Bundespräsident beim Antrittsbesuch Steinmeier besucht Bremen-Nord

Für alle Beteiligten steigt die Fieberkurve. Am Mittwoch, 28. Februar, ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Gast in Bremen-Nord. Wir klären die wichtigsten Fragen zu seinem Antrittsbesuch.
24.02.2018, 06:00
Lesedauer: 6 Min
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Steinmeier besucht Bremen-Nord
Von Patricia Brandt

Für alle Beteiligten steigt die Fieberkurve. Am Mittwoch, 28. Februar, ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu Gast in Bremen-Nord. Er besucht am Vormittag zwei Stationen in Blumenthal. Der protokollarische Aufwand ist enorm, die Vorbereitungen lassen kein Detail unbeachtet. Sogar die Frage, wo der Präsident aus seinem Auto aussteigt, wird vorher festgelegt.

War vor Frank-Walter Steinmeier schon ein Bundespräsident zu Gast in Bremen-Nord?

Ja, im Jahr 1957 war Theodor Heuss in Vegesack. Daran erinnern sich noch Leser der NORDDEUTSCHEN. Zunächst hatte diese Zeitung berichtet, dass noch nie ein Bundespräsident Bremen-Nord besucht habe. Diese Information stammte aus dem Rathaus, war aber falsch. Zahlreiche ältere Leser erinnern sich an den Besuch von Theodor Heuss, der damals zur Taufe eines Seenotrettungskreuzers anreiste (mehr dazu lesen Sie hier). Außerdem speiste Gustav Heinemann, der dritte Bundespräsident, im August 1969 in der Strandlust in Vegesack.

Dass Frank-Walter Steinmeier jetzt im Rahmen seiner Deutschlandtour in Blumenthal Station macht, geht auf einen Vorschlag des Bremer Bürgermeisters Carsten Sieling (SPD) zurück. Bei einem offiziellen Antrittsbesuch war ein Bundespräsident nämlich noch nie in Bremen-Nord zu Gast. Peter Lohmann von der Bremer Senatskanzlei sagt dazu: „Der jetzige Antrittsbesuch von Frank-Walter Steinmeier dauert zwei Tage, da passen einfach mehr Stationen ins Programm.“

Was schaut sich der Bundespräsident in Blumenthal an?

Frank-Walter Steinmeier wird am Vormittag des 28. Februar zunächst das Bauunternehmen von Jan-Gerd Kröger besichtigen. Der Bundespräsident trifft hier zum einen auf Kröger als Präses der Handwerkskammer und zum anderen als Chef eines Traditionsbetriebs, der seit 132 Jahren im Familienbesitz ist. Der Bundespräsident wird nicht nur mit Krögers Sohn Jan-Hendrik als Betriebsnachfolger sprechen, sondern auch mit Auszubildenden, die das Maurerhandwerk lernen. Unter anderem beschäftigt Kröger einen jungen Geflüchteten. „Unsere 50 Mitarbeiter und ich freuen uns ganz besonders über die Ehre des Besuchs in Blumenthal. Es passiert ja nicht alle Tage, dass hier ein Bundespräsident aufschlägt“, so Kröger.

Nach dem Besuch bei Kröger-Bau fährt Steinmeier zum Denkort Bunker Valentin, wo ihn der Leiter der Bremer Landeszentrale für politische Bildung, Thomas Köcher, und das wissenschaftliche Team in Empfang nehmen. „Wir wollen ihm zeigen, welche Bedeutung der Denkort für die Zivilgesellschaft hat“, sagt Köcher. Bei einem Rundgang soll Steinmeier die historische Entwicklung der Bunkeranlage, einer U-Boot-Werft der deutschen Kriegsmarine aus dem Zweiten Weltkrieg, erläutert werden. Schüler, sogenannte Junior-Guides, die sich viel Wissen um den Bunker angeeignet haben, werden ihm anhand eines Reliktes einer Betonmischanlage erklären, warum dieser Ort als eines der härtesten Arbeitskommandos für Zwangsarbeiter gilt.

Wie lange wurde der Besuch des Bundespräsidenten vorbereitet?

Der Besuch wird seit Wochen vorbereitet. Mitarbeiter von Kröger-Bau richten zurzeit eigens für den Bundespräsidenten eine Lehrbaustelle ein. Was früher mühsam von Hand erledigt werden musste, übernehmen heute moderne Verlegegeräte. Auch das Team um den Denkort überlässt nichts dem Zufall. „Die ersten Planungen haben wir schon vor Weihnachten gemacht“, sagt Thomas Köcher von der Landeszentrale für politische Bildung. In enger Abstimmung mit der Protokollabteilung der Senatskanzlei wurde das gut anderthalbstündige Besuchsprogramm minutiös ausgearbeitet. Überlegt wurde zum Beispiel, wen der Bundespräsident bei seinem Besuch treffen soll. „Es gab viele Vorgaben durch das Bundespräsidialamt durch den engen Zeitplan für die Begehung“, berichtet Köcher. „Es fängt schon mit der Frage an: Wo steigt er aus?“ Länger diskutiert wurde auch die Frage einer Kranzniederlegung. Festgelegt wurde schließlich, das um 11.40 Uhr zwei Kränze am Mahnmal „Vernichtung durch Arbeit“ in Gedenken an die Opfer des Bunkerbaus niedergelegt werden.

Warum werden sogenannte Bildpositionen für Pressefotografen festgelegt?

