660 Betreuungsplätze fehlen

Start Kindergartenjahr: Schelte für Bildungsbehörde

In dieser Woche startet das Kindergartenjahr. Doch schon seit Monaten ist klar, dass nicht alle Eltern sich darüber freuen können. Insgesamt 660 Betreuungsplätze fehlen - die Opposition spricht von Chaos.
02.08.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Start Kindergartenjahr: Schelte für Bildungsbehörde
Von Lisa Boekhoff
Start Kindergartenjahr: Schelte für Bildungsbehörde

Schon jetzt sei es in Bremer Kitas zu eng, kritisiert auch Andreas Seele, Vorstandssprecher der Zentralen Elternvertretung. Die zuständige Behörde will die Gruppen wegen der fehlenden Plätze aber noch vergrößern.

Monika Skolimowska, dpa

In dieser Woche startet das Kindergartenjahr. Doch schon seit Monaten ist klar, dass nicht alle Eltern sich darüber freuen können. Insgesamt 660 Betreuungsplätze fehlen - die Opposition spricht von Chaos.

In dieser Woche startet das Kindergartenjahr. Doch schon seit Monaten ist klar, dass nicht alle Eltern sich darüber freuen können. Viele Bremer haben zum 1. August keine Betreuung für ihren Nachwuchs bekommen. Insgesamt fehlen laut Annette Kemp, Sprecherin der Senatorin für Kinder und Bildung, 660 Kita- und Kindergartenplätze. Derzeit sei man im Gespräch mit den betroffenen Eltern, ob Tagespflege-Angebote ihnen zunächst helfen könnten.

Bis Ende des Jahres sollen zumindest noch Plätze für 450 Kinder entstehen. Doch weil es selbst dann nach Rechnung der Behörde für mehr als 200 Kinder immer noch keine Betreuung gibt, arbeitet sie an anderen Lösungen. So wolle man zum Übergang, also bis neue Kitas fertig gebaut seien, Container einsetzen. Mit denen könne man allerdings erst Anfang des nächsten Jahres rechnen. Außerdem sei man weiter im Gespräch mit den Trägern der Kitas. Sie sollen in Zukunft mehr Kinder in einer Gruppe betreuen. „Es ist nicht das, was wir wollen, aber uns bleibt nichts anderes übrig.“

Diese Pläne bereiten Grit Wetjen, Personalratsvorsitzende des Trägers Kita Bremen, Sorge. Schon jetzt seien die Gruppen zu groß und die Räume der Kitas zu voll. „Kinder brauchen aber doch Platz.“ Auch ihre Mitarbeiter belaste die Situation. Dabei müssten sie die Kinder heute intensiver betreuen, weil ihnen immer öfter wichtige soziale Kompetenzen fehlten. „Es ist ein Dilemma.“

Missmanagement und Chaos

Für die nun betroffenen Eltern gebe es keine befriedigende Lösung. „Die meisten von ihnen können keine Tagesmutter finanzieren. Was sollen sie tun?“ Wetjen fordert, dass alle Verantwortlichen nun schneller neue Kitas auf den Weg bringen. „Ich sehe nicht, dass es diesen Druck in der Behörde schon gibt.“

Sandra Ahrens, familienpolitische Sprecherin der CDU, wirft der Behörde von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) Missmanagement und Chaos vor. Seit zwei Jahren sei bekannt gewesen, dass Plätze fehlten. „Der aktuelle Platzmangel kommt also mit Ansage, das ist ein Skandal!“ Die Eltern lasse die Behörde derweil im Unklaren. Ahrens fordert von der Senatorin genaue Pläne und ein Finanzierungskonzept für neue Kitas. Ihre Fraktion beantragte eine Sondersitzung der Kinder- und Bildungsdeputation.

Sofia Leonidakis, kinderpolitische Sprecherin der Linken in der Bürgerschaft, spricht von einem Drama für Eltern, Kinder und Beschäftigte. Ihre Partei fordere schnelle Lösungen, um die unversorgten Kinder unterzubringen. Es sei zu prüfen, ob dazu zusätzliche Räume angemietet werden können. Außerdem müsse das Personal gerade in Stadtteilen mit sozialen Problemen verstärkt werden.

Viele Eltern auf Warteliste

Andreas Seele, Vorstandssprecher der Zentralen Elternvertretung, geht in Bremen sogar von 2000 fehlenden Betreuungsplätzen aus. Es gebe noch 400 bis 600 Eltern, die auf einer Warteliste stünden und noch gar nicht erfasst seien. Außerdem fehlten mehr als 600 Hortplätze. „Die Situation für die Eltern ist dramatisch.“ Seele empfiehlt Eltern, ihr Recht auf Betreuung einzuklagen. Sie könnten sich bei der Elternvertretung dazu beraten lassen. Derzeit sei er in Kontakt mit einem Anwalt, der eine entsprechende Klage vorbereiten werde.

In einem Gespräch habe ihm der Staatsrat für Kinder und Bildung, Frank Pietrzok (SPD), gesagt, dass rechtliche Schritte der Eltern am Ende zur Erhöhung der Gruppengröße führen könnten. „Das habe ich als klare Drohung verstanden.“ Die beiden Träger müssten der Vergrößerung zustimmen. Laut Seele sprechen sich die Kita Bremen und die Evangelische Kirche aber dagegen aus. Schon jetzt sei die Qualität frühkindlicher Erziehung nicht gut. „Es wäre der GAU, wenn die Gruppen noch größer werden“, sagt Seele.

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