Neugestaltung der Fahrbahn Staus am gesperrten Stern

Der Bremer Verkehrsknoten „Am Stern“ wird durch Bauarbeiten an Fahrbahn und Gleisen bis Mitte Juli nahezu lahm gelegt.
01.05.2017, 16:45
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Staus am gesperrten Stern
Von Pascal Faltermann

Der Bremer Verkehrsknoten „Am Stern“ wird durch Bauarbeiten an Fahrbahn und Gleisen bis Mitte Juli nahezu lahm gelegt.

Sechs Straßen münden auf den Kreisel „Am Stern“. Darin kreuzen Autos, Busse und Radfahrer ihre Wege. Durch die Mitte fährt die Straßenbahn. Einer der wichtigsten Knotenpunkte in Bremen wird nun vorübergehend lahmgelegt. Der geplante Umbau des Rundkurses im Bremer Stadtteil Schwachhausen hat begonnen und geht ab dem 4. Mai in die heiße Phase. Dann beginnen die umfangreichen Bauarbeiten, um den Kreisverkehr in mehreren Etappen umzugestalten. Das bedeutet große Sperrungen und Auswirkungen auf den Verkehr in der Umgebung. „Es wird ernst und es wird knirschen im Straßenverkehr“, weiß Martin Stellmann, Sprecher des Amt für Straßen und Verkehr (ASV) in Bremen. Durch die Arbeiten entsteht ein Nadelöhr im Bremer Straßenverkehr. Vor allem Kraftfahrzeugfahrer müssen sich auf Umleitungen verteilen und sollten diesen Bereich im gesamten Zeitraum umfahren.

Bis zu 30 000 motorisierte Fahrzeuge und rund 5500 Fahrradfahrer sind es, die laut aktuellen Zahlen den Stern täglich passieren. Hinzu kommen die Straßenbahnen der Linie 6, 6E und 8, die den Kreisel durchqueren. „Das sind gute 430 Bahnen, die dort werktags täglich unterwegs sind“, sagt BSAG-Sprecher Andreas Holling. Dabei kommen sich vor allem Radfahrer und abbiegende Autofahrer immer wieder ins Gehege. Es krachte regelmäßig.

Unfallschwerpunkt in Bremen

Die Ausgangslage ist klar: Der Stern ist einer der Unfallschwerpunkte in Bremen. Das ist seit Jahren in Bremen ein Politikum und wird immer wieder diskutiert. In der Verkehrsunfallkommission steht er unter entsprechender Beobachtung. Immer wieder gab es Verbesserungen, doch die Zahl der Verkehrsunfälle im Kreisel in Schwachhausen blieb seit Jahren unverändert hoch. Durchschnittlich werden im Jahr rund 60 Unfälle gezählt, etwa ein Drittel davon mit Beteiligung von Radfahrern. Die Unfallzahlen wurden in der Vergangenheit bis ins Kleinste aufgedröselt, um detaillierte Statistiken zu erstellen. Immer wieder gab es Gespräche mit den Beiräten, dem ADAC, dem ADFC, Verkehrsplanern und Polizei. 2014 folgte zudem eine verkehrspsychologische Analyse für den Ist-Zustand. Dabei sei auch herausgekommen, dass es nicht immer nur an den motorisierten Fahrzeugen liege, die die Zweiräder übersehen. Es käme auch häufig vor, dass Radfahrer beim Einfahren in den Kreisel die Vorfahrt missachten, erklärt Stellmann.

Die Situation soll nun entschärft werden. Von den jetzt anstehenden Baumaßnahmen im Kreisverkehr erhoffen sich die Experten des Verkehrsressorts einen Rückgang der Unfälle, die wesentlich an der Unübersichtlichkeit des gesamten Bereichs liegen. Dafür sollen die Spuren für Fahrradfahrer und Autofahrer deutlicher getrennt werden. Der äußere Radius des Kreisels bleibt dabei unverändert, wie Stellmann, Sprecher aus der Stabsstelle der ASV-Amtsleitung, erklärt. Allerdings werde der Radius des inneren Kreises verkleinert, damit insgesamt eine größere Fläche für den Verkehr entstehe und die Schutzstreifen für die Radfahrer breiter gemacht werden können. Die Fahrbahn des Radfahrer-Streifens werde in Rot eingezeichnet.

