Erhöhung der Friedhofsgebühren

Sterben in Bremen wird teurer

Der Senat plant zum 1. Juni eine Gebührenanhebung für die stadteigenen Friedhöfe. Das geht aus einer Senatsvorlage hervor, über die die Stadtbürgerschaft in ihrer nächsten Sitzung entscheiden soll.
07.05.2017, 21:44
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Sterben in Bremen wird teurer
Von Kristin Hermann
Sterben in Bremen wird teurer

Die letzte Ruhestätte wie hier auf dem Riensberger Friedhof soll in Bremen teurer werdem.

Walter Gerbracht

Der Bremer Senat plant zum 1. Juni eine Gebührenanhebung für die stadteigenen Friedhöfe. Das geht aus einer Senatsvorlage hervor, über die die Stadtbürgerschaft in ihrer nächsten Sitzung entscheiden soll.

Vorgesehen ist eine durchschnittliche Gebührenerhöhung von 11,5 Prozent. Ohne diese Preissteigerung gäbe es bis 2019 ein Finanzloch von 1,874 Millionen Euro in der öffentlichen Kasse. So hat es die Umweltbehörde berechnet.

Für die Vergabe einer herkömmlichen Grabstelle von zwei Quadratmetern für einen Sarg würden demnach künftig nicht mehr 1206 Euro fällig, sondern 1327 Euro. Und kosten Urnengrabstellen für zwei Urnen in einer Urnenmauer derzeit noch 867 Euro, soll die Gebühr dafür künftig bei 971 liegen. Es ist nicht das erste Mal, dass der Senat die Kosten erhöht. Zuletzt hat die Behörde die durchschnittlichen Gebühren 2013 um 9,5 Prozent angehoben. Doch wie aus dem Papier hervorgeht, war diese Anpassung nicht ausreichend. Allein 2014 habe sich aufseiten des Friedhofsträgers eine Unterdeckung in Höhe von 574 000 Euro ergeben.

Um Verluste des Friedhofbereiches abzubauen, sei eine Anhebung der Gebühren der einzig mögliche Weg. Dass die derzeitige Gebührenordnung nicht mehr kostendeckend ist, daran seien gleich mehrere Faktoren schuld, teilt die Umweltbehörde auf Nachfrage des WESER-KURIER mit. Zum einen habe sich der Trend vom Sarg- zum Urnengrab fortgesetzt. Letzteres werde immer häufiger angefragt, sei aber verhältnismäßig günstig.

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Zudem würde die Behörde mit der Preissteigerung nur auf aktuelle Tarifveränderungen für das Friedhofspersonal eingehen. Die Gehälter seien in den vergangenen Jahren immer wieder gestiegen, weshalb auch die Gebühren entsprechend angepasst werden müssten. Und noch etwas wirke sich auf das Geschäft der Bestatter aus. „Gebührenanpassungen im Friedhofswesen sind durchaus wetterabhängig“, sagt Jens Tittmann, Sprecher des Umweltressorts. Je kühler es ist, desto weniger Menschen sterben, was die Einnahmen sinken lässt.

Eine halbe Million Euro mehr als 2016

Die Stadt erwartet durch die Gebührenerhöhung in diesem Jahr Gesamteinnahmen von etwa 6,7 Millionen Euro. Das entspricht einer halben Million Euro mehr als 2016.

Der Bestatterverband Bremen begrüßt die geplante Gebührenerhöhung des Senats. „Die Anpassung der Friedhofsgebühren ist dringend notwendig“, sagt Christian Stubbe vom Bremer Bestatterverband. „Für die Friedhöfe brauchen wir Einnahmen, um sie zu erhalten.“ Immer mehr Menschen würden ihre Familiengrabstellen zurückgeben und sich stattdessen in Gemeinschaftsgrabstellen wie Urnengärten bestatten lassen. Dadurch würden zunehmend Flächen frei werden, die die Mitarbeiter pflegen müssen. „Da sollten auch die Einnahmen steigen, damit man die Mitarbeiter entsprechend bezahlen kann“, sagt Stubbe.

Der Bestatter geht sogar noch weiter. Wenn es nach ihm ginge, reiche die geplante Erhöhung des Senats nicht aus. „Eigentlich gleicht das nur die gestiegenen Löhne im öffentlichen Dienst aus“, sagt er. Der Bestatterverband sei zudem dafür, die Gebühren kontinuierlicher anzupassen, damit die Kosten nicht innerhalb kürzester Zeit enorm ansteigen würden. Nach Angaben der Umweltbehörde würde sich dieses Verfahren jedoch nicht rentieren, weil auch mit der Erhöhung Kosten einhergehen. Große Umsatzeinbußen erwarten die Bestatter durch den Aufschlag nicht. „Natürlich sind mehr Gebühren nie schön, aber nach der letzten Erhöhung haben wir keine großen Auswirkungen gespürt“, sagt Stubbe.

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Dass sich die Bürger in diesem Jahr auf Gebührensteigerungen gefasst machen müssen, hatte sich bereits im Sommer vergangenen Jahres abgezeichnet. In diesem Jahr sollen alle Gebührenstaffeln für Dienstleistungen von Ämtern so überarbeitet sein, dass die Einnahmen jeweils kostendeckend sind. Bundesweit läge Bremen mit den Friedhofsgebühren auch nach der Erhöhung im Durchschnitt, so Stubbe.

Dass die Stadt mehr Geld über Gebühren einnehmen will, gefällt nicht allen. Die Bremer Linken beobachten die erneute Änderung der Friedhofsfinanzierung kritisch. „Wir entwickeln uns immer weiter zu einem Gebührenstaat“, sagt der finanzpolitische Sprecher der Fraktion Klaus-Rainer Rupp. Die Erhöhung treffe besonders sozial schwächer gestellte Leute. Anders als Steuern würden sich Gebühren nämlich nicht nach dem Einkommen desjenigen richten, der sie zahlen muss. Rupp plädiert für eine soziale Staffelung der Gebührenordnung, wie es teils in anderen Ländern gehandhabt wird.

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