Quintett der Hochschule für Künste begeistert Jungen und Mädchen an der Grundschule Alt-Aumund für klassische Musik Star Wars auf dem Cello

Vegesack. Vor zehn Jahren hatte der Pianist Lars Vogt die Idee, dass Künstler in die Schulen gehen sollten, um den Schülern klassische Musik nahezubringen. So entstand das internationale Projekt „Rhapsody-in-School“.
24.06.2016, 00:00
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Vor zehn Jahren hatte der Pianist Lars Vogt die Idee, dass Künstler in die Schulen gehen sollten, um den Schülern klassische Musik nahezubringen. So entstand das internationale Projekt „Rhapsody-in-School“. Inzwischen haben über 300 Instrumentalisten in vielen Schulen Konzerte gegeben, wie Gwendolyn Schubert vom Projektmanagement Bremen berichtet. In der Hansestadt kooperiert „Rhapsody-in-School“ mit der Hochschule für Künste. Von dort konnte der international bekannte Cellist Alexander Baillie für das Projekt gewonnen werden. Er besuchte auf Einladung von Schulleiterin Heike Ahrens die Grundschule Alt-Aumund.

Der 1956 in Schottland geborene Musiker gehört laut Kritik zu den „vielseitigsten Cellisten seiner Generation“. Er hat in London und Wien studiert, mit vielen bekannten Orchestern zusammengespielt und lehrt seit 1994 als Professor an der Hochschule für Künste in Bremen. Zusammen mit seinen Studenten hat er „Cello Sound“ gegründet. Aus diesem Kreis bringt er an diesem Vormittag drei seiner Studenten mit: Sarah Kanarski (18), Diego Pineda (20) aus Mexiko und Richard Andor-Donath (24). Je zwei Klassen der ersten und zweiten Jahrgangsstufe mit über 80 Schülern sind im Forum der Schule versammelt.

Die zweiten Klassen haben bereits die Musikwerkstatt der Bremer Philharmoniker besucht und dort die verschiedenen Orchesterinstrumente kennengelernt. Jetzt sitzen die Kinder auf Bänken und in Stuhlreihen oder hocken auf dem Boden. Alexander Baillie und seine Studenten wollen ihnen klassische Musik nahebringen. Dazu erzählt Sarah Kanarski eine Geschichte von der wunderschönen Prinzessin Malwieder, die in einem Schloss wohnt. Der König will, dass sie immer „mal wieder“ ein Instrument spielt. Daher der Name. Mit der Musik will sie die Liebe ihres Lebens finden.

Mucksmäuschenstill hören die Schüler dem Cello-Professor zu, als er zu Beginn aus einer Solo-Partita von Johann Sebastian Bach perfekt und mit dynamischem Ausdruck spielt.

Anschließend macht sich die Prinzessin in der Geschichte auf den Weg, um einen Mann zu finden. Den Weg des Mädchens begleiten die Cellisten mit lautmalerischen Klängen und Geräuschen auf ihren Instrumenten. Da grollt der Donner, es klimpern die Golddukaten, und der Urwald rauscht unheimlich. Zwischendurch fragt Alexander Baillie: „Wie sieht es in einem Urwald aus?“ Und die Kinder antworten lebhaft: „Grün, dunkel, mit hohen Bäume und wilden Tieren…“

Und da treffen die Cellisten in der Geschichte einen edlen Schwan. Und gleich darauf turnt ein Gorilla durchs Geäst. Alexander Baillie spricht den Text eines Schlagers aus den 1920er-Jahren rhythmisch vor: „Mein Gorilla hat ’ne Villa im Zoo.“ Die Kinder sollen ihn zuerst nachsprechen und dann nachsingen. Nach kurzer Übung klappt das Ganze. Alle singen den Text nach der Tango-Melodie.

Dann können sie das Cello-Quartett befragen. „Wie schwer ist es, Cello zu lernen?“, will ein Junge wissen. Diego Pineda erzählt: „Man muss viel üben. Jeden Tag muss man spielen.“ Und wie lange dauert es, bis man es richtig kann? „Zehn Jahre, bestimmt.“ Sarah Kanarski hat mit sechs Jahren angefangen, Diego Pineda mit sieben und Richard Andor-Donath mit vier. Alexander Baillie hat das Instrument mit zwölf Jahren erlernt. Jetzt ist er sechzig. Seit zwanzig Jahren spielt er auf einem 350 Jahre alten italienischen Cello, das sehr kostbar ist, wie er berichtet.

„Und wie schwer ist so ein Cello?“, fragt ein Mädchen. „Das Holz ist sehr dünn. Es soll ja schwingen und einen schönen Ton erzeugen. Es wiegt nicht mehr als drei Kilo“, sagt Richard Andor-Donath. Mit einem Augenzwinkern intoniert Professor Alexander Baillie daraufhin die Filmmusik zu „Star Wars“. Die Kinder erkennen sie sofort und jubeln.

Alexander Baillie war zum dritten Mal in einer Schule. Und er war angetan von der Begeisterung der Schüler. Ihm liegt daran, durch solche Aktionen das Interesse der Kinder an der klassischen Musik zu wecken und sie früh ans Musizieren heranzuführen.

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