Die Folgen steigender Corona-Zahlen

Bremen gilt jetzt als Risikogebiet

Die Schließung des Freiparks bleibt nicht die einzige Konsequenz aus den steigenden Corona-Infektionszahlen - denn Bremen gilt nun offiziell als Risikogebiet. Das hat auch Folgen für Reisende.
07.10.2020, 20:30
Lesedauer: 3 Min
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Bremen gilt jetzt als Risikogebiet
Von Nina Willborn
Bremen gilt jetzt als Risikogebiet

Am Mittwochnachmittag gegen 15 Uhr kam die Entscheidung: Der Freipark muss schließen.

Christina Kuhaupt

Knapp 100 neu mit dem Coronavirus infizierte Menschen meldete das Gesundheitsamt am Mittwoch für die Stadt und damit so viele auf einen Schlag wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Bremen überschreitet damit die als Grenzwert festgelegte Zahl von 50 Neuinfektionen bezogen auf 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, und das deutlich. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei einem Wert von 57,6.

Die Folge: Für Veranstaltungen und Feiern gelten strengere Regeln als zuvor. Das hatte der Bremer Senat am Dienstag für den Fall des Falles beschlossen. Außerdem zählt Bremen wie der Kreis Hamm, die Stadt Remscheid und die Berliner Bezirke Mitte oder Neukölln zu den innerdeutschen Risikogebieten. Für Reisende aus Regionen, in denen gehäuft Infektionen auftreten, also der Inzidenzwert bei 50 oder höher liegt, haben die Bundesländer am Mittwoch Beherbergungsverbote beschlossen. Das würde auch für Bremer, die nach Bayern reisen wollen, bedeuten, dass sie negative Coronatests vorweisen müssen. Anderenfalls können sie in Hotels abgewiesen werden. Mecklenburg-Vorpommern verlangt bei Einreisen aus deutschen Risikogebieten mindestens fünf Tage Quarantäne.

Bovenschulte: Große Sorge

Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) hält diese Regelungen für wenig praktikabel. „Wie wir in Bremen damit umgehen, werden wir im Senat diskutieren müssen“, sagte er. Dass in Bremen früher als erhofft die angekündigten Maßnahmen in Kraft treten, bedauerte Bovenschulte. „Ich sehe die Situation mit großer Sorge“, sagte er. „Aber ich hoffe, dass die Situation Einfluss auf das Handeln der Bürger hat, dass sich jeder deutlich macht, wie wichtig das Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln ist.“

Zu den ersten, die den überschrittenen Grenzwert zu spüren bekamen, gehörten die Schausteller. Das Ordnungsamt teilte ihnen mit, dass der „Freipark“ auf der Bürgerweide, der Ersatz für den Freimarkt, bis auf Weiteres geschlossen bleiben muss. „Wir sind maßlos enttäuscht“, sagte Bettina Robrahn-Böker, Vorsitzende der Schausteller-Gesellschaft VBS, die die Veranstaltung organisiert. Abgebaut werden soll der temporäre Freizeitpark vorerst nicht. „Wir hoffen, dass wir bald wieder aufmachen.“

SPD sagt Landesparteitag ab

Betroffen von der sofortigen Aussetzung der Sondererlaubnis, die so lange gilt, bis der Wert für mehrere Tage stabil unter 50 sinkt, ist auch die Messe und die ÖVB-Arena. Abgesagt sind „Postenhandel Nord“ in Halle 6 und die Terraristik-Börse in Halle 4 (geplant ab Sonntag) sowie das Tanzturnier „Bremen tanzt wieder“ (geplant ab Freitag) in der ÖVB-Arena. Inwiefern sie fortgesetzt beziehungsweise nachgeholt werden, ist laut der Messegesellschaft M3B noch unklar. Auch der für Sonnabend geplante Landesparteitag der SPD ist abgesagt.

Bei allen sonstigen Veranstaltungen in öffentlichen oder angemieteten Räumen, bei denen Alkohol ausgeschenkt wird, dürfen noch maximal 25 Personen gleichzeitig teilnehmen. Für Veranstaltungen ohne Alkoholausschank ist die Zahl der Besucher auf 100 beschränkt. Das wird unter anderem Auswirkungen auf das Sportgeschehen am Wochenende haben. Für Feiern in Privatwohnungen gilt, dass sich maximal zehn Menschen versammeln dürfen. Die Beschränkungen bleiben in Kraft, bis der Wert sieben Tage in Folge unterhalb der 50er-Marke liegt.

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Bovenschulte kündigte angesichts des starken Anstiegs der Neuinfektionen in den vergangenen Tagen erneut strengere Kontrollen an. Er empfahl, „auf den Besuch von Veranstaltungen im Moment möglichst ganz zu verzichten“. Man müsse nun sehen, sagte er, ob die stärkeren Einschränkungen wirkten. „Wenn das nicht der Fall sein sollte, müssen wir nachschärfen“, sagte er. Für Freitag ist eine Videokonferenz der Bürgermeister von Großstädten, darunter auch Bovenschulte, mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geplant. Dabei will sich die Runde über die Wirkung von einzelnen Maßnahmen austauschen – Berlin zum Beispiel arbeitet derzeit mit einer Sperrstunde, ab 23 Uhr müssen Restaurants und Bars schließen.

Virologe: Anstieg ist „erschreckend“

Andreas Dotzauer interpretiert die Steigerung bei den Infektionen als exponentiell. „Der steile Anstieg ist erschreckend“, sagte der Bremer Virologe. „Ich erwarte, dass das auch in den nächsten Tagen noch so weiter gehen wird.“ Laut Gesundheitsressort erkranken aktuell vornehmlich junge Menschen zwischen 19 und 35 Jahren, die selbst oft wenig oder keine Symptome zeigen. Sie wiederum gefährden Ältere, die zur Risikogruppe gehören.

Für Dotzauer liegt der Fehler in der Nachlässigkeit im Umgang mit den Verhaltensregeln. „Viele Menschen erkennen die Gefahr nicht, die ihre Handlungen bedeuten“, sagt er. „Es bleibt dabei, dass gegen die Ausbreitung des Virus hilft, die Zahl der Kontaktpersonen einzuschränken.“ Die Beschränkungen für Inlandsreisende hält der Mediziner für sinnvoll, um die generelle Verbreitung des Virus aus Hotspot-Gebieten einzudämmen. Negative Tests sind laut Dotzauer aber als Schutz alleine nicht ausreichend.

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