Literarische Schmankerln stoßen auf offene Ohren

Strandgut in Text und Musik

Vegesack. „Strandgut“– Textstücke und Lieder – von der See angespült und bei einem Spaziergang zwischen den Gezeiten aufgesammelt, präsentierten der Schauspieler Wolfgang Schenck und der plattdeutsche Mundartsänger Otto Groote am Sonntag in der Stadtkirche.
27.08.2013, 00:00
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Von PETER OTTO

Vegesack. „Strandgut“ – Textstücke und Lieder – von der See angespült und bei einem Spaziergang zwischen den Gezeiten aufgesammelt, präsentierten der Schauspieler Wolfgang Schenck und der plattdeutsche Mundartsänger Otto Groote am Sonntag in der Stadtkirche.

Die beiden Künstler haben sich im vergangenen Jahr zufällig getroffen, fanden sich sympathisch und beschlossen, so mal eben etwas Gemeinsames zu machen. Herausgekommen ist ein intimes Hörprogramm mit literarischen Schmankerln von Heinrich Heine über Alma Rogge und Hans Leip bis Joachim Ringelnatz, und melodiösen Liedern aus der Folkmusik der eigenen Werkstatt. Die meisten Lieder hat Otto Groote selbst komponiert. Er gehört zur niederdeutschen Musikszene und lebt in der norddeutschen Volksmusik und ihren herben, aber nicht leidenschaftslosen Melodien. „Ik bün tohus int blaue Licht von’n Norden“, sagte er.

Verwurzelt im torfhaltigen Mutterboden der friesischen Sprache, ist Grootes Musik auch ein intensiver Austausch mit den niederdeutschen Literaten und ihren Texten. Er vertone nur Texte, deren Inhalte ihn überzeugen, sagt er.

In seinen atmosphärisch dichten Liedern erzählt er musikalische Geschichten, einfach und selbstverständlich, unsentimental und doch mit einem untrüglichen Gefühl für die raue Wirklichkeit. Die Lieder singt er mit einer warmen lebhaften Stimme. Dabei begleitet er sich auf der Gitarre, deren Saiten er geradezu zärtlich mit den Fingern berührt. In ihrem Programm „Strandgut“ haben die beiden Künstler Musik und Text aufeinander bezogen und teilweise sogar miteinander verwoben.

Wolfgang Schenck, Schauspieler unter Curt Hübner und Peter Zadeck am Bremer Theater, Fassbinder-Darsteller, Hörspielsprecher und Regisseur, ist in der hochdeutschen wie in der plattdeutschen Sprache zu Hause. Mit seiner anheimelnd rauen Stimme liest er die kratzige Beschreibung des vieltönenden Hafentreibens von Hans Leip ebenso überzeugend wie Heinrich Heines märchenhafte Erzählung vom prosaischen Götterbesuch in der einsamen Strandhütte bei einer lilienhaften Fischertochter. Oder auch Heines glühenden Liebesschwur, den er gegen „das Sausen des Windes, des Brausen des Meeres und das Seufzen der eigenen Brust“ herausschreit.

Schenck erzählt plattdeutsch von einem welterfahrenen Seesack, angefüllt mit maritimen Abenteuern, und von „Ol Hinnerk“, der am Ende seines Lebens gar nicht so gern in den Himmel möchte, wie er dem Pastor beichtet, weil ihm das Leben auf der Erde greifbar näher ist.

Es sind besinnlich-ruhige Geschichten, auch wenn hier und da der Wind das Meer aufwühlt und sich die Wellen aufbäumen. Das Land ist frei und still, aber nicht ohne Reiz, wie Hans Leip einen heiteren Sommermorgen schildert. Aus dem Fenster hoch auf dem Marschenland blickt er über den geschäftigen Strom auf den einsamen Strand, auf dem sich unbekümmert ein Mädchen rekelt. Wolfgang Schenck beendete das Strandsammelsurium mit den ausgefallenen „Feierabendklängen“ von Joachim Ringelnatz. Das Publikum war begeistert.

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