Bundestag beschließt, was Bremen ablehnt Stillstand bei der B 6 neu

In Bremen wird als Verbindung von der A 281 zur A 1 in Brinkum eine Tunnelvariante unter dem Flughafengelände hindurch bevorzugt. Die aber lehnt der Bund aus Kostengründen ab.
07.12.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Stillstand bei der B 6 neu
Von Ralf Michel

In Bremen wird als Verbindung von der A 281 zur A 1 in Brinkum eine Tunnelvariante unter dem Flughafengelände hindurch bevorzugt. Die aber lehnt der Bund aus Kostengründen ab.

Das Hoffen in Bremen auf Kursänderung in Berlin blieb vergebens. Der Bundestag hat den Bundesverkehrswegeplan verabschiedet. Darin enthalten ist die oberirdische Variante für die B 6 neu – eine Trassenführung, gegen die sich erst im August eine deutliche Mehrheit der Bürgerschaft ausgesprochen hatte. In Bremen wird als Verbindung von der A 281 zur A 1 in Brinkum eine Tunnelvariante unter dem Flughafengelände hindurch bevorzugt. Die aber lehnt der Bund aus Kostengründen ab.

Die Baubehörde bezeichnet die Entscheidung in Berlin als „Wermutstropfen“ in einer ansonsten für Bremen erfreulichen Planung, die „Vereinigung der Bürgerinitiativen für eine menschengerechte A 281“ dagegen wettert über den Beschluss: „Damit werden Projekte festgeschrieben, die dauerhafte Schäden anrichten und für Bremen kaum einen Nutzen haben.“

Im August war von einem "Fehler" die Rede

Die politische Mehrheit in Bremen hätte die B 6n lieber unter „erweiterten Bedarf“ einsortiert gesehen, was nach aktueller Lesart „nicht vor 2030“ bedeutet. Im Gegenzug sollte stattdessen der achtspurige Ausbau der A 1 zwischen Bremer Kreuz und Abfahrt Brinkum in den „vordringlichen Bedarf“ genommen werden. Dass die Bundesverkehrsbehörde es genau umgekehrt sieht, war bekannt. Im August hatte Bau- und Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) sogar von einem „Fehler“ gesprochen, der den Stand der Absprachen zwischen Bremen und Berlin nicht widerspiegele. Doch eine entsprechende Intervention blieb vergebens.

„Damit ist jetzt genau das eingetreten, was wir auf keinen Fall wollten“, kommentiert Jens Tittmann, Sprecher des Bausenators, den Beschluss des Bundestages. Zur Realisierung der B 6n entlang der Wohnsiedlung Wolfskuhle, die sogenannte Umfahrungsvariante, habe man zwar jetzt die planungsrechtlichen Möglichkeiten. „Aber das werden wir natürlich nicht tun.“ Dagegen spreche der Beschluss der Bürgerschaft, an den man sich als Verwaltung halten werde.

Auf der anderen Seite habe man in Bremen die Kapazitäten und die Möglichkeiten, um für den Ausbau der A 1 schnell Baurecht zu schaffen. Aber diese Planung sei jetzt nur im „erweiterten Bedarf“ vorgesehen. Was wiederum „nicht vor 2030“ bedeute, da bis dahin aus finanziellen Gründen zunächst die Maßnahmen aus dem „vordringlichen Bedarf“ abgearbeitet werden, erläutert Tittmann.

Er könne sich zwar durchaus vorstellen, dass die Maßnahme A 1-Ausbau vom Bund außerplanmäßig trotzdem früher hochgestuft werde, dann nämlich, „wenn der Druck durch die Staus am Bremer Kreuz zu hoch wird“. Aber niemand wisse, ob und wann das passieren werde. „Und ob wir dann noch die Planungshoheit haben, steht auch nicht fest.“

Weitere Details des Bundesverkehrswegeplans

Erfreulich aus Sicht der Bremer Baubehörde sind weitere Details des beschlossenen Bundesverkehrswegeplanes: So finden sich die beiden noch fehlenden Teilstücke der A 281, das 2,2 Kilometer lange Verbindungsstück zum Autobahnzubringer Arsten und das 4,9 Kilometer lange Teilstück Richtung Seehausen inklusive Weserquerung, im vordringlichen Bedarf. Und ebenso der sechsspurige Ausbau der A 27 auf zwölf Kilometern Länge zwischen Bremer Kreuz und Abzweiger Überseestadt.

Die Planung für die A 281 stößt wiederum auf den erbitterten Protest der Bürgerinitiativen. „Die Vernunft hatte keine Chance, die Zukunft ist verspielt“, heißt es in einer Pressemitteilung des Sprechers der Vereinigung, Norbert Breeger. Der Bauabschnitt 2.2 nach Arsten sei überflüssig und werde jahrelang zu einem Baustellen- und Verkehrschaos führen.

Und was die nun beschlossene Umfahrungsvariante für die B 6n angeht: „Wir fordern und erwarten von Bürgerschaft und Senat, dass sie bei ihrer Haltung bleiben und für sie nur die Tunnelvariante infrage kommt.“ Und dies „trotz des absehbaren Drucks aus dem Bundesverkehrsministerium, aus Niedersachsen und von einflussreichen Lobbyisten“.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+