Durch den größeren Schutzstreifen verändert sich auch der Winkel für die ausfahrenden Fahrzeuge. „Die Ausfahrt wird stumpfer, der Kfz-Fahrer kann dadurch den Radfahrer besser sehen“, erklärt Stellmann. Derzeit können Autos etwa in einem Winkel von etwa 45 bis 55 Grad ausfahren und sehen einen Radfahrer somit im Prinzip nur hinter ihrer Schulter. Durch die stumpfere Ausfahrt, etwa ein Winkel von 90 Grad, rückt der Fahrradfahrer mehr ins Schichtfeld, in den Augenwinkel des Autofahrers. Durch diese Änderungen werde die Fahrbahn für die Kraftfahrzeuge einspurig – derzeit ist es möglich, dass zwei Autos nebeneinander im Kreis stehen. Die wesentlichen Punkte auf den Punkt gebracht: stumpfe Ausfahrt, Einspurigkeit und größere Distanz zwischen Rad und Auto.

Insgesamt entstehen dabei Kosten von gut 900 000 Euro für das Amt für Straßenbau und Verkehr. Die BSAG investiert knapp 500 000 Euro für die Erneuerung der Gleise und eine Modernisierung der Haltestelle in der Wachmannstraße.

Stern in Etappen gesperrt

Der Startschuss fiel bereits am 25. April. Seitdem ist die Wachmannstraße vom Stern aus nicht mehr befahrbar. In stadtauswärtiger Richtung auf Höhe der Straßenbahnhaltestelle hat die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) begonnen, einen Fahrleitungsmast zu reparieren. Ab Donnerstag, 4. Mai, wird der Südteil des Kreisels für den Verkehr gesperrt. Das bedeutet, dass der Stern zur Wachmannstraße, zum südlichen Teil der Hollerallee, zum westlichen Teil der Parkallee und zur stadtauswärtigen Spur der Hermann-Böse-Straße nicht befahren werden kann. Außerdem ist die Parkallee Am Stern in Fahrtrichtung Universität gesperrt. Aus Richtung Universität ist es aber weiterhin möglich, über die Hollerallee oder die Hermann-Böse-Straße stadteinwärts zu fahren. Doch das ist nur die erste Etappe. Nach dem südlichen Teil des Kreisverkehrs folgt ab 21. Juni der nördliche.

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Nach dem Aufbau der Absperrungen beginnen am 5. Mai die Arbeiten der BSAG zum Gleisersatzbau einschließlich der Haltestellenanlage „Am Stern“. Dafür sollen Ersatzhaltestellen eingerichtet werden. Ab Freitag, 12. Mai, um 21 Uhr startet das Umbauwochenende der BSAG für den Gleisersatzbau. Der Straßenbahnbetrieb wird eingestellt und bis Montag, 15. Mai, um 4 Uhr durch einen Busersatzverkehr ersetzt. „Dabei werden rund 300 Meter Gleis ausgetauscht“, sagt BSAG-Sprecher Holling. Die Gleise aus den 90er Jahren seien verschlissen, auch wenn man sie erst in ein paar Jahren hätte austauschen müssen. Die BSAG nutzt die Maßnahme des ASV aber, um diese Arbeiten zeitgleich zu machen. Neben dem Erneuern der Gleise soll der Gleismittenabstand von 3,20 auf 3,60 Meter in der Haltestelle „Am Stern“ angepasst werden, um künftig die Begegnung zwischen Bus und Straßenbahn zu ermöglichen.

Mit Behinderungen wird gerechnet

Der Umbau des Kreisverkehrs durch das Amt für Straßen und Verkehr startet am 22. Mai. Ab dem 21. Juni sollen die Sperrungen im nördlichen Teil wieder aufgehoben werden, gleichzeitig werden dann aber die Straßen gesperrt, die bis dahin noch frei waren. Das wären dann der östliche Teil der Parkallee Ost stadteinwärts, der nördliche Teil der Hollerallee und die Hermann-Böse-Straße stadteinwärts. Ab dem 18. Juli soll der Stern wieder komplett geöffnet sein. Danach soll es nur noch kleinere Bauarbeiten in der Parkallee geben.

Auch das Standesamt Bremen-Mitte an der Hollerallee weist Autofahrer vorsorglich darauf hin, dass sie sich auf größere Sperrungen einstellen müssen. Betroffene Traupaare werden per Mail oder Briefpost angeschrieben. Bis voraussichtlich 20. Juni ist es möglich aus Richtung Universität/A27 via Parkallee und Stern das Standesamt an der Hollerallee zu erreichen. Aus Richtung Innenstadt ist das Standesamt über die Gustav-Deetjen-Allee während der gesamten Umbaumaßnahme zu erreichen. Eine Abfahrt in Richtung Stern ist vom Standesamt bis 17. Juli 2017 nicht mehr möglich, da die Zufahrt auf den Stern gesperrt ist.

Aktuelle Informationen zur Verkehrslage sind auf der Internetseite der Verkehrsmanagementzentrale (VMZ) der Stadt Bremen unter www.vmz.bremen.de zu finden.

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