Vor allem A1 und A7 betroffen

Stau-Länge in Bremen und Niedersachsen auf Rekordniveau

Die meisten Staukilometer in Niedersachsen (44.809) wurden auf der A1 gemessen, die von Norden über Bremen und Osnabrück Richtung Ruhrgebiet führt.
17.01.2019, 07:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Nina Willborn

Rund um Bremen brauchten Autofahrer im vergangenen Jahr besonders viel Geduld. Laut der neuesten Staubilanz des ADAC hat sich die Anzahl der Autobahn-Kilometer, auf denen zeitweise gar nichts voranging, im Vergleich zu 2017 verdoppelt. 12 668 Kilometer Stau erfassten die Fachleute in den vergangenen zwölf Monaten, das entspricht etwa der Strecke von Bremen nach Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam. Im Jahr 2017 waren es noch 6115 Kilometer.

Den längsten Stau gab es mit zwölf Kilometern am 7. Juni auf der A 1 zwischen Hemelingen und Oyten. Rund um Bremen war die A 1 auch die häufigste Staustelle, besonders häufig stand der Verkehr auf den Strecken zwischen dem Dreieck Stuhr und Brinkum sowie zwischen Arsten und Brinkum in beiden Richtungen. Das ist keine Überraschung, dort wurde in den vergangenen Monaten lange gebaut und die Arbeiten dauern an einigen Stellen auch noch an.

A1 besonders stark betroffen

Nicht besser sieht es auf den niedersächsischen Autobahnen aus, auch dort wurden mit einem Plus von 33 790 Kilometern auf insgesamt 155 250 Kilometer wesentlich mehr und längere Staus gemessen als 2017. Besonders stark betroffen war auch hier die A 1, unter anderem zwischen dem Kreuz Lotte/Osnabrück und Osnabrück Hafen, aber auch die Nord-Süd-Achse mit der A 7.

Im Vergleich der norddeutschen Länder hat Niedersachsen den Spitzenplatz, bundesweit leiden nur Nordrhein-Westfalen (486 000 Staukilometer), Bayern (275 239) und Baden-Württemberg (207 316) stärker unter dem hohen Verkehrsaufkommen. Insgesamt registrierte der ADAC rund 745 000 Staus auf deutschen Autobahnen, das sind durchschnittlich pro Tag mehr als 2000 Staus.

Die Ursachen, warum die Anzahl und Längen der Staus vor allem rund um Bremen exorbitant angestiegen sind, sieht Nils Linge, Sprecher des ADAC Weser-Ems, in einer Mischung aus verschiedenen Faktoren: die Baustellen auf der A 1, lange angekündigte Maßnahmen ebenso wie solche, die kurzfristig eingerichtet werden mussten, aber auch gesellschaftliche Entwicklungen wie steigende Mieten in den Städten und dadurch eine steigende Zahl von aufs Auto angewiesenen Pendlern. „Es ist eine Mischung aus allem“, sagt Linge. Ihn überrasche die Verdopplung der Staukilometer nicht. „Insgesamt haben wir in Bremen, vor allem was die Möglichkeiten angeht, über die Weser zu kommen, ein sehr sensibles Verkehrssystem“, sagt der Verkehrsfachmann weiter.

Ungewöhnlich heißer Sommer spielt auch eine Rolle

Martin Stellmann, Sprecher des Amts für Straßen und Verkehr (ASV), interpretiert die Staubilanz erst einmal positiv. „Das ist für einen großen Wirtschafts- und als zweitgrößter Hafenstandort eine gute Bilanz, ein Podestplatz im positiven Sinn“, sagt er. „In den meisten Zeiten kann man rund um Bremen planmäßig fahren.“

Als „nennenswerte Faktoren“ nennt Stellmann neben den Baustellen auch den ungewöhnlich heißen Sommer. Die hohen Temperaturen führten dazu, dass auch auf den Autobahnen der Asphalt schmolz. „Alleine auf der Weserbrücke mussten wir dreimal wegen Asphaltproblemen ran“, sagt er. Zweimal innerhalb von sechs Wochen konnte dort wegen der Arbeiten nur eine Spur befahren werden. „Das hat nie lange gedauert, hatte aber erhebliche Auswirkungen.“ Auch die Sanierung der Autobahnbrücke in Mahndorf, wegen der über sechs Monate nur zwei Streifen pro Richtung geöffnet waren, habe die Nerven vieler Fahrer strapaziert, sagt der ASV-Sprecher. „Das war ein echter Flaschenhals.“

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Ebenfalls eine Stauquelle waren laut Stellmann die unzähligen Unfälle auf den Autobahnen, viele davon verursacht von Lkw oder anderen schweren Fahrzeugen. „Havarien beanspruchen das System zunehmend“, sagt Stellmann. Laut Zahlen des ASV fahren alleine über die Weserbrücke rund 100 000 Fahrzeuge pro Tag, rund 20 Prozent davon sind Lkw, Tendenz steigend. Verkehrsprognosen des Bunds gehen davon aus, dass der Anteil am Güterverkehr auf den Straßen bis 2030 im Vergleich zu 2010 um fast 40 Prozent steigen wird.

Der konkrete Plan, welche Baustellen wann rund um Bremen 2019 anstehen, ist noch nicht festgezurrt. Klar ist aber, dass die Autofahrer auch in den kommenden Monaten an vielen Tagen im Stau stehen werden ‒ nicht nur auf der A 27 wegen der Arbeiten an der maroden Lesumbrücke.

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