„Jugend debattiert“: Gymnasium an der Hamburger Straße kommt in beiden Altersklassen eine Runde weiter Straßenumbenennungen im Streitgespräch

Diskutieren will gelernt sein – ein Ort dafür ist der Wettbewerb "Jugend debattiert". Dort üben Schüler, sich mit allen Seiten eines brisanten Themas auseinanderzusetzen. Das Gymnasium an der Hamburger Straße hat sich jetzt bei den Regionalausscheidungen in Oberneuland in beiden Altersklassen für den Landeswettbewerb qualifiziert.
25.02.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Straßenumbenennungen im Streitgespräch
Von Jörn Hüttmann

Diskutieren will gelernt sein – ein Ort dafür ist der Wettbewerb "Jugend debattiert". Dort üben Schüler, sich mit allen Seiten eines brisanten Themas auseinanderzusetzen. Das Gymnasium an der Hamburger Straße hat sich jetzt bei den Regionalausscheidungen in Oberneuland in beiden Altersklassen für den Landeswettbewerb qualifiziert.

Oberneuland. Viele Bremer Straßen sind nach historischen Persönlichkeiten benannt – einige davon sind politisch umstritten. Kritiker fordern deshalb immer wieder, diese Straßen umzubenennen. Eine Diskussion, die jetzt auch die Teilnehmer der Regionalausscheidung von "Jugend debattiert" in der Oberschule Rockwinkel beschäftigte.

"Zuerst einmal müssen wir klären, wer politisch umstrittene Personen überhaupt sind", eröffnet die Schülerin Liska Toppe die Diskussion. Dabei handele es sich vor allem um Adolf Hitler und andere Anhänger des Nationalsozialismus. Dass bei diesem Personenkreis klare Konsequenzen gezogen werden müssen, liegt für die Schülerin vom Gymnasium an der Hamburger Straße und ihren Teampartner Jannik Adam von der Oberschule Rockwinkel auf der Hand: "Ich bin klar für die Umbenennung", sagt Jannik.

Der Ablauf der Debatte folgt einem festen Schema: Zwei Schüler stehen auf der Pro-Seite, zwei auf der Kontra-Seite. Die Streitfragen kannten sie schon zehn Tage vor dem Wettbewerb. Für welche Position sie argumentieren müssen, wurde aber erst kurzfristig ausgelost: "Ich habe gestern erfahren, dass ich auf der Pro-Seite stehe", sagt Jannik. Deshalb hat sich der Schüler in der Einführungsphase der gymnasialen Oberstufe auf beide Seiten vorbereitet. "Ansonsten wäre das nicht zu schaffen gewesen."

Praktische Demokratieübung

Für Irene Kogel, Leiterin der Oberschule Rockwinkel, liegt genau darin das enorme Potenzial des Debattierwettbewerbs. Die Jugendlichen lernen, sich umfassend mit einem Thema auseinanderzusetzen. Dabei reicht es nicht aus, bloß eine der möglichen Positionen zu kennen. Die Schüler müssen sich auch mit den Gegenargumenten beschäftigen. "Auf diese Art lernen die Kinder, ihre Demokratiefähigkeit zu nutzen."

So hat sich Mailin Dahm im Vorfeld auch Argumente gegen die Umbenennung zurechtgelegt: "Der Aufwand, um alle umstrittenen Straßenschilder zu entfernen und Adressenangaben zu korrigieren, ist viel zu groß." Zudem sei die Frage, wer eine umstrittene Person ist, nicht immer so leicht zu beantworten wie bei Hitler.

An der Seite der Schülerin des Gymnasiums an der Hamburger Straße argumentiert Julius Meyer: Es gehe nicht darum, so der Schüler der Oberschule Rockwinkel, die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit zu meiden. "Es ist aber die Frage, ob die Gelder in der politischen Bildungsarbeit nicht besser eingesetzt werden könnten – vor allem im finanzschwachen Bremen." Denn die Kosten seien enorm: Geänderte Straßennamen müssten in allen offiziellen Dokumenten nachgetragen werden: "Das betrifft dann auch alle Personalausweise."

Nach rund 20 Minuten ist die Debatte beendet. Einig sind sich die beiden Seiten nur darin, dass eine öffentliche Diskussion um umstrittene Personen als Namensgeber nötig ist. In der Frage der Umbenennung bleiben sie gespalten, so wie es das Protokoll vorsieht. Jetzt liegt die Entscheidung bei der Jury aus Schülern und Lehrern. Sie bewerten Ausdruck, Sachkenntnis, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft von allen Teilnehmern: Jannik und Julius schaffen es bis ins Finale.

Dort lautet die neue Frage: "Sollen Plastiktüten verboten werden?" Jannik argumentiert sich auf Platz zwei, Julius landet abgeschlagen auf dem vierten Rang. Platz eins geht an Tobias Utermarck vom Gymnasium an der Hamburger Straße. Rang drei belegt Louis Ermert, der das Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Huchting besucht.

Die drei Erstplatzierten kommen weiter in den Landeswettbewerb. Ein unerwarteter Erfolg für die Oberschule Rockwinkel, die zum ersten Mal Schüler aus ihrer Oberstufe ins Rennen geschickt hatte. Das Debattieren sei bisher nur in den Deutschkursen der Einführungsphase geübt worden, sagt Jahrgangsstufenleiterin Silke Vogel. "Im nächsten Jahr wollen wir aber auch mit der Mittelstufe teilnehmen."

So machten mit der Albert-Einstein-Oberschule, dem Gymnasium an der Hamburger Straße, der St.-Johannis-Schule und dem Huchtinger Alexander-von-Humboldt-Gymnasium die vier anderen Schulen des Regionalverbundes I den Wettbewerb bei den Jüngeren unter sich aus. Bei der Finaldiskussion um ein Handyverbot für Jugendliche unter 16 Jahren konnte sich Bente Nazarek vom Alexander-von-Humboldt-Gymnasium durchsetzen.

Platz zwei ging an Ada Mittrenga vom Gymnasium an der Hamburger Straße. Amelie Schleich von der St.-Johannis-Schule in der Altstadt und Lina Beninga vom Alexander-von-Humboldt-Gymnasium belegten Platz drei und vier. In dieser Altersklasse kommen nur die beiden Erstplatzierten weiter in die Landesausscheidung.

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