Ausstellung der Bremer Hochschule für Künste Studenten zeigen Kunst aus Sperrmüll

Bremen. Bei den Bremer Hochschultagen präsentierten Studenten der Hochschule für Künste am Wochenende im Speicher XI, was alles aus Sperrmüll entstehen kann.
07.02.2010, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Thomas Joppig

Bremen. Eine Bank aus alten Kabeln, ein Netz aus Weihnachtsbaumstämmen oder ein alter Küchenschrank mit einem Monitor, auf dem virtuelle Pflanzen zu blühen beginnen, sobald man einen Blumentopf darunter hält: 'Darauf muss man erstmal kommen', mag sich wohl am Samstag mancher Besucher der Hochschultage gedacht haben.

Christopher Hoecker ist einer von ihnen. Der 23-Jährige hat eine alte Zinkwanne halbiert und zu einem Sofa umfunktioniert, das von Staubsaugerschläuchen umrahmt wird. Besonders bequem sei das Ganze zwar nicht, räumt er lachend ein, aber darum geht es in diesem Projekt auch nicht, sagt Professor Roland Lambrette: 'Die Studenten haben sich mit dem merkwürdigen Wort Überflussgesellschaft auseinander gesetzt. Früher sei es schließlich ganz normal gewesen, dass man kaputte Dinge einer neuen Nutzung zuführte: 'Zum Beispiel, indem man einen alten Pullover aufribbelte und etwas daraus strickte. Vielleicht kommen wir angesichts der schwierigen Wirtschaftslage bald auch wieder in diese Situation, aus Altem etwas Neues machen zu müssen', sagt er.

In einem anderen Projekt haben sich Studenten auf kreative Weise mit dem WESER-KURIER und seiner Gestaltung auseinandergesetzt. Sie haben die Zeitung buchstäblich in ihre Einzelteile zerlegt, Bestandteile wie Meldungen oder Familienanzeigen gewogen und mit Überschriften und Bildern experimentiert. 'Durch dieses Herumspielen mit dem Zeitungsinhalten entstehen dann neue Gestaltungsideen', sagt Dozent Daniel Bastian. So zeigen die Studenten, wie die WESER-KURIER-Inhalte in einem magazinartigen Design wirken würden, oder wie die Zeitung als Applikation für den neuen Tablet-Computer 'iPad' aussehen könnte.

Einige Meter weiter verkaufen Studenten der Arbeitsgruppe 'Dämmstoffmafia' Produkte für Menschen, die das Bizarre lieben: Handtaschen zum Beispiel, deren Verschlussklappe aus einer knallig orangen Schwimmflosse besteht. Besonders beliebt sei auch der Hosentaschen-Altar, verrät Heidrun Jacquet: Ein kleiner aufklappbarer Leder-Altar in einer Streichholzschachtel - geeignet für Anhänger verschiedenster Religionen und Weltanschauungen: Zur Auswahl stehen unter anderem Hinduismus und Fußball. Und Vielschreiber greifen gern zum bananenförmigen Stifteetui von 'Dolce & Banana'.

Ob filigrane Figuren aus Draht, eckige Luftballons, faszinierend präzise Federzeichnungen oder schaurige Rauminstallationen: Die Studenten zeigen eine große Bandbreite ihres Könnens und stellen dabei immer wieder Sehgewohnheiten in Frage - mal beklemmend, mal augenzwinkernd. Außerdem stehen Klassik- und Jazzkonzerte sowie Workshops für Kinder auf dem Programm. Angesichts dieser Vielfalt mag sich Rektor Professor Manfred Cordes nicht auf einzelne Höhepunkte festlegen. Sein Rat, an alle die noch nicht da waren: 'Kommen Sie am besten einfach vorbei.'

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