Uni-Stadt Bremen

Studentenwohnheime sind ausgebucht

In der Uni-Stadt Bremen gibt es traditionell nur wenige Wohnheimplätze. 400 neue günstige Wohnungen sollen ab 2020 hinzukommen, doch bis dahin dürfte es für Studenten schwierig bleiben.
20.09.2017, 20:47
Lesedauer: 4 Min
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Studentenwohnheime sind ausgebucht
Von Sara Sundermann

Rund 1900 Plätze in den zwölf Wohnheimen des Studentenwerks gibt es in Bremen und Bremerhaven, alle sind vergeben. „Wir sind komplett ausgebucht“, sagt Geschäftsführer Hauke Kieschnick. 820 Studenten, die eine Wohnung suchen, stehen derzeit auf der Warteliste für einen Platz.

„Wir haben hier einen wahnsinnigen Ansturm, jeden Tag kommen neue Anträge von Studenten rein“, beschreibt Jürgen Steins, Leiter für den Bereich Wohnen beim Studentenwerk die Lage. Auf dem privaten Wohnungsmarkt seien die Preise in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen, sagt Steins. Für viele Zimmer oder Appartments würden 300 oder 350 Euro Warmmiete verlangt – doch die meisten Studierenden könnten maximal 300 Euro für Miete ausgeben, wenn überhaupt.

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Der im Bafög enthaltene Satz für Unterkunftskosten beträgt 250 Euro, darauf verweist der Asta der Uni als Vertretung der Studierenden. Doch dieser Betrag reiche in den meisten Fällen bei weitem nicht aus, um die Miete zu bestreiten. „Die Studierendenzahlen steigen, das allgemeine Mietniveau ebenso, auch das klassische Modell der Studierenden-WG wird zunehmend teurer und ist schon jetzt für viele nicht mehr erschwinglich“, stellt der Asta fest. Die Versorgung mit Wohnraum und die Höhe der Mieten dürften nicht dem Markt überlassen werden, fordert die Studentenvertretung: „Es besteht dringender Handlungsbedarf.“

Dass etwas getan werden muss, um Studentenwohnungen zu schaffen, zu dieser Einsicht ist man inzwischen auch in der Bremer Politik und Verwaltung gelangt. Jahrelang wiesen Vertreter des Studentenwerks darauf hin, dass dringend weitere Heime gebaut werden müssten, jahrelang gab es dennoch keine konkreten Bauprojekte.

400 neue Wohnungen bis Anfang 2020

Das hat sich inzwischen etwas verändert: Ein großes Wohnheim mit 400 Plätzen soll in unmittelbarer Nähe des Uni-Campus entstehen, in der Emmy-Noether-Straße zwischen dem rot geklinkerten SFG-Gebäude der Uni und dem Autobahnzubringer zur A 27. „Der Bauantrag für das Wohnheim liegt fertig vor mir, wir werden ihn noch in dieser Woche einreichen“, versichert Kieschnick. Er rechnet mit einem Baustart Anfang kommenden Jahres, die 400 Wohnungen könnten Anfang 2020 fertig werden, schätzt der Geschäftsführer.

Bis dahin dürfte es für Studierende mit wenig Geld in Bremen eng bleiben. Seit langem ist die Versorgungsquote mit Wohnheimplätzen in Bremen im Vergleich zu anderen Uni-Städten besonders gering: Derzeit wohnen nur 6,7 Prozent von rund 32.000 Studierenden in Bremen und Bremerhaven in einem Wohnheim, sagt Kieschnick. „Bundesweit liegt die Versorgung dagegen bei knapp 10 Prozent.“ Bremen hat also Nachholbedarf – selbst mit den geplanten 400 neuen Plätzen würde die Bremer Quote nur auf 7,2 Prozent steigen.

„Lange war die Lage auf dem Wohnungsmarkt in Bremen im Vergleich zu anderen Uni-Städten weniger schwierig, man konnte auch in beliebten Gegenden ein Zimmer finden, und viele Studierende haben gerne in WGs gewohnt“, sagt Christina Selzer, Sprecherin der Wissenschaftsbehörde. Dies habe sich aber verändert: „In den vergangenen ein bis zwei Jahren ist die Lage in Bremen angespannter geworden, es ist insgesamt enger geworden auf dem Wohnungsmarkt, und verschiedene Gruppen konkurrieren um günstige Wohnungen.“ Deshalb sei der Bedarf nach Wohnheimplätzen gestiegen.

Private Wohnheime sind deutlich teurer

In privaten Wohnheimen gibt es der Behörde zufolge zudem derzeit rund 730 Plätze. Bei den Privaten sind die Mieten allerdings deutlich höher: Im privaten Wohnheim Fizz zahlen Studenten ab 465 Euro, im Campus Viva ab 475 Euro und in der Galileo Residenz direkt bei der Uni ab 395 Euro. Zum Vergleich: Der Standardpreis beim Studentenwerk liegt bei rund 240 Euro.

Der Behörde zufolge entstehen derzeit drei private Wohnheime in Bremen, die insgesamt rund 525 zusätzliche Plätze für Studierende bieten sollen. Die Wohnheime in der Mary-Astell-Straße und der Anne-Conway-Straße (beides Horn-Lehe) und in der Ottostraße (Neustadt) sollen im kommenden Jahr fertig werden.

Die 400 Wohnheimplätze, die in der Emmy-Noether-Straße entstehen, reichen nicht aus, sagt der wissenschaftspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Arno Gottschalk. „Wir werden in den beiden kommenden Jahren die Weichen dafür stellen, dass 1000 neue Studentenwohnungen in Bremen entstehen“, kündigte Gottschalk bereits im Frühjahr an. Er verweist darauf, dass es sich auch finanziell für Bremen lohnt, Studenten anzulocken: „Jeder zusätzliche Studierende, der hier wohnt, bringt Bremen derzeit rund 5300 Euro aus dem Länderfinanzausgleich.“

Wohnungen für Studenten mit geringem Einkommen

Von Gottschalks Ankündigung, 1000 neue Studentenwohnungen zu schaffen, sind die aktuellen Pläne in der sozialdemokratisch geführten Wissenschaftsbehörde allerdings noch weit entfernt: Zusätzlich zu den 400 Wohnungen in der Emmy-Noether-Straße sollen in den kommenden Jahren weitere 200 Plätze entstehen, sagt Behördensprecherin Selzer. Wie dies genau geschehen soll, müsse noch im Wissenschaftsplan 2025 festgelegt werden. Die 200 Plätze könnten über das Studentenwerk, aber auch durch private Anbieter entstehen. Sprecherin Selzer betont: „Es sollen aber in jedem Fall Wohnungen für Studierende mit geringem Einkommen werden.“ Besonders groß sei der Bedarf in der Nähe der Hochschule in der Neustadt.

Studierende, die derzeit auf Wohnungssuche sind, können sich trotz ausgebuchter Wohnheime an das Studentenwerk wenden, es vermittelt auch Wohnungen privater Vermieter. Und Wohnungseigentümer die noch ein Zimmer frei haben, sind aufgerufen, sich beim Studentenwerk zu melden.

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