Stiftung soll Pflege des Bremer Focke-Labors übernehmen Streit um Windkanal geht weiter

Bremen. Denkmalschützer Georg Skalecki ist beunruhigt. "Der Streit um den Windkanal des Bremer Flugpioniers Henrich Focke wird zum Problem für das Kulturdenkmal", warnt der Landeskonservator. Nun wird um eine Stiftungs-Lösung gerungen.
04.04.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Rainer Kabbert

Bremen. Denkmalschützer Georg Skalecki ist beunruhigt. "Der Streit um den Windkanal des Bremer Flugpioniers Henrich Focke wird zum Problem für das Kulturdenkmal", warnt der Landeskonservator. Focke-Tochter Sigrid Hopf und Kai Steffen, Vorsitzender des Focke-Windkanal e. V., liegen seit Jahren im Clinch. Nun wird um eine Stiftungs-Lösung gerungen, mit einem Verein, der das Denkmal betreibt.

Landeskonservator Georg Skalecki ist schon lange bemüht, den Streit um den Windkanal des 1979 verstorbenen Bremer Wissenschaftlers Henrich Focke zu schlichten. Bislang erfolglos. Doch er befürchtet auch, dass es so nicht weitergehen könne. Denn durch fehlende finanzielle Absicherung könnte der Erhalt des Gebäudes schwierig werden.

Es gibt zwei Fronten in dem Streit um den Windkanal. Auf der einen Seite steht der promovierte Diplom-Ingenieur Kai Steffen, der das Forschungslabor in der Emil-Waldmann-Straße 1997 entdeckte und mit seinem Verein, erheblichen Spenden sowie ehrenamtlicher Arbeit restaurierte. Auf der anderen Seite agiert die Focke-Tochter Sigrid Hopf, die das Erbe ihres Vaters in eine Stiftung überführen will und Steffens Verein dabei offenbar an den Rand drängt. Der wiederum empfindet es als unfair, dass er nun alles hergeben soll – in eine Stiftung, in der er zwar 2.Vorsitzender hinter Hopf werden sollte, gleichzeitig aber wohl auch Einfluss auf das Denkmal verlieren würde.

Kulturhistorisches Juwel

Auf bremischer Seite haben sich inzwischen viele Akteure eingeschaltet. Landesamt für Denkmalpflege, Stiftung Wohnliche Stadt, Stiftungshaus, Senatorin für Wissenschaft oder Airbus. Einig sind sich alle in der Einschätzung, der Focke-Verein habe sich große Verdienste – inklusive Denkmalschutzpreis – erworben, um ein für Bremen wichtiges kulturhistorisches Juwel zu retten. So gilt die Firma Focke-Wulf als Vorläufer von Airbus, das heute noch die ersten Focke-Wulf-Produktionsgebäude nutzt: als Werkskindergarten auf dem Neuenlander Feld.

Landeskonservator Skalecki sagt aber auch: "Steffen trat auf, als sei er der private Herrscher in der Focke-Werkstatt und wollte den Windkanal aufrüsten – aber das Ganze ist ein Denkmal, keine Versuchsanlage." Manchmal habe er ihn bremsen müssen, denn durch Modernisierungen dürfe der Denkmalcharakter nicht verloren gehen. Steffen müsse sich öffnen, er blockiere die Stiftung, weil er Rechte aus dem bis 2025 gültigen Nutzungsvertrag bedroht sieht.

Der "Vertrag" scheine eher eine "Nutzungszulassung" zu sein, argumentiert Dietrich Daum, geschäftsführender Vorstand der Stiftung Wohnliche Stadt, und solche einseitigen Erklärungen könne man rückgängig machen: Im Februar hatte Focke-Tochter Hopf sie gekündigt. Nun streiten Juristen um die Rechtmäßigkeit von Nutzungserklärungen und Kündigungen.

Verein ist verärgert

Fern der juristischen Ebene empfindet es Kai Steffen als ungerecht, wie mit ihm und seinem Verein umgegangen wird: "Wir haben das marode Erbe von Frau Hopf von einer Bauruine zu einem schicken Museum saniert", argumentiert der studierte Produktionstechniker, "und jetzt, wo alles neu ist, schmeißt man den Verein über eine Stiftung aus dem Projekt raus." Auch Steffen ist für eine Stiftung, aber nicht zu Bedingungen, die dem Verein kaum Entscheidungsmöglichkeiten lassen.

Eine Satzung ist durch die Münchener Hopf-Anwältin in Arbeit, der Bremer Anwalt Gert Overbeck wurde vom Stiftungshaus beauftragt, hier die bremischen Interessen zu wahren. Die Focke-Tochter will die Stiftung gerne in München ansiedeln, die Bremer Sponsoren für das Stiftungsgeld wollen ihre Portemonnaies aber nur öffnen, wenn es eine bremische Einrichtung wird. Die Konstruktion: Die Stiftung wird Eigentümer des Denkmals, ein Verein soll den Betrieb des Museums gewährleisten. Das könnte, meint Anwalt Overbeck, auch der Focke-Windkanal e.V. sein: wenn sich denn Steffen als Vorsitzender zurückzöge und nur einfaches Mitglied werde.

Skalecki wiederum bringt eine Lösung ins Spiel, die 2004 verworfen wurde: Den Windkanal als Außenstelle des Focke-Museums zu betreiben. Nun, da es eine neue Museumsleitung gebe, hofft der Denkmalschützer, könnte man das ja neu diskutieren.

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