Neue Pläne für die Entwicklung Blumenthals Start der Sanierungsdebatte

Blumenthal hat massive strukturelle Probleme. Die SPD will deshalb den alten Kern zum Sanierungsgebiet erklären und so Fördermittel akquirieren. Die Baubehörde schlägt einen anderen Weg vor.
26.02.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Christina Denker

Blumenthal hat massive strukturelle Probleme, die Entwicklung sieht nicht rosig aus. Politik und Verwaltung wollen nach den Bemühungen der vergangenen Jahre erneut einen Anlauf unternehmen, Blumenthals Zukunft zu steuern. Die SPD will den alten Kern zum Sanierungsgebiet erklären und so Fördermittel akquirieren. Die Baubehörde schlägt einen anderen Weg vor.

Wenn es nach der SPD im Blumenthaler Beirat geht, soll das alte Ortszentrum in ein Stadtumbaugebiet nach Paragraf 171b Baugesetzbuch verwandelt werden. Mit diesem Schritt, argumentieren die Sozialdemokraten, könne dem weiteren Verfall Blumenthals Einhalt geboten werden. Hintergrund ist unter anderem die Feststellung, dass Blumenthal aus sich selbst heraus nicht gesunden kann.

In Anbetracht dessen halten die Sozialdemokraten es für „dringend geboten“, den Blumenthaler Ortskern zu sanieren. Am heutigen Donnerstagabend soll im Beirat über das Thema diskutiert und ein entsprechender Antrag der SPD auf den Weg gebracht werden.

"Schleichende Enteignung in der City"

Ortsamtsleiter Peter Nowack ist überzeugt, dass die Gebäude im alten Blumenthaler Kern energetisch saniert und dass leer stehende Geschäfte in Wohnraum umgewandelt werden müssen. „Der Werteverlust rund um den Blumenthaler Marktplatz ist nur durch solche Investitionen aufzufangen“, sagt er. Derzeit gebe es eine schleichende Enteignung im alten Zentrum, das Gebiet verliere mehr und mehr an Wert.

Für Nowack liegen die Vorteile eines Stadtumbaugebiets auf der Hand: Schmucke Häuser, Wohnungen statt leer stehender Geschäfte – und insgesamt viel Leben durch die geplante Kindertagesstätte im ehemaligen Nordenholz-Gebäude sowie durch eine Arztpraxis, die an den Marktplatz ziehen wolle: Blumenthal könne dadurch wieder bunter, schöner, und lebendiger werden, entwirft der Ortsamtsleiter sein Szenario.

Wenn die Baubehörde diese Pläne als sinnvoll erachte, so Nowack weiter, müssten als nächster Schritt die erforderlichen Beschlüsse gefasst werden. „Wir reden mit der Baubehörde seit zwei Jahren über die Inhalte.“

Wer aber soll das bezahlen?

Wer aber soll das bezahlen? Ein Stadtumbaugebiet braucht zunächst ein städtebauliches Konzept. „Darin wird festgelegt, wer sich wie beteiligt“, so Nowack. Für die notwendigen finanziellen Mittel könnten dann Gelder beim Bund, bei der Stadt oder beim Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, kurz EFRE, beantragt werden.

Aber auch die Hauseigentümer in dem von der SPD favorisierten Entwicklungsgebiet müssten sich laut Nowack daran beteiligen. „Das wird uns viel Überzeugungsarbeit kosten“, meint er und befürchtet schon jetzt „brutale Diskussionen“. Dennoch könne sich am Ende kein Eigentümer dieser Verpflichtung entziehen und müsse sich notfalls bei der Bank um einen Kredit bemühen.

Gegenteilige Informationen gibt es aus dem Bauressort. Rainer Imholze, zuständig für Zentrenentwicklung: „Es kann niemand zur Sanierung verpflichtet oder gezwungen werden.“ Blumenthal sei zwar im Grunde ein klassischer Sanierungsfall, entsprechende Förderprogramme, bei denen die Anwohner zu Zahlungen herangezogen werden, gebe es aber zum heutigen Zeitpunkt gar nicht mehr.

Bremer Westen als Beispiel

Hinzu komme, dass Blumenthal für die derzeit laufenden Programme entweder nicht die Kriterien erfülle, oder die Fördergelder schon anderweitig gebunden seien. Zum Beispiel im Bremer Westen: Dorthin sollen nach Beschlusslage bis 2020 EFRE-Mittel der EU fließen. Deshalb, erläutert Imholze, müssten derzeit alle Maßnahmen zur Aufwertung Blumenthals aus kommunalen Mitteln bestritten werden.

Imholze plädiert für einen ganz anderen Ansatz: Ein Leitbild für Blumenthal. Als zweiten Schritt fordert er ein sogenanntes integratives Entwicklungskonzept für das gesamte Blumenthaler Zentrum, in das sich alle Beteiligten unter Gründung eines Vereins oder einer Gesellschaft einbringen müssten.

Bei allen Problemen – Imholze sieht auch Vorteile. Anders als vielleicht andere Stadtteile könne Blumenthal mit der Nähe zum niedersächsischen Umland und zur Weser punkten. Darüber hinaus gebe es ein historisch gewachsenes Zentrum, mit dem sich die Einwohner identifizierten. Unterschätzt werden sollte auch nicht, dass es mehrere Bereiche mit Entwicklungschancen rund um das Zentrum gebe, in die viel Geld geflossen sei.

"Verknüpfung fehlt"

„Was fehlt, ist die Verknüpfung dieser Bereiche“, so Imholze. Gemeint sind Wätjens Park, die BWK, das historische Zentrum und der Einzelhandelsstandort Müllerloch. „Wenn diese Verknüpfung gelingt, könnte der zentrale Bereich eine ganz wichtige Funktion übernehmen. Dann wäre der Marktplatz quasi die Drehscheibe des Ganzen.“

Gleichwohl mahnt er eine bessere Außendarstellung Blumenthals zur Imageverbesserung an. „Das ist unabdingbar, um Erfolg zu haben.“ Eine schnelle Lösung jedenfalls werde es für Blumenthal nicht geben. Und: „Einzelmaßnahmen werden die Situation nicht verbessern.“

Diskussion ist eröffnet

Die Diskussion um das Stadtumbaugebiet Blumenthal ist jedenfalls eröffnet. Die Blumenthaler Grünen fordern, dass die Sanierungsplanungen bisherige Projekte, wie etwa die Entwicklung des BWK-Areals, nicht tangieren. Anke Krohne (Linke) erwartet, dass geplante Maßnahmen zu keinerlei Nachteilen für die Bewohner und Hauseigentümer führen dürfen. „Insbesondere wird kein Eigentümer zu Maßnahmen mit finanziellen Folgen gezwungen. Alle Sanierungsmaßnahmen von Eigentümern dürfen nur auf vollkommen freiwilliger Basis erfolgen“, heißt es in ihrem Antrag.

Es dürften auch keine Ausgleichsbeträge von den Hauseigentümern eingefordert werden. Anke Krohne argumentiert, dass viele Hausbesitzer in dem betroffenen Gebiet Rentner seien und keine Kredite aufnehmen könnten.

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