Gemeinschaftsausstellung „Ich sehe was, was du nicht siehst“ in der Wallerie eröffnet

Stille Post mit Bildern

Walle. Was hat eine illustrative Kuh in schwarz-pinkfarbenem Kontrast, der am Weserstrand Bücher um die Ohren fliegen, mit einem herbstlich braunen Ahornblatt zu tun? 28 Bilder, Collagen, Grafiken, Fotografien und Malereien hängen in der Wallerie und bilden eine Reihe scheinbar unzusammenhängender Motive. Doch es gibt eine Verbindung, sie ist zuvor in einem virtuellen Raum entstanden.
16.04.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Christiane Tietjen
Stille Post mit Bildern

Scheinbar unzusammenhängende Motive hängen an den Wänden der Wallerie. Doch es gibt Verbindungen zwischen ihnen, die zuvor im virtuellen Raum entstanden sind. Die Erklärung dafür liefern Conny Wischhusen (links) und Delia Nordhaus.

Roland Scheitz

Was hat eine illustrative Kuh in schwarz-pinkfarbenem Kontrast, der am Weserstrand Bücher um die Ohren fliegen, mit einem herbstlich braunen Ahornblatt zu tun? 28 Bilder, Collagen, Grafiken, Fotografien und Malereien hängen in der Wallerie und bilden eine Reihe scheinbar unzusammenhängender Motive. Doch es gibt eine Verbindung, sie ist zuvor in einem virtuellen Raum entstanden. 28 Künstlerinnen und Künstler, die sich noch nicht persönlich kennen, haben sich bei Facebook zusammengefunden. Bei einem von ihnen beginnt die Reihe, sich zu bewegen, in diesem Fall bei Conny Wischhusen, der Initiatorin des Projekts. Ihr Bild „Morgens um zehn in Deutschland“, eine Collage aus einer Titelseite des Weser-Kuriers, inspirierte Ulrike Miesen-Schürmann zu ihrem gemalten Frühstücks-Stillleben mit Pappbecher namens „Noch nicht“. Und bei der eingangs erwähnten Kuh am Weserstrand, eine Grafik der Galeristin Delia Nordhaus, sind es die Bücher, die dem einsamen Blatt ihrer Vorgängerin Monika Wolf eine Bindung verleihen.

„Es ist wie Stille Post“, sagt die Künstlerin. „Man bekommt, nachdem man in der Facebook-Gruppe aufgenommen ist, das letzte Bild zugeschickt. Ganz real hält man es in den Händen, nimmt irgendein Detail heraus, formt es innerhalb von 14 Tagen um zu einem eigenen kleinen Kunstwerk und schickt dies zu dem oder der nächsten.“ Erst bei der – nicht nur durch die Vielzahl der Künstlerinnen und Künstler – gut besuchten Vernissage lernen sich alle Beteiligten kennen, was noch einmal zu einem spontanen und überraschenden Austausch führt.

Die Idee zu der Gemeinschaftsausstellung stammt von Conny Wischhusen aus der Gartenstadt Vahr. Ihr Atelier hat sie am Dobben; dort und bei einem Künstlerstammtisch, der am 20. eines jeden Monats stattfindet, hat sie Künstlerinnen und Künstler aus Bremen und umzu rekrutiert. Ein paar bekanntere Namen sind darunter wie Christiane Caroline Möller aus Hamburg, eine Schülerin von Markus Lüpertz, oder Ulrich Graf-Nottrodt aus Bremen. Ein kleiner Teil der Ausstellungsfläche ist reserviert für repräsentative Arbeiten der Einzelnen, daneben eine Malerei von Delia Nordhaus. Ein Huhn sitzt auf einem Kasten mit der Aufschrift „Mailbox“, und damit symbolisiert sie fröhlich und unbefangen die Kombination von Natur und Cyberspace. „Facebook steht ja oft auch in der öffentlichen Kritik“, sagt sie, „aber ich finde, es kommt ganz darauf an, wie man es nutzt.“

Da stimmt sie voll und ganz mit Conny Wischhusen überein, die sich die Vernetzung zur künstlerisch-kommunikativen Aufgabe gemacht hat. Schon einmal hat sie an einem ähnlichen Projekt unter dem Titel „Prima Klima“ teilgenommen, das vor zwei Jahren vom internationalen Künstlernetzwerk CrossArt in Düsseldorf ausstellte. Und nun plant sie schon das Anschlussprojekt an die Ausstellung in der Wallerie, das „Ich sehe was, was du gesehen hast“ heißen soll.

Vielleicht ist es für Außenstehende etwas schwer, sich in die Erlebnis- und Darstellungswelt der Ausstellenden hinein zu finden. Hilfreich sind dabei die wenigen Zeilen Kommentare, die unter den jeweiligen Bildern hängen. Das ist für den Betrachter erhellend, manchmal skurril oder witzig, manchmal melancholisch, aber immer hochinteressant. Es macht Spaß, die Entwicklung von Bild eins bis 28 nachzuvollziehen und zu sehen, welch unterschiedliche künstlerische Mittel in ihnen zum Ausdruck kommen.

„Ich sehe was, was du nicht siehst“ ist bis zum 9. Mai in der Wallerie, Galerie im Walle-Center, Waller Heerstraße 103, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind: Montag und Donnerstag von 9 bis 13 Uhr, Freitag von 18 bis 20 Uhr, und Sonnabend von 10 bis 18 Uhr. Kontaktaufnahme über Delia Nordhaus, info@wallerie.de, Telefon 0 17 46 43 21 84.

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