Bremer Eiswette

Stiftungsfest verspricht neue Netzwerke

Bremen. Eine gewisse Anspannung spürt Eiswettpräsident Peter Braun kurz vor dem Stiftungsfest am Sonnabend schon. Wer weiß, ob das Wetter allen Gästen die Anreise ermöglicht. Die Rede auf Deutschland und Bremen soll der Münchener Bischof und Kardinal Reinhard Marx halten.
14.01.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Rainer Kabbert
Stiftungsfest verspricht neue Netzwerke

Eiswettpräsident Peter Braun wird morgen auf dem Stiftungsfest in seiner Rede auch die bremische Politik humorvoll ins V

Frank Thomas Koch

Bremen. Lampenfieber? Das nicht, eine gewisse Anspannung spürt Eiswettpräsident Peter Braun aber schon. So kurz vor dem Stiftungsfest morgen im Bremer Congress Centrum. Wer weiß, ob das Wetter allen Gästen die Anreise ermöglicht. Und vielleicht bekommt er ja kurz vorher wieder einen Anruf. Wie 2007, als Finanzminister Peer Steinbrück die Deutschland- und Bremen-Rede halten sollte und absagte. Die Stimme war ihm abhanden gekommen.

Der Ausfall hat das 178.Stiftungsfest des Eiswettvereins nicht behindert, Steinbrücks Kabinettskollege Wolfgang Tiefensee ist kurzfristig eingesprungen. Die Rede hat er auf dem Weg von Dresden nach Bremen geschrieben, mit Hilfe seines Staatssekretärs und Peter Brauns. Morgen wird der Münchener Bischof und Kardinal Reinhard Marx die Rede auf Deutschland und Bremen halten. Als Gästeredner wird der frühere Siemens-Vorstandsvorsitzende Klaus Christian Kleinfeld auftreten, der jetzt den US-Aluminiumkonzern Alcoa leitet.

Der Eiswett-Präsident ist in seinem neunten Jahr, zuvor war der Geschäftsführende Gesellschafter der Peter Braun Personalberatung GmbH zwei Jahre lang Schatzmeister. Keine leichten Jobs, denn die Ursprünge des altehrwürdigen Fests reichen weit in die Vergangenheit zurück, und auf der Gästeliste sind Leute verzeichnet, die in der Gegenwart einiges zu sagen haben.

19 Männer gründeten die "Eiswette von 1829". Die Frage war: Wird die Weser am 4.Januar (später wurde es der Dreikönigstag am 6.Januar) zugefroren sein, geiht se oder steiht se? Der Beweis sollte durch einen höchstens 99 Pfund schweren Schneider bewiesen werden, der mit einem heißen Bügeleisen über das Eis gehen sollte. Daraus ist ein Bremer Traditions-Spektakel gewachsen, das Jahr für Jahr ein großes Publikum an den Punkendeich lockt. Das Stiftungsfest morgen ist der zweite Akt der weltberühmten Bremensie.

Zu den 275 Wettgenossen wurden 460 Gäste geladen. Viel Prominenz aus Politik und Wirtschaft ist darunter. FDP-Politiker Hermann Otto Solms (Vizepräsident des Bundestags) ebenso wie der Berliner - und einstige Bremer - Finanzsenator Ulrich Nußbaum und der niedersächsische Wirtschaftsminister Jörg Bode sowie der mexikanische Botschafter Francisco Díaz. Sie werden bis spät in den Abend mit hochkarätigen Managern tafeln. Jürgen Fitschen (Vorstand Deutsche Bank) ist dabei, auch Klaus-Dieter Peters (Vorstandschef der Hamburger Hafen und Logistik AG) und Peter Hoedemaker (Geschäftsführung der Kaefer Isoliertechnik).

Lebenslänglich für die Wettgenossen

Im Gegensatz zu den Gästen sind die Wettgenossen lebenslänglich dabei. Das Präsidium des Vereins hat im Februar sieben Novizen ausgewählt, sie werden morgen zu Wettgenossen ernannt. Die Auswahl für das Ehrenamt ist nicht beliebig, erläutert Braun. Seine Devise als Anspruch an die künftigen Genossen: "Wer privilegiert ist, hat auch Pflichten und sollte das Gemeinwohl im Blick haben." Daran wird Schatzmeister Christoph Weiss die illustre Runde in seiner Rede erinnern. Vorgänger Rüdiger Hoffmann setzte sich im Vorjahr überaus erfolgreich in Szene: 315000 Euro für die Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger landeten auf den Sammeltellern der Tischältesten. Ein Rekord.

Für die Spendenbereitschaft wird auch einiges geboten. Das Berliner Kabarett Distel tritt auf (einen Tag später noch einmal in der bremer shakespeare company), Notarius Publicus Jan-Martin Zimmermann wird räsonieren (Braun: "Das ist schon ein Stück Kult."), und auch der Präsident selbst wird ans Mikrofon treten. Wer seine letzte Rede kennt, könnte den Tipp geben, sie am Sonnabend zu recyclen: Vieles taugte auch 2011 zur Pointe. "Da ist schon eine gewisse Kontinuität bei den lokalen Schmankerln", sagt Braun lachend.

Wobei das Lokalkolorit bis weit über Bremens Grenzen hinausstrahlt. Jedenfalls ist Braun überzeugt, mit dem Stiftungsfest einiges zum positiven Marketing der Hansestadt beizutragen. "Viele Gäste korrigieren ihr Bremen-Bild, erleben die Stadt nicht nur als Teil des Finanzausgleichs", sagt der studierte Diplom-Sozialwirt.

Nicht zu vergessen viele persönliche Gespräche, aus denen Netzwerke wachsen können. Kontakte, die gut fürs Geschäft, die Kultur oder anstehende politische Entscheidungen sind. Im letzten Jahr, erinnert sich Braun, saß der Vorsitzende des Bundestags-Haushaltsausschusses mit am Tisch. Und was an der Spree beschlossen wird, ist auch für Bremen nicht ganz unwichtig.

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