Fachausschuss Überseestadt befürwortet drei Bauvorhaben Startschuss für 340 neue Wohnungen

Überseestadt. Drei weitere Bauvorhaben hat jetzt der Fachausschuss „Überseestadt“ des Waller Beirats befürwortet, darunter ein Projekt mit 150 öffentlich geförderten Wohnungen.
22.06.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Anne Gerling

Sie wächst und wächst, und ein Ende ist noch immer nicht in Sicht: Drei weitere Bauvorhaben – ein Geschäftsgebäude und mehrere Wohnhäuser – hat jetzt der Fachausschuss „Überseestadt“ des Waller Beirats befürwortet, darunter ein Projekt mit 150 öffentlich geförderten Wohnungen.

Für die Gröpelinger ist es keine gute Neuigkeit – aber für die Waller: Hansewasser verlässt Gröpelingen. Es zieht vom ehemaligen AG-Weser-Verwaltungsgebäude an der Hermann-Prüser-Straße nach Walle in die Überseestadt. Dort will Hansewasser ein modernes Bürogebäude bauen, in dem Regenwasser zu Brauchwasser wird und das Windräder auf dem Dach stehen hat und auf diese Weise den „innovativen und modernen Charakter“ des Unternehmens widerspiegelt. Martin Schellhase vom beauftragten Berliner Architekturbüro Winking-Froh hat diese Woche den Fachausschuss „Überseestadt / Hafenentwicklung“ des Waller Beirats besucht, um das Vorhaben dort vorzustellen.

Demnach soll in der „zweiten Reihe“ zur Weser an der Ecke Kommodore-Johnsen-Boulevard/Birkenfelsstraße – gleich nordwestlich vom neuen Skate-Park – bis Ende 2015 das neue Hansewasser-Bürogebäude entstehen. Durch seine mäandernde Form wolle man den wuchtigen Baukörper mit einer Bruttogeschossfläche von 5800 Quadratmetern auflösen, so Schellhase. Der Haupteingang liegt an der Birkenfelsstraße, eingeplant sind ein Parkhaus mit 115 Stellplätzen und auch 80 überdachte Fahrradstellplätze.

„Wir haben versucht, den Beweis anzutreten, dass großräumig geförderter Wohnungsbau möglich ist.“ Mit diesen Worten leitete Clemens Paul, geschäftsführender Gesellschafter der Justus Grosse GmbH, den nächsten Tagesordnungspunkt ein. Grosse entwickelt für die Gewoba als Investor ein Vorhaben an der Marcuskaje, das der Überseestadt laut Paul rund 700 neue Bewohner einbringen wird. 150 öffentlich geförderte Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern – Mietpreis 6,10 Euro kalt pro Quadratmeter – sowie 100 frei finanzierte Wohnungen mit bis zu 110 Quadratmetern sollen dort entstehen; damit sind 60 Prozent des Projekts geförderter Wohnungsbau.

Je nach Bedarf könnte außerdem auch noch ein Bürogebäude gebaut werden. Die Planung für das Areal zwischen Marcuskaje, Franz-Pieper-Karree, Konsul-Smidt-Straße und Überseetor sieht außerdem ein Quartiersparkhaus mit 300 Stellplätzen vor, das Paul als „Mobilitätsparkhaus“ bezeichnet, in dem viele unterschiedliche Fortbewegungsmittel untergebracht und miteinander verknüpft werden könnten. Auf dem grünen Innenhof inmitten der vier Gebäudekomplexe soll außerdem ein zentraler Kinderspielplatz eingerichtet werden, auf dem sich dann der gesamte Nachwuchs aus dem Quartier treffen und miteinander spielen kann.

Die Bauanträge für drei der insgesamt vier Gebäude schräg vom Hafenhochhaus und vis-à-vis vom Schuppen 3 sind gestellt. Seitens der Stadt, so Paul, gebe es „viel Engagement, das zu realisieren.“ Schließlich hatte das Bauressort schon im Herbst zugesagt, Genehmigungsverfahren für Bauantragsteller bei den „30plus“-Flächen – zu denen das Areal an der Marcuskaje zählt – beschleunigen zu wollen. Und so wollen die Bauherren schon am 9. Juli zum Spatenstich für das erste Gebäude – das Haus Nummer 2 – einladen.

Die Qualität der sozial geförderten Wohnungen sei der von frei finanzierten Objekten ebenbürtig, unterstrich Paul dabei: Bodengleiche Duschen und schwellenlose Übergänge etwa gehörten hier nun zum Standard. „Wir haben ein Jahr lang am Baukörper gefeilt“, so Architekt Hans-Jürgen Hilmes. Auch einige der geförderten Wohnungen blicken zur Weser hin. Die Umgestaltung von Schuppen 3 gegenüber wird Hilmes zufolge dabei den Blick nicht verbauen: „Der Schuppen bleibt flach, man wird also einen starken Wasserbezug haben.“

Änderung der Sozialstruktur

Bei den Ortspolitikern kommt dieses Vorhaben sehr gut an. „Wenn wir das haben, wird sich an der Sozialstruktur viel ändern“, prognostizierte etwa Lutz Wendeler (Grüne), dem insbesondere der gemeinsame zentrale Spielplatz für die Kinder aus allen Häusern gefällt. Jörg Tapking (Die Linke) merkte an, es müsse auch auf Kita-Plätze geachtet werden, da auch durch den Umbau von Schuppen 3 in der Zukunft mit mehr Bewohnern zu rechnen sei.

Weiter nordwestlich an der Hafenkante – im dritten Baufeld hinter dem Skate-Park am Kommodore-Johnsen-Boulevard – nähern sich gerade die beiden „Aqua Viva“-Wohngebäude unmittelbar am Wasser ihrer Vollendung. Teilweise sind sie noch eingerüstet, aber Ende 2014 sollen sie fertig sein.

Im Frühjahr 2015 soll Baubeginn für zwei weitere Gebäude auf dieser Fläche sein. Einen im Juni 2013 dazu ausgelobten Wettbewerb hatte Architekt Oliver Platz von der Gruppe OMP gewonnen, der nun seinen Entwurf vorstellte: Er will den beiden weißen Aqua-Viva-Kuben zwei Lagergebäude entgegenstellen, die sich in ihrer Backstein-Optik durchaus auf hafentypische Gebäude wie Schuppen 1 und Speicher XI beziehen. In den fünf- beziehungsweise sechsgeschossigen Gebäuden werden sich einmal insgesamt 90 Eigentumswohnungen von 43 bis 144 Quadratmetern befinden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+