Ladestationen an sieben Bahnhöfen Steckdosen für Räder und Autos

Im Mai wird am S-Bahn-Haltepunkt „Klinikum Bremen-Nord“ eine Ladestation für E-Bikes eröffnet. Sie ist Teil eines Modellprojekts im Landkreis Osterholz. Insgesamt entstehen sieben Stationen für Räder und Autos.
28.04.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulf Buschmann

Mit dem Elektrofahrrad zum Bahnhaltepunkt fahren, es dort sicher untergestellt aufladen und abends wieder nach Hause düsen. Dieser Ablauf ist das Idealbild von Elektromobilität. Ab Mai wird es ein Stück weit Realität werden. Dann nämlich wird am Haltepunkt „Klinikum Bremen-Nord“ eine Sammelschließanlage mit Ladestation für Elektrofahrräder eröffnet.

Sie ist Teil eines Modellprojekts in Sachen Elektromobilität, das derzeit im gesamten Landkreis Osterholz verwirklicht wird. Insgesamt soll es sieben Ladestationen für Elektrofahrräder und Elektroautos geben. Neben dem auf Beckedorfer Gebiet liegenden Haltepunkt „Klinikum Bremen-Nord“ der Regio-S-Bahn-Linie 1 von Verden nach Farge-Rekum gehören auch Osterholz-Scharmbeck, Oldenbüttel und Grasberg dazu. Weitere Möglichkeiten zum Tanken von Strom soll es in Lilienthal, Lübberstedt und Ritterhude geben – einige existieren schon.

Gesamtkosten von rund 880 000 Euro

An diesem Modellprojekt beteiligen sich mehrere Partner. In Beckedorf gehören die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) Niedersachsen, der Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) und die Farge-Vegesacker Eisenbahn (FVE) dazu. Die LNVG ist für den Nahverkehr in Niedersachsen zuständig, im ZVBN haben sich alle Städte und Gemeinden im Nordwesten als Nahverkehrsträger zusammengeschlossen und der FVE gehört die Bahnstrecke zwischen Vegesack und Farge. Sie teilen sich die Kosten, die sich nach Angaben von ZVBN-Planer Stefan Baute auf rund 95 000 Euro für den Haltepunkt „Klinikum Bremen-Nord“ belaufen. Die Gesamtkosten für alle Standorte betragen laut Baute rund 880 000 Euro. Die LNVG fördert jede Ladesäule mit bis zu 75 Prozent oder maximal 6000 Euro bei Fahrrädern und 7500 Euro bei Autos.

Während die E-Bike-Ladesäule und die Sammelschließbox in Beckedorf bereits fertig sind, lief für die Autostationen dort und an den anderen geplanten Standorten bis Ende vergangener Woche noch die Ausschreibung. Bestandteil ist ein Abrechnungssystem. Wer sein Elektroauto am jeweiligen Haltepunkt an die Dose hängt, der muss die entstehenden Stromkosten selbst tragen.

Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. Baute nennt eine spezielle Karte oder das Bezahlen übers das Smartphone. Genauere Aussagen könne er mit Rücksicht auf die laufende Ausschreibung nicht machen. Nur soviel lässt Baute durchblicken: „Die Eröffnung für die Autoladestationen sollen im Laufe des Jahres über die Bühne gehen.“

Deutlich besser kommen die Besitzer eines Elektrofahrrades weg, das auch E-Bike oder Pedelec genannt wird: Wer dafür die öffentliche Steckdose nutzt, darf es kostenlos tun. Hintergrund: Die Ladestation wird aus dem gleichen Netz gespeist wie die Straßenbeleuchtung. Die für die E-Bikes entstehenden Kosten seien mit weniger als zehn Cent je Drahtesel so niedrig, dass es nicht ins Gewicht falle, erklärt der ZVBN-Planer.

Im Dienste der Wissenschaft

Ob und wie das Projekt ankommt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Denn von den Erfahrungen im Landkreis Osterholz sollen andere Regionen profitieren. Aus diesem Grund werden alle anfallenden Daten wissenschaftlich ausgewertet. Hintergrund ist das von der Bundesregierung und den Ländern ausgegebene Ziel, die Elektromobilität voranzutreiben.

Doch für weite Bereiche liegen bislang keine verlässlichen wissenschaftlichen Daten vor. Dies gelte insbesondere für den ländlichen Raum. Um entsprechende Kenntnisse zu gewinnen, sei der Landkreis Osterholz mit seiner Mischung aus dünn besiedelten Gebieten und Ballungsräumen ideal, hieß es schon vor zwei Jahren in einer Sitzung von Vertretern des Zweckverbandes gegenüber Politikern des Landkreises. Auch die Hemmschwelle der ländlichen Bevölkerung gegenüber der Elektromobilität solle durch das Projekt gesenkt werden.

Mit der Elektromobilität ist es insgesamt noch nicht weit her. So ist es erklärtes Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 rund eine Million Elektroautos auf den hiesigen Straßen fahren zu lassen. Die Realität indes sieht anders aus: Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) waren am 1. Januar 2014 gerade einmal 12 156 reine Elektrofahrzeuge in Deutschland zugelassen; allein in Niedersachsen waren es 1699 und im Land Bremen gerade einmal 181. Immerhin gab es laut KBA Anfang 2014 immerhin 85 575 Hybridautos. Sie können sowohl mit Batterie als auch mit Verbrennungsmotor fahren. Ist die Batterie leer, schaltet die Elektronik auf Benzin oder Diesel um und lädt die Batterie wieder auf.

Noch zu wenig Ladestationen

Aber nicht nur die Zulassung von E-Autos lässt zu wünschen übrig. Auch die Anzahl der notwendigen Ladestation reicht bei Weitem nicht aus. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) etwa hat ausgerechnet, dass für eine flächendeckende Versorgung von Elektroautos 86 000 Ladestationen im gesamten Bundesgebiet notwendig seien. „Bis heute sind 4800 installiert“, ist dagegen im Verbandsmagazin „ADAC-Lenkrad“ zu lesen. Hinzu komme, dass es kein einheitliches Bezahlsystem gebe und die Stecker derzeit noch unterschiedlich seien.

Hochkonjunktur haben dagegen die Elektrofahrräder: Im vergangenen Jahr seien 2,1 Millionen dieser Drahtesel in Deutschland unterwegs gewesen, meldet der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Damit machten Pedelecs aktuell zwölf Prozent am Gesamtmarkt aus. Im Vergleich von 2013 zu 2014 sei der Verkauf neuer E-Bikes von 410 000 auf 480 000 bundesweit gestiegen – ein Plus von gut 17 Prozent.

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