Denkmalpfleger aus ganz Deutschland besichtigen Wätjens Park/Exkursionen beschließen Bremer Jahrestagung Steiniger Weg zur alten Pracht im Park

Blumenthal. "Oh, was haben sie denn hier Schönes angelegt." Die bewundernde Bemerkung eines Teilnehmers aus der Gruppe gilt den Wegen zu seinen Füßen. Aus allen Himmelsrichtungen schlängeln sie sich mit sanftem Schwung unter hohen Bäumen und finden in einer Wegekreuzung zueinander. Die helle Sanddecke ist noch ganz frisch. "Die Wege sind erst in der vergangenen Woche fertig geworden", erfährt die Gruppe.
10.06.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Gabriela Keller

Blumenthal. "Oh, was haben sie denn hier Schönes angelegt." Die bewundernde Bemerkung eines Teilnehmers aus der Gruppe gilt den Wegen zu seinen Füßen. Aus allen Himmelsrichtungen schlängeln sie sich mit sanftem Schwung unter hohen Bäumen und finden in einer Wegekreuzung zueinander. Die helle Sanddecke ist noch ganz frisch. "Die Wege sind erst in der vergangenen Woche fertig geworden", erfährt die Gruppe.

Über 40 Denkmalpfleger aus der ganzen Republik spazierten am Mittwoch über die neuen Wege in Wätjens Park. Seit Sonntag tagte in Bremen die Vereinigung der Landesdenkmalpfleger Deutschland. In unzähligen Vorträgen beschäftigten sich die Fachleute mit der Denkmalpflege in Parks und historischen Gärten, in Stadt- und Kulturlandschaften. Zum Abschluss am Mittwoch konnten sich die Teilnehmer an sechs Beispielen in der Hansestadt ein Bild von der Praxis machen.

Eine Exkursion führte nach Bremen-Nord zu Parks und Landhäusern in der "Bremer Schweiz". Neben Knoops Park und der Lehnhof-Siedlung informierte sich eine Gruppe in Wätjens Park, wie hier ein Förderverein seit sechs Jahren den über Jahrzehnte vernachlässigten Landschaftspark in neuer alter Schönheit erblühen lässt. Der Förderverein-Vorsitzende Rainer Frankenberg und Frank Glaßl vom Landschaftsarchitektur-Büro Müller-Glaßl und Partner führten der Gruppe beim Rundgang durch den westlichen Teil des seit 2007 denkmalgeschützten Parks des Erreichte vor Augen.

Die prachtvolle Grünanlage, die der Reeder und Parkgründer Diedrich Heinrich Wätjen ab 1830 anlegen ließ und die sein Sohn Christian Heinrich Wätjen erweiterte, wird Stück für Stück wiederhergestellt. Das gusseiserne Haupttor steht seit fünf Jahren wieder an seinem angestammten Platz neben dem Pförtnerhaus, das mit Wirtschaftsgebäude, Gärtner- und Verwalterhaus als historisches Ensemble erhalten ist. Der Parkbrunnen ist zurückgekehrt, um ihn herum werden jetzt historische Wege freigelegt. Im Roselius-Garten, den der Bremer Gartenarchitekt Christian Heinrich Roselius 1917 anlegen ließ, stehen heute wieder Rosen Spalier und führen hinauf zum Terrassengarten. Dahinter zeichnen Eibenhecken im "Erinnerungsgarten" den Grundriss des 1884 erbauten und 1987 abgerissenen "Schweizerhauses" nach.

Neue Wege führen um die in Teilen wieder freigelegte historische Schlosswiese und geben den Blick frei auf das Schloss im Tudor-Stil, das Christian Heinrich Wätjen 1864 bezog. Der Förderverein versucht die alten Sichtachsen wiederherzustellen. Eine nicht ganz einfache Angelegenheit, erfuhren die Denkmalpfleger. Als der Park 1916 zwischen der Vulkan-Werft und der Bremer Woll-Kämmerei aufgeteilt wurde, begann ein jahrzehntelanger Verfall. Mit dem Konkurs des Vulkan erlebte die Grünanlage ihre Renaissance. Um die früheren Sichtachsen neu anzulegen, mussten Bäume gefällt und Schneisen durch wucherndes Dickicht geschlagen werden. Es kam zu Konflikten mit dem Naturschutz. "Es fehlte oft das Verständnis bei den zuständigen Behörden, dass für die Wiederherstellung von Sichtachsen Natur weichen sollte", erfuhren die Denkmalpfleger.

Ein Problem, das sich zuletzt bei der Rekonstruktion der historischen Wegtrassen stellte. Sieben Bäume, die im wahrsten Sinne des Wortes im Weg standen, wurden zum Politikum. Der Förderverein wollte sie weg haben, der Umweltsenator war gegen das Fällen. Die Bäume seien zu alt und zu wertvoll, meinte Reinhard Loske. Eineinhalb Jahre zog sich der Streit hin. Erst vor wenigen Wochen kam es zum Kompromiss. Drei Bäume durfte der Förderverein fällen. Ein Ahorn, eine Roteiche und zwei Stieleichen stehen noch.

Der neue Weg führt jetzt zwischen den Stämmen hindurch. Beim Wandeln auf den historischen Pfaden konnten die Denkmalpfleger am Wegesrand auch die freigelegten steinernen Schmuckbänder bewundern. Nur dort, wo das Original Lücken aufwies, wurde nachgebessert.

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