Bremer Concordiatunnel Streit um Parkfläche verschärft sich

Bremen. Nach dem Ende der Bauarbeiten im Concordiatunnel wird die fünfeinhalb Meter breite Fahrbahn stadteinwärts als Parkraum genutzt. Ein Unding, meinen viele Bürger. Absurd, sagen unisono Handelskammer, CDU und SPD. Doch vorerst wird sich im Tunnel daran wohl nichts ändern.
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Streit um Parkfläche verschärft sich
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Kein Licht am Ende des Concordiatunnels, Bauarbeiten bis zum St.-Nimmerleins-Tag - so sah das jahrelang aus an diesem Nadelöhr in die Stadt hinein. Nun ist die Unterführung fertig, aber Ärger verursacht sie immer noch. Die fünfeinhalb Meter breite Fahrbahn wird stadteinwärts als Parkraum genutzt. Ein Unding, meinen viele Bürger. Absurd, sagen unisono Handelskammer, CDU und SPD. Doch so wie's aussieht, wird sich im Tunnel vorerst nichts ändern.

Ganz zu Beginn der Planungen sollte es einen vierspurigen Ausbau geben. Die Proteste dagegen waren indes so massiv, dass die damalige große Koalition überraschend einen Rückzieher machte. SPD und CDU waren mit der Sorge konfrontiert worden, dass es am Concordiatunnel eine Art Stadtautobahn geben könnte, ein superbreites Einfallstor für Autos und Lastwagen. Dem Tunnel nach wäre das auch heute noch möglich. Er spreizt sich auf 36 Metern so weit, dass locker Platz wäre, um dem Straßenverkehr vier Fahrbahnen zu geben. Die Deutsche Bahn AG hatte sich an die ursprünglichen Vorgaben gehalten und mehr geklotzt als gekleckert.

"Die teursten Parkplätze der Republik"

Herausgekommen ist ein Tunnel mit dem wohl breitesten Bürgersteig der Stadt, ein Superlativ, auf den die CDU noch einen drauf setzt: "Die Verbreiterung der Fahrbahn im Tunnel sollte den Verkehrsstrom verbessern und hat rund 20 Millionen Euro gekostet", erklärt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Heiko Strohmann, "am Ende hat Bremen dort die wohl teuersten Parkplätze der Republik gebaut." Mit gleichem Tenor hatte sich in der vergangenen Woche auch die Handelskammer gegen das Parken im Tunnel gewandt. Für sie steckt Strategie dahinter: Gezielt eingesetzte Verkehrhemmnisse, um die Autos aus der Stadt zu drängen.

"Eine Schikane gegen die Bürger!"

Auch Bürger haben ihrem Ärger Luft gemacht, unter anderem in dieser Zeitung. Sie verstehen nicht, wie ein Tunnel breiter gemacht wird, um ihn dann wieder zu verengen. "Eine Schikane gegen die Bürger!", heißt es in einem der Beiträge.

Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) spricht am Beispiel Concordiatunnel von "kommunikativen Disharmonien". Er vermutet einen Grund dafür: "Möglicherweise erklärt sich das aus dem schlichten Sachverhalt, dass sich Sinn und Nutzen einzelner verkehrsbehördlicher Anordnungen dem unvoreingenommenen Beobachter nicht vermitteln können." Konkret meint der Senator das so: "Wenn die Stadt nach langen öffentlichen Debatten beschließt, die Schwachhauser Heerstraße auszubauen und den Concordiatunnel zu erneuern, ist es nicht einfach nachzuvollziehen, warum auf einer Haupteinfallstraße in die Stadt auf dem rechten Fahrstreifen Autos parken dürfen." Die Autos weg, meint Günthner, denn: "Wer dort morgens in einem auf diese Weise erzeugten Stau steht, bekommt sehr schnell schlechte Laune."

Behörde will beobachten

Breite Einigkeit also darüber, dass die Fahrbahn im Tunnel kein Parkraum sein soll und gelindes Erstaunen, dass es überhaupt so weit gekommen ist. Zuständig ist der Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa, ein Grüner, Reinhard Loske. Er fährt jeden Tag mit dem Fahrrad durch den Concordiatunnel und kennt die Verhältnisse dort aus eigener Anschauung.

Einen Grund, sie zu verändern, sieht Loske allerdings nicht. "Aus unserer Sicht gibt es derzeit keine tatsächliche Beeinträchtigung des Verkehrsflusses. Deshalb werden wir auch kein Halteverbot einführen", heißt es aus dem Hause des Senators. Und weiter: "Der neue Concordiatunnel ist ja erst seit zwei Monaten für den Verkehr geöffnet. Wir werden die Situation zunächst einmal weiter beobachten, bislang läuft aber alles gut." Wenig später noch der Hinweis von Behördensprecher Michael Ortmanns, dass man im Tunnel Kameras installieren wolle, um jederzeit im Bilde zu sein, ob sich der Verkehr dort wegen der parkenden Autos staut.

Das Parken im Tunnel - ein vergleichsweise kleiner Streitpunkt in der rot-grünen Koalition. Er passt sich aber ein in das verkehrspolitische Gegeneinander der politischen Partner. Sie driften in diesem Bereich auseinander, wie zuletzt bei der City-Maut, einem Vorschlag der Grünen, über den die SPD noch nicht einmal nachdenken will.

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