Preiserhöhungen in Kultur-Einrichtungen

Stimmt das Angebot, zahlen Gäste gerne

Die Botanika hat zuletzt den Eintritt für Jahreskarten um 100 Prozent erhöht - und damit für Ärger gesorgt. Das Thema Preiserhöhungen ist für viele kulturelle Einrichtungen generell eine schwierige Sache.
06.04.2015, 04:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Elke Gundel
Stimmt das Angebot, zahlen Gäste gerne
Weser-Kurier/Jung

Marianne Focke aus Berne ist ein Fan der Botanika. Deshalb hat sie eine Liebhaber-Jahreskarte, um den botanischen Garten auch in schwierigen Zeiten zu unterstützen. Derzeit ist die Begeisterung für die Einrichtung im Rhododendronpark jedoch abgekühlt. Denn mit der Eröffnung des für knapp zwei Millionen Euro umgebauten Entdeckerzentrums wurden die Preise für die Jahreskarte von 20 auf 40 Euro erhöht. Alle kulturellen Einrichtungen kennen diesen Spagat zwischen allgemeiner Kostensteigerung und den Besucherinteressen.

Marianne Focke empfindet die Preissteigerung um 100 Prozent als unpassenden Umgang mit den treuesten Kunden. Seit fünf Jahren habe sie eine Liebhaber-Jahreskarte, erzählt sie. „Bestimmt zehn mal“ sei sie jedes Jahr zu Gast in der Einrichtung. Sie begrüßt, dass die Botanika mit dem Entdeckerzentrum ihr Angebot erweitert hat. Dennoch fragt sie sich, ob eine Verdoppelung des Preises für die Jahreskarte der richtige Ansatz ist.

Silke Ladewig, Pressesprecherin der Botanika, kann den Groll von Marianne Focke einerseits verstehen. Andererseits hält sie die Steigerung nicht für übertrieben: „Wir haben ausgewertet, wie oft die Inhaber der Jahreskarten zu uns kommen.“ Zehn Besuche seien dabei praktisch immer zusammengekommen. Zum Teil „kommen die Leute täglich“. Das sei zwar ein Zeichen der Wertschätzung. Umgerechnet auf den einzelnen Besuch kämen dabei aber Eintrittspreise heraus, „die wir auch gegenüber der Stadt nicht mehr rechtfertigen konnten“. Schließlich werde die Botanika von der öffentlichen Hand mit finanziert und sei deshalb gehalten, einen angemessenen Eigenbeitrag zu leisten. Selbst bei 40 Euro bedeute das – umgerechnet auf zehn Besuche pro Jahr – vier Euro Eintritt.

Lesen Sie auch

Ein faires Angebot, findet Silke Ladewig. Zumal die Botanika seit ihrer Eröffnung vor zwölf Jahren noch nie die Preise angehoben habe und sich insgesamt um eine moderate Gestaltung der Tickets bemühe. Deshalb sei mit der Eröffnung des Entdeckerzentrums das Dreier-Ticket eingeführt worden: Wer dreimal im Jahr vorbeischaue, zahle pro Besuch acht Euro, also den alten Preis für ein Einzelticket für Erwachsene.

Auch für andere Einrichtungen ist eine Preiserhöhung nicht das angenehmste Thema. Hin und wieder müsse es aber sein, heißt es übereinstimmend aus der Kunsthalle, dem Zoo am Meer, dem Focke Museum und dem Universum. Das führe zwar manchmal zu Kritik, doch einen rapiden Abfall der Gästezahlen habe es deswegen noch nie gegeben. Besucher, so die Erfahrung, gewinnt und verliert eine kulturelle Einrichtung durch ein attraktives oder eben uninteressantes Angebot.

Sonderausstellungen teurer

Die Kunsthalle decke ihr Jahresbudget zu 50 oder 60 Prozent selbst, so Geschäftsführer Stefan Schnier. Der Erlös aus den Ticketverkäufen liege dabei bei etwa 15 Prozent. Mit acht Euro für das Einzelticket – zwölf Euro bei einer Sonderausstellung – liege das Kunstmuseum etwa gleichauf mit vergleichbaren Häusern in Hamburg und Hannover. Zuletzt seien die Preise im Sommer 2013 angehoben worden, von sechs auf acht Euro (Familienkarte: von zwölf auf 16 Euro, Kinder bis fünf Jahre müssen nach wie vor nichts bezahlen). Sinkende Gästezahlen habe das nicht verursacht. Schnier: „Bei den Sonderausstellungen kommen etwa 50 Prozent unserer Gäste aus Orten, die über 100 Kilometer entfernt sind.“ Die Reisekosten, Übernachtung und Verpflegung in Bremen machten ein Vielfaches des Eintrittspreises aus.

Für den Zoo am Meer sei vor allem das Wetter ausschlaggebend für mehr oder weniger Gäste, sagt Prokuristin Nicole Tönjes. Zuletzt seien die Preise Mitte September 2013 erhöht worden (um 1,50 Euro für Erwachsene und 1 Euro für Schüler und Studenten), zusammen mit der Eröffnung des Nordsee-Aquariums. Schließlich müssten die Betriebskosten irgendwie finanziert werden, und gerade die Aufbereitungsanlage für das Wasser sei ein Kostentreiber. Trotz der höheren Preise ging es mit den Besucherzahlen steil nach oben. „Wir hatten gutes Wetter.“ Außerdem machte sich der Lale-Effekt bemerkbar. Auch von außerhalb seien Besucher gleich mehrfach angereist, um die Entwicklung des Eisbären-Nachwuchses zu verfolgen.

Lesen Sie auch

Das Universum im Bauch des Wals an der Parkallee ist gerade komplett neu konzipiert worden. Die Preise seien trotzdem nicht erhöht worden, sagt Sprecherin Marena Grotheer. Anfang 2010 seien sie zuletzt verändert worden. In der Phase davor habe das Wissenschafts- und Mitmach-Museum die „interessante Erfahrung“ gemacht, dass so manche Theorie in der Wirklichkeit nicht funktioniere. Grotheer: „Wir hatten unseren Pauschal-Preis durch ein Baukasten-System ersetzt. Die Gäste konnten selbst entscheiden, ob sie die Sonderausstellung und den Entdeckerpark besuchen wollen, oder die Dauerausstellung und den Entdeckerpark.“ Entsprechend unterschiedlich teuer waren die Tickets. An der Kasse seien die Besucher mit der Entscheidung aber meistens überfordert gewesen. „Sie wussten nicht, wie viel Zeit sie für die einzelnen Bereiche brauchen würden.“ Also sei das Experiment rasch wieder beendet worden.

Das Focke-Museum habe die Preise zuletzt 2013 mit der Wiedereröffnung nach dem Umbau erhöht, allerdings nur für die Einzeltickets für Erwachsene, sagt Sprecherin Anne-Katrin Axt. Diese Karte kostet nun sechs statt fünf Euro (für Sonderausstellungen zwischen sechs und acht Euro). Die Erlöse aus dem Ticket-Verkauf machten zwischen 10 und 30 Prozent des gesamten Etats aus. „Je nachdem, welche Sonderausstellungen laufen.“ Aus den Rückmeldungen der Besucher ergebe sich, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimme. Unmut habe es dagegen gegeben, als der Eintritt für „Fockes Fest“ von einem auf zwei Euro erhöht worden sei. „Das hängt uns zum Teil bis heute nach.“ Die meisten Gäste freuten sich allerdings, die Veranstaltung für drei Euro mit der gesamten Familie besuchen zu können.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+