Bremer Weserstadion

Steinernes Fußballerbein soll restauriert werden

Die umstrittene Skulptur eines steinernen Fußballerbeines, die seit den 1990er-Jahren vor dem Ostkurvensaal des Weserstadions stand und Mitte September abgebaut wurde, soll wieder aufgestellt werden.
12.10.2019, 19:26
Lesedauer: 2 Min
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Von Christoph Bähr
Steinernes Fußballerbein soll restauriert werden

Die Kosten für Begutachtung und Restaurierung der abgebauten Bein-Skulptur am Weserstadion soll das Fan-Projekt tragen. Dies wurde in einem Gespräch mit der Kulturbehörde entschieden.

Nordphoto/Ewert

Kann das Bein gerettet werden? Die umstrittene Skulptur eines steinernen Fußballerbeines, die seit den 1990er-Jahren vor dem Ostkurvensaal des Weserstadions stand und Mitte September abgebaut wurde (wir berichteten), soll wieder aufgestellt werden.

„Die Skulptur wird auf Kosten des Fan-Projekts in die Bildhauerwerkstatt der Justizvollzugsanstalt gebracht, dort auf Schäden begutachtet und – wenn möglich – restauriert. Die Kosten dafür trägt das Fan-Projekt“, bestätigte Alexandra Albrecht, Sprecherin der Kulturbehörde, dem WESER-KURIER. Der Vorstand des Fan-Projekts hatte den Abbau der Skulptur veranlasst.

Zuvor waren bei der Mitgliederversammlung des Vereins Fan-Projekt Bremen Stimmen laut geworden, die die Entfernung der Statue forderten. Der Grund: Das Kunstwerk war von einem ehemaligen Anführer der rechten Hooligan-Gruppierung „Standarte Bremen“ während einer Resozialisierungsmaßnahme angefertigt worden.

Der Vorstand habe beim Abbau etwas voreilig gehandelt, räumte Uwe Jahn, Vorsitzender des Fan-Projekts, nun ein. „Uns war nicht bewusst, dass die Behörde die Skulptur damals finanziert hat.“ Für Jahn ist es daher in Ordnung, dass das Fan-Projekt für die Sanierung aufkommen muss. Darauf einigten sich Vertreter des Fan-Projekts und Rose Pfister, zuständige Referatsleiterin in der Kulturbehörde, kürzlich bei einem Treffen. „Das ist in Ordnung. Es gilt das Verursacherprinzip“, sagte Jahn. „Ich erwarte keine exorbitanten Kosten. Meines Wissens ist bei der Skulptur nur ein Zeh abgebrochen. Dazu muss der Sockel neu gemacht werden.“

Das Fan-Projekt hat den Vereinszweck, sozialpädagogische Maßnahmen mit Fußballfans zu organisieren, um Konfliktsituationen abzubauen. Dafür wird der Verein von der Stadt Bremen und der Deutschen Fußball Liga finanziell gefördert. Werden nun also öffentliche Gelder für die Sanierung der vorschnell abgebauten Skulptur verwendet? „Nein“, versicherte Jahn. „Das Fan-Projekt kommt für seine Betriebskosten selbst auf, weil es durch den Betrieb des Ostkurvensaals Gelder erwirtschaftet. Aus diesem Topf wird die Sanierung bezahlt.“

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Der Vorsitzende wehrte sich zudem gegen den Vorwurf, die Statue sei auf Wunsch einiger Ultras abgebaut worden. „Das war nicht nur die Entscheidung einiger weniger Fans, im Vorstand haben wir intensiv darüber diskutiert. Der fragwürdige Hintergrund der Statue war nur ein Grund für den Abbau. Es geht auch darum, an der Stelle etwas Neues zu schaffen. Ein Kunstwerk, das die neue Art der Fußballkultur in der Kurve zeigt, unabhängig von politischen Bestrebungen.“

Das steinerne Bein habe viele Ultras an den Überfall auf den Ostkurvensaal durch rechte Hooligans im Jahr 2007 erinnert, betonte Jahn. „Für jüngere Fans, die bei dem Überfall dabei waren, war die Skulptur ein Symbol dafür. Sie ist zwar schon viel älter, aber wurde damals eben von einem Hooligan angefertigt.“ Vor diesem Hintergrund sprach sich Jahn dagegen aus, die Skulptur, der das Bein von Ex-Werderaner Uli Borowka als Vorlage diente, nach der Restaurierung wieder an der alten Stelle neben dem Eingang zum Ostkurvensaal aufzustellen. Er hoffe, dass ein anderer Standort gefunden wird.

Die Kulturbehörde kann sich das ebenfalls vorstellen. Zunächst müsse aber in der Bildhauerwerkstatt überprüft werden, ob das steinerne Kunstwerk, das viele fälschlicherweise für das Bein von Werder-Legende Horst-Dieter „Eisenfuß“ Höttges hielten, noch zu retten ist. „Wenn das der Fall ist, wird geklärt, ob die Skulptur wieder vor den Räumen des Fan-Projekts oder anderswo aufgestellt wird“, sagte Behördensprecherin Albrecht.

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