Eiswettfest im Congress Centrum Bremen Stefan Bellinger wacht über die Zeremonie

Bremen. Klangvolle Namen stehen auf der Gästeliste des Eiswettfestes. Hochkarätige Politiker, Wirtschaftskapitäne, Bischöfe. Doch sie alle werden am Samstag nach dem Kommando eines Mannes agieren, der eher lokalen Bekanntheitsgrad genießt: Stefan Bellinger.
15.01.2011, 05:00
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Von Rainer Kabbert

Bremen. Klangvolle Namen stehen auf der Gästeliste des Eiswettfestes im Bremer Congress Centrum. Hochkarätige Politiker, Wirtschaftskapitäne, Bischöfe, die weit über die Grenzen der Hansestadt hinaus bekannt sind. Doch sie alle werden heute nach dem Kommando eines Mannes agieren, der eher lokalen Bekanntheitsgrad genießt: Stefan Bellinger ist Zeremonienmeister des Eiswettvereins. Ihm geht der Ruf voraus, unerbittlich bei der Einhaltung von Tagesordnungen zu sein.

2006, es war Bellingers erstes Jahr im Amt, formierte sich die Bundeswehrkapelle nach der Rede des Schatzmeisters auf der Bühne und intonierte die Nationalhymne. Der Zeitpunkt war richtig, leider war die Reihenfolge verkehrt: Da sich die einzelnen Programmpunkte in die Länge zogen, erschien die Kapelle noch vor der Rede auf Deutschland und Bremen - nicht hinterher. Nach wenigen Takten und einem Spurt Bellingers durch den Saal konnten die Musiker noch gestoppt werden.

Der Eiswettgenosse (seit 1997) hat daraus gelernt und achtet seitdem mit Argusaugen auf die Einhaltung der traditionellen Agenda von 14.30 bis 22.30 Uhr. Stellschrauben zur Optimierung des Zeitplans sind die Pausen, aber auch die einzelnen Menü-Gänge. Dauert einer der 43 Programmpunkte länger als geplant, kann beispielsweise die Rauchpause verkürzt werden - oder umgekehrt. Variabel ist auch der Hauptgang mit Braunkohl: Bellinger gibt den Teilnehmern des Stiftungsfestes mehr Zeit zum Essen - oder auch weniger.

Mit Fanfarenstößen in den Saal

An der Spitze des Eiswettvereins steht Präsident Peter Braun, er kennt den Ablaufplan auswendig: Ab 14 Uhr treffen die 735 Gäste und Eiswettgenossen im Congress Centrum ein. Auf der Empore lädt der Präsident zum Empfang ein, wobei sich auch Bürgermeister Jens Böhrnsen und die Hauptredner ins Eiswettbuch eintragen. Um Punkt 15 Uhr wird die Festgesellschaft mit Fanfarenstößen in den Saal geleitet. Haben alle ihren Platz gefunden, bekommt Bellinger seinen ersten großen Auftritt. Er führt die wichtigsten vier Personen des Abends in den Saal: Bürgermeister Böhrnsen, die beiden Ehrengäste Kardinal Reinhard Marx (er hält die Rede auf Deutschland und Bremen) und Klaus Christian Kleinfeld (Gästerede) sowie Eiswettpräsident Peter Braun.

Der Präsident begrüßt Gäste und Genossen und kündigt Schatzmeister Christoph Weiss an, der Rechenschaft über die Finanzen ablegen muss. Ein Kassenprüfer wird aufgerufen, der das Zahlenwerk einer Kontrolle unterzieht - eher spaßhaft als bierernst, denn der Schatzmeister hat keine Chance, das Geld des Vereins auf private Konten abzuzweigen: "Es sind ja alles durchlaufende Posten", erläutert Braun. Der dickste Posten ist die Spende des Vorjahres an die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger: 315000 Euro wurden auf dem Stiftungsfest 2010 eingesammelt.

Erwartungsgemäß wird Schatzmeister Weiss entlastet, und der Münchener Bischof und Kardinal Reinhard Marx kann seine Rede auf Deutschland und Bremen halten. Jetzt kommt die Bundeswehrkapelle mit der Nationalhymne zum Einsatz. Danach können sich Gäste und Eiswettgenossen mit Kohl und Pinkel (Nachtisch: Rote Grütze, begleitet von gutem Bordeaux und Riesling) für die weitere Tagesordnung stärken. Etwa für Notarius Publicus Jan-Martin Zimmermann, der für die Austragung der Eiswette und launig-kritische Worte zuständig ist. "Da wird auch der Bürgermeister nicht geschont", kündigt Präsident Braun schon mal an.

Ist das ohne intellektuelle Blessuren überstanden, kann Zeremonienmeister Bellinger zur einstündigen Rauchpause außerhalb des Festsaals aufrufen. Wenn alle sich halbwegs an den Zeitplan gehalten haben, ist es 19 Uhr. Danach geht es kulturell weiter mit dem Berliner Kabarett "Distel" und dem Aufruf des Schatzmeisters zur Spendensammlung. In einer "Familienfeier" werden die sieben Novizen als Eiswettgenossen aufgenommen.

Manager Kleinfeld hält dann die Gästerede. Danach wird das Ergebnis der Spendensammlung verkündet. Schließlich spricht Eiswettpräsident Braun das Schlusswort. Läuft alles glatt, ist es dann 22.30 Uhr.

"In den letzten drei Jahren waren wir superpünktlich", lobt Bellinger die Disziplin der Festgesellschaften. Sehr zur Freude der Damen im Park Hotel: Dort geht das Stiftungsfest weiter mit dem Eiswettball. Wer dazu wenig Neigung verspürt, kann auch zum Empfang der Commerzbank gehen - dort gibt es Würstchen.

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