Verschärftes Gesetz seit einem Jahr in Kraft

Zahl der Wettbüros in Bremen nimmt ab

Strengere Auflagen, Schulungsverpflichtungen und ein Verkaufsverbot von Getränken: Die schärferen Regeln im Bremischen Glücksspielgesetz haben zur Folge, dass es weniger Wettvermittlungsstellen gibt.
02.03.2021, 20:34
Lesedauer: 3 Min
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Zahl der Wettbüros in Bremen nimmt ab
Von Nina Willborn
Zahl der Wettbüros in Bremen nimmt ab

In Bremen nimmt die Zahl der Wettbüros ab.

Carsten Rehder/dpa

Seit gut einem Jahr gelten in Bremen verschärfte Regeln in Sachen Glücksspiel. Für Wettbüros bedeuten sie unter anderem, dass großflächig zugeklebte Schaufenster verboten sind und dass sowohl der Verkauf von Speisen und Getränken als auch der Verzehr innerhalb der Räumlichkeiten untersagt ist. Ebenfalls nicht mehr erlaubt sind Annahmestellen für Wetten in Kiosken, Kulturvereinen und Teestuben. Kunden ohne Aufsicht wetten zu lassen, zieht seit Januar 2020 ebenfalls Sanktionen nach sich. Die Folge der Gesetzesänderungen: Die Zahl der Wettbüros ist gesunken.

Ende des Jahres 2019 gab es laut Hilke Hülsmann, Glücksspielreferentin in der Innenbehörde, insgesamt 46 Wettbüros plus 18 Etablissements mit sogenannten Terminals. „Aktuell haben wir 35 Wettvermittlungsstellen“, sagt Hülsmann. Voraussichtlich werden es bald weniger sein: Vier Betrieben steht wahrscheinlich die Schließung bevor. Sie haben wegen fehlender Konzessionen der Anbieter, an die sie vermitteln, von der Innenbehörde entsprechende Anhörungsschreiben erhalten.

Für 30 Wettbüros liegen dem Ordnungsamt Anträge der entsprechenden Sportwettanbieter auf die Erteilung einer Erlaubnis für den weiteren Betrieb vor – bis Oktober 2020 war die Konzessionserteilung aufgrund eines Beschlusses des Verwaltungsgerichts Darmstadt nicht möglich. Seit Oktober hat Hessen als zentral zuständiges Bundesland den ersten 23 privaten Anbietern von Sportwetten Konzessionen erteilt. Das ermöglicht es diesen Anbietern, Erlaubnisanträge für die Wettvermittler vor Ort zu stellen.

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Die Änderungen im Bremischen Glücksspielgesetz besagen auch, dass das Personal in Wettbüros professionell geschult sein muss. Vermittelt werden müssen die rechtlichen Vorgaben, aber auch Wissen über die Suchtrisiken und den Umgang mit gefährdeten oder abhängigen Spielern. Ab März sind diese Schulungen nur noch bei vom Innenressort anerkannten Anbietern möglich. „Die Zertifikate müssen die Wettbüros bei den Kontrollen vorweisen können“, sagt Hülsmann. Ihr zufolge gab es seit dem vergangenen Jahr neben den routinemäßigen Überprüfungen acht Termine, an denen der Ordnungsdienst unterstützt von der Polizei die Wettlokale in größerem Umfang untersuchte. „Da waren es inklusive Nachkontrollen 85 Besuche“, sagt Sebastian Eickenjäger, Leiter des Referats Ordnungsrecht. Er fügt an: „Die meisten Betreiber halten sich an die neuen Vorgaben. Wir bekommen von einigen zurückgemeldet, dass sie froh darüber sind, dass wir den Markt etwas ausgedünnt haben.“

Ob und wie sich der Lockdown auf das Verhalten der Spielsüchtigen auswirkt, dazu fehlen bislang noch größere Untersuchungen. Laut Gerhard Meyer, Leiter der Fachstelle Spielsucht, gibt es zwei Tendenzen: Den einen hilft es, dass die Wettcounter, Spielhallen und Casinos seit Wochen geschlossen sind und sie sich anderweitig beschäftigen müssen. „Andere, die vorher schon stark online aktiv waren, sind vermehrt darauf umgestiegen“, sagt der Psychologe. Die Beratungsnachfrage in der Fachstelle sei im Gegensatz zu 2019 im vergangenen Jahr um rund 20 Prozent zurückgegangen: von 140 auf 114 Klientinnen und Klienten. „Davon sind 91 Prozent Männer“, sagt Meyer. Insgesamt gibt es laut einer aktuellen repräsentativen Erhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die sich auf Bremen herunterbrechen lässt, etwa 3500 spielsuchtgefährdete Menschen in Bremen, rund 1600 von ihnen mit „pathologischem“ und 1900 mit „problematischem“ Verhalten.

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Neuer Glücksspielstaatsvertrag

Im Juli soll der neue Glücksspielstaatsvertrag in Kraft treten. Mit ihm werden bisher verbotene Online-Angebote wie Poker und Casino-Spiele mit Auflagen (unter anderem ein Sperrsystem und Konten mit 1000-Euro-Limit) bundesweit einheitlich legalisiert. Mindestens 13 Landtage müssen dem Entwurf bis Ende April zustimmen. Die Bürgerschaft hat ihn – trotz fraktionsübergreifender Kritik – in erster Lesung gebilligt. Spielsuchtexperten monieren zu laxe Regelungen beim Spielerschutz.

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