Bremer Wohnprojekt soll 2024 fertig sein

Startschuss für die Gartenstadt Werdersee

590 neue Häuser und Wohnungen: Bausenator Joachim Lohse (Grüne) hat am Freitag den Spatenstich für die Gartenstadt Werdersee gesetzt - im Bagger. 200 Millionen Euro soll das Projekt kosten.
03.11.2017, 19:06
Lesedauer: 2 Min
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Von Karin Mörtel
Startschuss für die Gartenstadt Werdersee

Bausenator Joachim Lohse beim Baggerstich zum Baustart auf der Wiese neben dem Huckelrieder Friedhof.

Karsten Klama

„Wo genau soll das Loch denn hin?“ Auf diese Frage haben alle Feiernden auf der Wiese neben dem Huckelrieder Friedhof fünf Jahre gewartet. Es ist der Bausenator, der ruft. Joachim Lohse (Grüne) sitzt mit weißem Helm auf dem Kopf an den Schalthebeln im Bagger und steuert den Greifer, der nun endlich dem Boden ein bisschen Erde entreißt. Sie bleibt erst mal drin in der Schaufel, nur die symbolische Geste zählt. Aber wenn die Suppe gegessen und das Festzelt abgebaut ist, sollen die Profis die Erdarbeiten im Neubaugebiet „Gartenstadt Werdersee“ übernehmen.

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Bis dahin gehört dieser nebelige Freitagvormittag noch den Politikern, Planern und Bauunternehmern, beteiligt sind die Firmen Interhomes, Gebrüder Rausch und Dr. Hübotter Grundstücksgesellschaft. Fünf Jahre Planung ist für die Bauherren von der eigens gegründeten Projektgesellschaft Werdersee (PGW) eine lange Zeit (wir berichteten), nun wollen sie endlich loslegen und das auch besonders schnell. 590 Häuser und Wohnungen gilt es hochzuziehen auf dem über 16 Hektar großen Areal.

Erste Bewohner können schon 2019 einziehen

Die teilstädtische Wohnungsbaugesellschaft Gewoba baut 230 Mietwohnungen und sorgt auf diesem Weg dafür, dass auch etliche Sozialwohnungen entstehen. Etwa 200 der Gewoba-Wohnungen werden letztlich Menschen mit geringem Einkommen zur Verfügung gestellt. Die PGW baut hingegen 360 Reihen- und Doppelhäuser sowie Eigentumswohnungen. Die Prospekte für Kaufinteressenten sind schon in der Druckerei.

200 Millionen Euro Gesamtvolumen habe das Bauprojekt hinterm Deich, hebt Peter Sakuth von der Projektgesellschaft hervor. „Im Winter sollen die Straßen und Leitungen fertig sein, sodass im Frühling 2018 in drei Erschließungsphasen Baubeginn für die Häuser ist“, sagt der ehemalige SPD-Innensenator. Die ersten Bewohner könnten dann im Frühling 2019 einziehen, „und spätestens 2024 wollen wir ganz fertig sein“, so Sakuth.

"Für mich ist das heute ein Trauertag"

Doch nicht nur Feierfreudige, sondern auch Kritiker des Projekts sind zum Baggerstich gekommen. Seit Jahren wird gegen das Neubauvorhaben Sturm gelaufen, die Kritiker fühlen sich übergangen bei der Planung. „Für mich ist das heute ein Trauertag“, sagt beispielsweise Giesela Rabeler, CDU-Beiratsmitglied aus dem benachbarten Dichterviertel in Habenhausen. Dass gebaut werden soll, findet sie nicht weiter schlimm. „Gegen 250 Wohnungen mit schönen großen Gärten hätte ich nichts gehabt“, sagt sie. Aber weit über 1000 neue Nachbarn in zum Teil fünfstöckigen Gebäuden, das sei schlicht zu viel für das beschauliche Fleckchen Erde, auf dem sie bereits seit Jahrzehnten gerne lebt.

Zu dicht, zu hoch, zu laut – das sind die drei zentralen Kritikpunkte, die verschiedene Bürgerinitiativen, aber auch die beteiligten Beiräte aus der Neustadt und Obervieland ein ums andere Mal vorgebracht haben. Besonders der zu erwartende Lärmpegel durch Flugzeuge ist immer wieder ein Argument, das gegen das Bauprojekt herangezogen wird. Den Beleg für diese Sorge liefern spätestens während der Festreden zwei Flugzeuge, deren Lärm das Gesprochene trotz Mikrofon fast übertönt. Auch der Flughafenbetreiber hatte in einer Stellungnahme gegenüber der Baubehörde ernsthafte Bedenken angemeldet. Doch Bausenator Lohse nimmt die Kritik eher sportlich. „Wir leben in der Stadt, da gibt es immer Konflikte, die muss man nur lösen“, gibt er sich optimistisch und verweist auf das Nachtflugverbot und bauliche Möglichkeiten, um den Geräuschpegel zu reduzieren. „Der Lärm ist vertretbar, sonst würden wir das Wohnen an dieser Stelle nicht realisieren“, versichert Lohse.

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