Die Fotografen dürfen nur zu bestimmten Zeiten Fotos schießen. Um 9 Uhr darf zum Beispiel fotografiert werden, wie Frank-Walter Steinmeier Jan-Gerd Kröger die Hand schüttelt, um 11.40 Uhr die Kranzniederlegung am Bunker Valentin. Zum einen, heißt es aus dem Bundespräsidialamt, soll alles in geordneten Bahnen ablaufen. Zum anderen sollen alle Journalisten bei ihrem Bericht die gleichen Möglichkeiten haben. Festgelegte Bildpositionen sind nach Auskunft der Senatskanzlei also eine Serviceleistung für die Medien, denen bei dem dicht getakteten Besuch optimale Arbeitsbedingungen mit den besten Fotomotiven gegeben werden sollen. Sprecher Peter Lohmann: „Es braucht aber auch Zeit und Orte, an denen der Bundespräsident und die Bürgerinnen und Bürger ohne laufende Kameras miteinander reden können.“

Wer begleitet Frank-Walter Steinmeier in Bremen-Nord?

Laut Bundespräsidialamt wird Frank-Walter Steinmeier wie bei allen Antrittsbesuchen von seiner Frau Elke Büdenbender und fünf bis sechs Delegierten begleitet, die sich um Organisatorisches kümmern. Nach Auskunft der Senatskanzlei ist auch Bürgermeister Sieling als Präsident des Senats bei der gesamten Tour des Bundespräsidenten durch Bremen-Nord dabei.

Welche Sicherheitsvorkehrungen werden getroffen?

Die Polizei Bremen plant Maßnahmen entsprechend der Schutzwürdigkeit des Bundespräsidenten, heißt es aus der Polizeipressestelle. „Die ganzen Planungen erfolgen in enger Abstimmung mit dem BKA, dem Bundespräsidialamt und der Senatskanzlei. Wir werden den Einsatz mit zivilen und uniformierten Kräften begleiten“, so Pressesprecher Nils Matthiesen. Weder die Polizei noch die Senatskanzlei rechnen aber mit Störungen. Auch nicht mit Zwischenfällen wegen der Schuldkultdebatte, ein Streit um Schmierereien am Bunker Valentin.

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Auch Medienvertreter müssen sich bei Kröger-Bau und am Bunker einem Sicherheitscheck unterziehen. Wie läuft der ab?

Der Sicherheitscheck besteht nach den Worten von Peter Lohmann aus der Senatskanzlei aus der Kontrolle, ob der Journalist sich zum Termin akkreditiert – also mit allen notwendigen Unterlagen – angemeldet hat und zugleich aus einem Check durch das BKA. Besonderer Augenmerk liegt laut Bundespräsidialamt auch auf den Kameras. Sprengstoffspürhunde sollen herausfinden, ob sich hier Sprengstoff verbirgt. BKA-Mitarbeiter werden testweise Fotos vom Fußboden schießen. Peter Lohmann: „Man muss sich vor Augen führen, dass hier unser Staatsoberhaupt zu Besuch kommt, da gelten besondere Sicherheitsanforderungen. Passiert doch mal irgendwas, heißt es dann im Nachhinein ‚Warum habt ihr nicht auf dieses und jenes geachtet?‘ und das wollen unsere Sicherheitskräfte natürlich vermeiden.“

In Erinnerung geblieben ist Mitarbeitern der Senatskanzlei in dem Zusammenhang der Antrittsbesuch von Joachim Gauck im Mai 2013: „Bei der Routineuntersuchung des Rathauses schlugen die Sprengstoffsuchhunde der Polizei an. Das komplette Haus wurde sofort evakuiert. Nach einer halben Stunde war dann klar, dass an einigen Kabeln in einer Technikkiste feinste Staubpartikel von Feuerwerkskörpern waren, die früher einmal in der Kiste transportiert wurden.“

Können Bürger in Bremen-Nord Kontakt zum Bundespräsidenten aufnehmen?

Auf dem Weg zwischen den einzelnen Programmpunkten kommen eventuell ganz spontane Begegnungen zustande, heißt es aus der Senatskanzlei. Ansonsten spricht der Bundespräsident natürlich mit Bürgern, wenn er sich mit den Azubis bei Kröger-Bau oder den Ehrenamtlichen im Denkort Bunker Valentin unterhält.

Welche Teile Deutschlands bereist Frank-Walter Steinmeier eigentlich privat?

Der Bundespräsident liebt seine Heimat zwischen Teutoburger Wald und Weser nach Auskunft eines Sprechers aus dem Bundespräsidialamt ganz besonders. Der SPD-Politiker (62) lebt zwar in Berlin, ist aber in Detmold geboren und in Brakelsiek in Ostwestfalen aufgewachsen. Sein Hobby ist das Bergwandern. Durch seine Tätigkeit in der Niedersächsischen Staatskanzlei (unter anderem war er Büroleiter des damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder) hat Frank-Walter Steinmeier aber auch die Küste schätzen gelernt. In Bremen war er schon oft. Mit der Stadt verbindet er ein EU-Außenministertreffen 2007, Werder Bremen und Sven Regeners Buch „Neue Vahr Süd“.

Wird der Bundespräsident im Anschluss an den Bunker-Termin in Bremen-Nord zu Mittag essen?

Nein. Am zweiten Besuchstag geben der Senatskanzlei zufolge der Oberbürgermeister und die Stadtverordnetenvorsteherin von Bremerhaven ein Essen zu Ehren des Bundespräsidenten.

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