Straßentheatertour „Von Nord nach West“ endet mit einem außergewöhnlichen Abend in der Schaulust

Sternstunden im Herzbrechhotel

Die dritte und vorerst letzte Straßentheater-Tour "Von Nord nach West" in der Schaulust war ein außergewöhnlich lustiges Konzert. Eddie Only will einen Song präsentieren, doch bis er das endlich kann, wird viel gelacht. Verdammt komisch ist auch das Clowns-Musik-Trio "The Bombastics" mit seiner äußerst komischen Performance.
23.07.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Solveig Rixmann
Sternstunden im Herzbrechhotel

Eddie Only trifft die Vorbereitungen für seine Show – allerdings hat er mit den Tücken seiner Objekte zu kämpfen, zum Schrecken und Amusement seines Publikums.

Die dritte und vorerst letzte Straßentheater-Tour "Von Nord nach West" in der Schaulust war ein außergewöhnlich lustiges Konzert. Eddie Only will einen Song präsentieren, doch bis er das endlich kann, wird viel gelacht. Verdammt komisch ist auch das Clowns-Musik-Trio "The Bombastics" mit seiner äußerst komischen Performance.

Bahnhofsvorstadt. Kaum hat sich herumgesprochen, dass vor un din der Schaulust am Güterbahnhof anspruchsvolles Straßentheater geboten wird, da ist die Reihe "Von Nord nach West" auch schon vorbei. Zum dritten und vorerst letzten Mal begann eine Dreitagestournee vergangene Woche in Bremen. Kein bis ins Kleinste ausgearbeitetes Abendprogramm präsentieren die professionellen Straßenkünstler, sondern Neues: Shows, die sie noch nicht vor Publikum gezeigt hatten. Eine Straßentheater-Werkstatt-Bühne unter freiem Himmel.

So war es auch diesmal wieder geplant. Doch die letzte Drei-Städte-Tour begann im Saal der Schaulust. "Eigentlich entscheidet man beim Straßentheater – und es sind ja auch viele Kollegen hier – drei Minuten vorher: Spielen wir oder spielen wir nicht", begrüßte Veranstalter Markus Siebert (Clown Knäcke) aus dem Fesenfeld das Publikum, das er vorsorglich in die Schaulust gebeten hatte. Dass der Umzug die richtige Entscheidung war, zeigt sich genau in dem Moment: Ein Platzregen geht vor dem Tor nieder.

Sensationeller Eddie Only

Eddie Only schiebt einen Handkarren, bepackt mit Koffern und einer zusammengeklappten Leiter, vor sich her. "The wonderful sensational Show with Eddie Only" will der Ire dem Publikum präsentieren. Dabei verstrickt er sich so sehr in die Details, dass schnell klar wird: Falls er bis zur Show kommt, dann ist das schon die Sensation. Mit drei Kreuzen aus Kreppband markiert er die exakten Stellen der Füße seines Gitarrenständers und formt eine Kofferform für seinen Koffer, rollt schnell einen staubigen Teppich aus und legt eine olle Fußmatte davor, auf der er sich jedes Mal, bevor er über den Teppich läuft, die Schuhe abtritt.

Steht ein Requisit am falschen Ort, kann das in einer Katastrophe enden. Eddie Only tritt auf seine Ukulele – Totalschaden. Zum Glück hat er gleich dreifachen Ersatz, allerdings keine Hand mehr frei, wenn er alle ausprobieren will. Also jongliert er ein wenig. Der Höhepunkt des Ganzen ist der versuchte Aufbau einer Bühne aus der mitgebrachten Leiter. Lautstark kracht die auf den Boden und es grenzt an ein Wunder, dass sich Eddie Only dabei nicht verletzt. Erwachsene Zuschauer können kaum noch hinsehen, und ein kleines Mädchen erkundigt sich bei seiner Mutter, was da so einen Lärm gemacht hat. Die Erklärung leuchtet dem Artistenkind aus dem Peterswerder offenbar nicht ganz ein: "Was ist Metall?"

Zu einer Bühne wird die Leiter nie, und schließlich geht sie kaputt. Zum Finale klettert Eddie Only auf die Trümmer. Und genau, als er die letzte Note erreicht hat, stürzt er, lässt aber noch Konfetti regnen.

Quer durch die Musikgenres geht es weiter. "The Bombastics", drei Musicalclowns aus Deutschland und der Schweiz, mischen alles kräftig durch und warten mit ungewöhnlichen Kombinationen auf: Italoswing, Punkabilly, Clownbeat. Doch Clown bleibt Clown, und so hat das Publikum viel zu lachen.

Mit Ringelsocken, kurzer Clownshose, zu kleinem Hut und Blume am Revers steht Jürgen Demant am Kontrabass. Eigentlich. Wenn er nicht gerade etwas aus einem Zollstock faltet, einen Hund an der Leine zum Beispiel oder ein Mikrofon mit Ständer. Doris Friedmann quetscht und zieht das Akkordeon, steppt und singt Arien, während die zwei Herren eine ganz andere Musikrichtung angestimmt haben. Dabei trägt sie Klamotten, wie sie sich wahrscheinlich Pippi Langstrumpf ausgesucht hätte. Aus einem ihrer Zöpfe steht antennenartig eine Stoffblume empor. Und immer wieder dreht sie ihre Zöpfe.

Aus dieser bunten Combo fällt Thomas Münzer etwas heraus. Mit seinem weiß geschminktem Gesicht und dem schwarzen Anzug mit Melone sieht er aus wie ein Totengräber aus einem B-Movie oder wie ein Darsteller der Rocky Horror Picture Show. "Das nächste Lied ist mal wieder auf Englisch, aber ich übersetze es für sie", sagt er und reziert seine Version von "Heartbreak Hotel". Mit ernster, unbewegter Miene spricht er vom "Herzbrechhotel", trägt er Zeilen wie "Fühlen so einsam Säugling" ("feel so lonely, baby") vor.

"The Bombastics" geben alles – aber das Publikum bekommt nicht genug von ihrer furiosen Show. Nach einer Zugabe aber lüpfen die beiden Musiker den Rock ihrer Partnerin. Ein überdimensionierter Liebestöter kommt zum Vorschein. "Ende" steht in großen Buchstaben auf dem Künstlerinnenhintern. Und jetzt ist das Publikum an der Reihe, etwas zu geben. Erst noch einen donnernden Applaus und dann eine Spende in den Hut, der auf der Bühne liegt.

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