Ein Wasserkraftwerk in Bremen hilft, die Welt zu verbessern. Es versorgt die Stadt mit sauberem Strom aus einer erneuerbaren Energiequelle. Und Henning Fastenau kennt das Kraftwerk am Weserwehr in Hastedt genau. Er weiß, wie die Turbinen hier Strom erzeugen. Und auch, warum es gar nicht so schlimm ist, dass das am Anfang noch dreckiger Strom ist.
An diesem Montag beginnt in Bremen eine Konferenz mit Partnerstädten von Bremen und Bremerhaven. Auch befreundete Regionen und Städte, mit denen eine Entwicklungszusammenarbeit besteht, nehmen teil. Und das Weserkraftwerk ist Bestandteil der Konferenz: Die Teilnehmer besichtigen es. Es wird als Beispiel für die Gewinnung nachhaltiger und sauberer Energie vorgestellt – eines der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele.
Der Rundgang mit Henning Fastenau beginnt am Ufer der Weser. Dort zeigt der Ingenieur, wo das Flusswasser durch zwei Rechen in das Kraftwerk fließt. Der erste ist ein Grobrechen und soll Treibgut herausfiltern. Der zweite ist ein Feinrechen und soll vor allem kleine Fische vor den Turbinen im Inneren des Kraftwerks bewahren. Fastenau ist Ingenieur beim Windanlagenhersteller Enercon, der zusammen mit der SWB eine Gesellschaft gegründet hat, die das Kraftwerk betreibt. Es wurde im November 2011 in Betrieb genommen und kostete 57 Millionen Euro.
Im Weserkraftwerk werden zwei Turbinen mit einem Durchmesser von jeweils viereinhalb Metern von der Kraft des Wassers angetrieben. Durch die Fallhöhe werden die Turbinen vom Wasser bewegt – und Strom entsteht. „Aber es ist dreckiger Strom“, sagt Henning Fastenau. „Dreckiger Strom“ ist kein Fachbegriff, aber den liefert er gleich nach: unharmonischer Wechselstrom. Und der muss erst umgewandelt werden, bevor er ins Stromnetz eingespeist werden kann. Das geschieht direkt im Kraftwerk.
Für Ingenieur Henning Fastenau ist das hier vertrautes Terrain: Er weiß, dass sich in der blauen Stahlröhre eine von zwei Turbinen befindet.
Erneuerbare Energien haben in Deutschland einen Anteil von 30 Prozent. Wasserkraft macht davon etwa zehn Prozent aus, den Rest liefern Wind- und Solarenergie. „Unter den erneuerbaren Energien ist Wasser die verlässlichste Quelle“, sagt Fastenau, „es ist nur durch Ebbe und Flut beeinflusst.“ Und nicht wie Solar- und Windenergie von Wetterbedingungen. Trotzdem sei eine hundertprozentige Abdeckung des Energiebedarfs nur mit einer Mischung aus allen erneuerbaren Energien zu schaffen. „Daran müssen wir arbeiten und forschen.“
Wer im Park neben dem Weserwehr spazieren geht, sieht eine riesige Wiese. Ein Bereich am Rand der Wiese ist abgesperrt. Auf den steuert Fastenau nun zu. Er springt über eine Absperrung und steht vor der Tür ins Innere des Kraftwerks. Der Ingenieur steigt die enge Wendeltreppe hinab und sagt: „Ich kenne hier jede Schraube beim Vornamen.“ Muss er auch, denn er führt regelmäßig Gruppen durch das Kraftwerk. Unten angekommen, steht der Ingenieur zwischen zwei riesigen blauen Stahlröhren.
Konferenz soll nachhaltige Entwicklung in mehreren Bereichen fördern
Erneuerbare Energien sind nicht das einzige Thema auf der Städtepartnerkonferenz. Die Delegierten diskutieren vier der 17 sogenannten Sustainable Development Goals. Sie sprechen über hochwertige Bildung, nachhaltige Städte und Gemeinden und nachhaltigen Konsum, für mehr Ziele ist bei zwei Konferenztagen keine Zeit. Diese Ziele sollen eine nachhaltige Entwicklung auf ökonomischer, sozialer und ökologischer Ebene fördern. Das Programm läuft bis 2030, dann werden die Fortschritte überprüft.
Bei den riesigen blauen Stahlröhren ist Henning Fastenau in seinem Element. Darin sind die Turbinen versteckt. Zielsicher steuert er auf eine Brücke über den Röhren zu. Von dort ist auf der einen Seite das riesige blaue Rohr sichtbar, auf der anderen Seite sieht man eine Stelle, die es an beiden Turbinen jeweils einmal gibt. „Nur dort wird Öl verwendet“, erklärt Fastenau. Damit es nicht ausläuft, ist es eingekapselt. Im restlichen Kraftwerk schmiert Wasser alle Getriebe. Viele Teile des Kraftwerks bestehen aus Edelstahl, der nicht lackiert ist – alles aus Gründen des Umweltschutzes.
Das Kraftwerk produziert Strom aus einer erneuerbaren Energiequelle und stößt kaum Kohlenstoffdioxid aus. Warum gibt es nicht mehr Wasserkraftwerke in Deutschland? „Tatsächlich gibt es etwa 7000“, sagt Fastenau. Aber 6000 hätten nur eine sehr kleine Kapazität, die unter einem Kubikmeter Wasser pro Sekunde liege. Sie können Strom für knapp 80 Haushalte produzieren. Zum Vergleich: Das Weserkraftwerk hat eine Kapazität von maximal 220 Kubikmetern und versorgt 17.000 Bremer Haushalte. Das ist etwa jeder zwanzigste in der Hansestadt.
Der Rundgang mit Fastenau endet wieder oberirdisch. An einer Informationstafel, die den Bremerinnen und Bremern erklärt, wie ihr Weserkraftwerk dazu beiträgt, die Welt zu retten.