann-allee und Fettkampsweg gefällt werden müssten, so Grotheer. Im weiteren Streckenverlauf wäre außerdem auch das Kleingartengebiet betroffen. „Das wäre ein erheblicher Eingriff in die Interessen der Kleingärtner, den wir nicht gutheißen können“, erklärt er. „Außerdem ist zu berücksichtigen, dass der Zentralbereich der Universität so weit von der Bahnlinie entfernt liegt, dass eine fußläufige Erreichbarkeit eigentlich nicht mehr gegeben ist“, gibt Grotheer zu bedenken. In diesem Punkt ist er sich mit Dieter Mazur einig, der jüngst als BUND-Vertreter auf Einladung der Horner CDU an einer Diskussionsrunde zum Thema „Haltepunkt Universität“ teilgenommen hat.

Park-and-Bike-Unterstand möglicherweise sinnvoll

Laut Mazur, der bislang die Otto-Hahn-Allee favorisiert, sei es möglicherweise sinnvoll, ebendort einen geräumigen Park-and-Bike-Unterstand für Fahrräder zu errichten. Dass für eine Erweiterung der Linie 8 Bereiche des Kleingartenvereins weichen müssten, sei im Verkehrsentwicklungsplan nicht konkret verankert, sagt er. Seinerzeit sei ein Verlauf über die Kulenkampff- und Parkallee in Richtung Universität diskutiert worden. Zwar lasse sich Mazur gerne von der Variante Achterstraße überzeugen, „nur sehe ich bislang nicht, wo dort genügend Platz wäre, um eine Haltestelle zu errichten“.

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