4000 Menschen während der NS-Zeit im Lager Heidkamp interniert Stele erinnert an Zwangsarbeit

An der Ecke Hospitalstraße/Danziger Straße erinnert eine neue Gedenkstele an das ehemalige NS-Arbeitslager Heidkamp.
30.08.2016, 00:00
Lesedauer: 1 Min
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Von Gabriela Keller

Ein brettförmiges Stück Stahl, aus dem die Umrisse einer Hand herausgeschnitten sind – an der Ecke Hospitalstraße/Danziger Straße erinnert eine neue Gedenkstele an das ehemalige NS-Arbeitslager Heidkamp und die Leiden von rund 4000 Menschen, die hier im Zweiten Weltkrieg als Zwangsarbeiter für den Bau des U-Boot-Bunkers „Valentin“ in Bremen-Farge interniert waren.

Die Initiative kam vom Ortsrat, der die Stele auch finanziert hat. „Wir wollen damit einen Anstoß geben, sich an dieses dunkle Kapitel Schwaneweder Geschichte zu erinnern, damit so etwas nie wieder passiert“, sagte Ortsbürgermeister Martin Grasekamp bei der Einweihung am Montag.

Die Stele steht dort, wo sich einst der Lagereingang mit dem Wachgebäude befand. Mitte 1943 wurde das Lager Heidkamp als Teil eines umfangreichen Lagersystems für den Bunkerbau errichtet. Mehr als 50 massive Baracken entstanden. 26 davon waren Wohnbaracken für russische Kriegsgefangene, Fremdarbeiter aus dem Osten und aus westlichen Ländern. Ab 1944 kamen ita­lienische Militärinternierte als Zwangsar­beiter dazu.

Einer von ihnen war der damals 18-jährige Elio Materassi, der die Bedingungen im Lager und auf der Bunker-Baustelle in seinem Tagebuch schilderte. Im November 1943, kurz nach seiner Ankunft im Lager, schrieb er: „Wir arbeiten zehn, manchmal auch zwölf Stunden am Tag. Gegessen wird nur ein Mal am Tag und die Verpflegung ist nicht gut. Das Klima ist feucht, kalt.“ Eine Kopie des Tagebuchs befindet sich heute in der Gedenkstätte „Baracke Wilhelmine“ in Neuenkirchen.

Gegen Kriegsende befreite die US-Armee das Lager Heidkamp. Bis Mitte 1947 dienten die Baracken den Soldaten als Truppenlager. Den GIs folgten die Flüchtlinge aus dem Osten. In der „Siedlung Heidkamp“ fanden die Vertriebenen Zuflucht. Heutige Straßennamen wie Ostlandstraße, Breslauer Straße, Danziger Straße und Königsberger Straße erinnern daran. Ab den 1950er-Jahren begann der Häuserbau. „Hier entstand nach dem Krieg das erste geschlossene Wohngebiet in Schwanewede“, erinnerte Martin Grase­kamp. 1963 wurden die letzten Baracken abgerissen. Bis auf zwei. Umgebaut, stehen sie heute an der Ostlandstraße und der Breslauer Straße.

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