Galerie 79 Bremen

Steinfurts Glücksgriff

Klaus Halfar mag nicht gern über seine Bilder reden. Die Bilder sollen für sich sprechen. Und das tun sie.
06.11.2018, 09:49
Lesedauer: 2 Min
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Von Martin Ulrich
Steinfurts Glücksgriff

Klaus Halfar stellt seine neuen Arbeiten in der Galerie 79 aus.

Martin Ulrich

Wenn man die kleine Galerie von Torsten-Richard Steinfurt in der Feldstraße betritt, fällt der Blick als erstes auf ein Frauenporträt. Das Bild ist in Schwarz/Weiß gemalt. Die Frau hat einen recht langen, weißen Hals, trägt schwarze Kleidung und steht vor schwarzem Hintergrund. Ihre schlanken weißen Hände liegen locker auf ihren Hüften. So ähnlich ist die heute 91-jährige, französische Schauspielerin und Sängerin Juliette Gréco zu ihrer Zeit aufgetreten. Sie galt als Grand Dame de la Chanson und Muse der Existenzialisten. Die Ausstrahlung des Bildes ist geradezu magisch.

Klaus Halfar versteht es, zu malen. Er arbeitet gegenständlich. Sein Malstil erinnert an Edward Hopper. Er ist ähnlich genau und charakterisiert seine Protagonisten auf eindrucksvolle Weise. Zwei Bilder rechts neben besagter Frau hängt das Porträt einer Novizin. Sie trägt ein schwarzes Ornat, das mit dem Hintergrund verschmilzt. Ihre schwarze Kapuze verdeckt den oberen Teil des weißen Gesichtes. Unter der Kapuze schaut ein leuchtend rot geschminkter Mund hervor. In den Händen hält sie einen Rosenkranz mit Kreuz. Von dem Kreuz löst sich ein in Grautönen gemalter Jesus. Er droht herunterzufallen. Titel des Bildes: „Zweifel.“

Bilder, die für sich sprechen

Klaus Halfar mag nicht gern über seine Bilder reden. Die Bilder sollen für sich sprechen. Auch den Einwand, er male überwiegend szenisch, die Bilder seien sorgfältig inszeniert – und wer inszeniere, verbinde damit doch immer eine Absicht lässt er nicht gelten. Er gibt zu, eine Absicht sei da, aber die Bilder erzählten davon, nicht er. Er spricht über seine Malweise, darüber wie er harte Kanten vermalt, wie er Nass in Nass arbeitet, wie er klassisch mit der Grundierung beginnt, dann skizziert, dann vormalt, und schließlich die Feinarbeit leistet. Auf seiner Website zitiert er Herbert von Karajan mit dem Satz: „Jede künstlerische Leistung ist ein Sieg über die menschliche Trägheit.“ Ein Bild weiter sieht man einen ranghohen, kirchlichen Würdenträger auf der Bettkante in einem Hotelzimmer sitzen. Neben ihm zieht sich eine junge Frau aus, während aus der Wand ein Ton in Ton mit der Wand gemalter Teufel herausschaut. Klaus Halfar zeigt auch eine Anzahl Frauenporträts. Da ist etwa eine Marilyn Monroe dabei und eine Reihe Frauen, die man irgendwoher zu kennen scheint. „Das ist Zufall“, sagt der ­Maler. Eines der Bilder erinnert von der Anmutung her an Jan Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring.“ „Das“, sagt Klaus Halfar, „freut mich, ist aber nicht beabsichtigt. Ich wollte einfach mal ein normales Gesicht malen.“

Ein weiteres Bild zeigt eine Szene, die in sommerlichem Wetter vor einer Jacht spielt. Im Zentrum steht ein Zigarre rauchender Mann in cäsarischer Körperhaltung. Ihm scheint die Welt zu gehören. Im Vordergrund sind eine Anzahl Frauen in Pelzmänteln. Eine unwirkliche Szene, in der der Cartoonist aus Halfar heraus lächelt. Ganz in der Nähe dieses Statements zu Reichtum und Verschwendung hängt ein Bild mit dem Titel „Die Konferenz.“ Es zeigt eine Reihe Geschäftsleute, die in Hut und Mantel über einen Strand gehen. Sie müssen die Hüte festhalten, denn es stürmt. Das Meer schäumt und auf dem Strand stehen eine Anzahl Telefone. Es ist, als hätte er wenig Magritte in seinen Hopper gerührt. Von René Magritte stammt ein wunderbarer Satz, dessen Rat Klaus Halfar ganz offensichtlich befolgt: „Wer in der Malerei nur will oder sucht, was er sich wünscht, wird niemals etwas finden, was seine Vorlieben überschreitet.“ Die genialen Bilder Klaus Halfars in Torsten-Richard Steinfurts Galerie 79 sind ein seltener Glücksfall.

Weitere Informationen

Die Ausstellung mit Bildern von Klaus Halfar in der Galerie 79 läuft noch bis zum 1. Dezember in der Galerie 79 Bremen, Feldstraße 79. Öffnungszeiten: Mittwochs bis sonntags von 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung unter Telefon 79 47 74 98.

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