Kette von Problemen reißt nicht ab Streitfall Stadion

Das Weserstadion – mitten in der Stadt und direkt am Fluss gelegen. Viele Probleme, die sich daraus ergeben. Die Sicherheit zum Beispiel und hohe Polizeikosten. Millionenbeträge noch ganz anderer Art werden aufgerufen, wenn es demnächst um den neuen Hochwasserschutz fürs Stadion geht. Wer soll das bezahlen, wenn doch alle Beteiligten mehr oder weniger kein Geld haben?
30.08.2014, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Streitfall Stadion
Von Jürgen Hinrichs

Das Weserstadion – mitten in der Stadt und direkt am Fluss gelegen. Viele Probleme, die sich daraus ergeben. Die Sicherheit zum Beispiel und hohe Polizeikosten. Millionenbeträge noch ganz anderer Art werden aufgerufen, wenn es demnächst um den neuen Hochwasserschutz fürs Stadion geht. Wer soll das bezahlen, wenn doch alle Beteiligten mehr oder weniger kein Geld haben?

Den Osterdeich hinunter ist in diesen Tagen weitgehend unbemerkt eine Rampe gebaut worden. Dort, wo es bereits einen asphaltierten Weg gibt, nur dass er jetzt breiter geworden ist. Warum das und wofür? Eine Frage, die ins Nest sticht.

Der Weg führt vom Café Ambiente zum Weserstadion. Soll er künftig Busse aufnehmen, damit die gegnerischen Fans direkt vors Stadion gefahren werden können, wie Polizei und Werder sich das schon lange wünschen? Oder ist er für die Anfahrt der Lastwagen gedacht, wenn rund ums Stadion die Bauarbeiten für einen neuen Hochwasserschutz beginnen?

Nichts dergleichen, versichert Ortsamtsleiter Robert Bücking: „Der Ambiente-Weg ist verbreitert worden, weil wir ihn im Ernstfall für die Rettungsfahrzeuge brauchen.“ Dass wegen der Bauarbeiten andere Spekulationen hochschießen, wird Bücking nicht verwundern. „Eine Rampe für Busse lehnt der Beirat unverändert ab“, stellt er schon einmal klar.

Das Weserstadion ist zum Zankapfel geworden: Sicherheitsfragen, wenn Werder spielt. Polizeikosten, die damit im Zusammenhang stehen. Und neuerdings auch das Problem, wie man das Stadion vor Hochwasser schützen kann und wer das bezahlt.

Mindestens fünf Millionen Euro

In den nächsten Wochen soll feststehen, wie hoch die Kosten sind, wenn die Pauliner Marsch an dieser Stelle einen höheren Deich bekommt und auf den anderen Seiten des acht Hektar großen Gebiets Spundwände in den Erdboden gerammt werden. Die Planer rechnen dem Vernehmen nach mit mindestens fünf Millionen Euro.

„Wenn es außendeichs um den unmittelbaren Objektschutz geht, müssen die Eigentümer zahlen“, erklärt Thomas Ehmke vom Wirtschaftssenator. Das Stadiongrundstück gehört der Stadt, die es per Erbpacht an die Bremer Weser-Stadion GmbH (BWS) weitergegeben hat. Das Stadion selbst wiederum ist Eigentum der BWS. Gesellschafter sind dort mit jeweils 50 Prozent der SV Werder und die Stadt.

Klar ist demnach, dass die BWS mit im Boot ist, wenn die Kosten für den Hochwasserschutz umgelegt werden – die BWS und mit ihr die Stadt. Der zweite öffentliche Anteil an der Millioneninvestition ergibt sich aus dem Teil der Planung, der nicht unmittelbar das Stadion betrifft. Ehmke: „Es ist ja auch Landschaftsplanung dabei.“ Die neue Promenade zum Beispiel, die an der Weser entlang laufen soll.

Schließlich das Stadionbad. Es gehört der städtischen Gesellschaft Bremer Bäder und liegt im Planungsgebiet. Weil auch das Freibad vom Hochwasserschutz profitieren würde, müsste daraus eigentlich ein dritter öffentlicher Anteil an den Kosten erwachsen. Die Bädergesellschaft sieht das freilich anders: „Es handelt sich um einen Objektschutz für das Weserstadion, insofern gibt es keine Veranlassung für uns, diesen zu finanzieren“, erklärt Michael Brockmann, technischer Leiter der Gesellschaft.

So oder so sind es in dem Verfahren unterm Strich lauter Beteiligte, denen es chronisch an Geld mangelt. Die BWS ist nach eigenen Angaben immer noch mit Schulden von über 70 Millionen Euro belastet. Geld, das in den Umbau des Stadions gesteckt wurde. „Wir haben trotzdem noch eine eigene Finanzkraft und können was bewegen“, versichert BWS-Geschäftsführer Heinz-Günther Zobel. Werder knappst, wo es kann, hat aber trotzdem Mühe, seinen Bundesliga-Betrieb zu finanzieren. Und bei der Stadt sieht es auch nicht besser aus.

Bereits im Herbst kommenden Jahres, so die Ankündigung der Behörden, sollen die Arbeiten rund ums Stadion abgeschlossen sein. Doch neben den finanziellen Fragen gibt es noch ganz andere Probleme, sodass der Zeitplan mindestens ambitioniert erscheint.

Der Tennisverein Rot-Gelb zum Beispiel. Er soll mit seinen fünf Spielfeldern an der Westseite des Stadions verschwinden, um Platz für einen neuen Wall und für Spundwände zu schaffen. Rot-Gelb klagt dagegen. „Einen Termin vor Gericht gibt es noch nicht“, sagt Vereinsvorsitzender Wilhelm Hinners, „sollten wir verlieren, werden wir in die nächste Instanz gehen.“

Oder die Anwohner vom Osterdeich. Für sie hat der geplante Hochwasserschutz nur ein Ziel: „Die wollen auf der Fläche ein Sondergebiet schaffen und können dort dann machen, was sie wollen“, sagt Udo Würtz von der Bürgerinitiative Pauliner Marsch. Schon, dass der Deich lediglich um einen Meter auf 6,50 Meter erhöht werden solle, sei ein Beleg dafür. Notwendig sei eine Höhe von über sieben Metern, um gegen die Fluten gerüstet zu sein. Würtz beruft sich bei dieser Einschätzung auf Auskünfte des Deichverbandes.

Angelika Pensky, ebenfalls in der Bürgerinitiative aktiv, sieht das Hauptproblem mehr beim Grundwasser. „Das Stadion um 2,10 Meter tiefer zu legen, war ein Kardinalfehler“, erklärt Pensky. Dadurch sei immens viel Druck auf die Sohle des Gebäudes gekommen. Pensky: „Die haben das Stadion ins Wasser gesetzt.“ Eine Einschätzung, die Ortsamtsleiter Bücking teilt: „Das war töricht, ein Fehler.“

Die Anwohner haben das Recht, bauliche Veränderungen zwischen Osterdeich und Weser zu verbieten. Geregelt ist das im Grundbuch. Ob Deich, Wall oder Spundwände unter solche Veränderungen fallen, ist indes ungewiss. „Notfalls werden wir die Gerichte bemühen“, kündigt Udo Würtz an.

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