Erzieher fehlen Studie sagt Fachkräfte-Lücke bei Kinderbetreuung voraus

Damit in Kitas gute Bedingungen herrschen, braucht es viel mehr Erzieher, als in diesem Jahrzehnt ausgebildet werden können - so die Prognose einer Studie. In Bremen sei diese Lücke nicht mehr zu schließen.
24.08.2021, 17:03
Lesedauer: 3 Min
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Von Jean-Pierre Fellmer Michael Brandt Britta Körber

Für eine kindgerechte Betreuung fehlen einer aktuellen Studie zufolge bis 2030 bundesweit mehr als 230.000 Erzieher und Erzieherinnen. Das geht aus Analysen der Bertelsmann-Stiftung hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurden. Die Lücke zwischen dem voraussichtlichen Angebot an Fachkräften und dem prognostizierten Bedarf lasse sich dieses Jahrzehnt nicht vollständig schließen, so die Autorinnen.

Im Bundesland Bremen sind laut Studie viele neue Kita-Plätze geschaffen worden – allerdings hat sich auch die Zahl der unter Dreijährigen, die ein Kita- oder Kindertagespflege-Angebot nutzen, fast verdoppelt. 2011 waren es noch 3198 Kinder, 2020 dann 6007. Außerdem seien nur für die Hälfte aller Kinder ab drei Jahren, die in amtlich erfassten Kita-Gruppen betreut werden, genug Erzieherinnen und Erzieher vorhanden gewesen.

Bis 2030 sollen laut Stiftung in Bremen mehr als 2000 Menschen den Erzieher-Beruf antreten. Um den wissenschaftlichen Empfehlungen beim Betreuungsschlüssel zu genügen, würden 1000 zusätzliche Kräfte benötigt. "Diese Lücke lässt sich bis 2030 kaum durch die Aufstockung der Ausbildungskapazitäten schließen, noch können bis dahin genügend Quereinsteigerinnen gewonnen und pädagogisch qualifiziert werden", heißt es.

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Sandra Ahrens, kinderpolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion, weist vor dem Hintergrund der Studie darauf hin, dass aktuell in Bremen 280 Kitaplätze nicht besetzt werden könnten, weil das Personal fehle. "Der Senat hat in den letzten Jahren die Zahl, der benötigten Erzieherinnen und Erzieher zu niedrig errechnet und überhaupt nicht auf den Bedarf reagiert", wirft sie der Regierung vor. Die CDU fordert deshalb zum Beispiel eine Umzugsprämie für Erzieherinnen und Erzieher und eine Vergütung, die schon während der Ausbildung "vernünftig" sei und junge Leute für den Beruf begeistere.

Ahrens: "Wir müssen Leute zurückgewinnen. 25 Prozent, die den Beruf erlernt haben, haben den Job aufgrund der Bedingungen quittiert. Diese müssen wir durch attraktive Angebote und Anpassungsqualifizierungen zurückholen."

Aygün Kilincsoy, Sprecher von Bildungssenatorin Sacha Aulepp (SPD), weist allerdings auf die Anstrengungen Bremens hin, Fachkräfte für die Kitas zu gewinnen und zu halten. Es gehe seiner Ansicht nach darum, die Ausbildung weiter zu stärken, die Zahl der Quereinsteigerinnen zu erhöhen und auch die vorhandenen Fachkräfte an Bremen zu binden. Das habe, räumt er ein, sowohl mit der Bezahlung zu tun als auch mit der Attraktivität des Standorts.  

In Niedersachsen ist der Studie zufolge voraussichtlich genug Personal vorhanden, um genügend Kita-Plätze anzubieten. Zwischen 2011 und 2020 habe ein Ausbau des frühkindlichen Bildungssystems zu einem Anstieg des Kita-Personals um 61 Prozent auf 58.189 Beschäftigte geführt; in den Horten seien es rund 48 Prozent beziehungsweise 3959.

Die aktuellen Daten der Bertelsmann-Stiftung belegen für das vergangene Jahrzehnt einen Ausbau des frühkindlichen Bildungssystems. So arbeiteten 2020 mehr als 635.000 Fachkräfte in Kitas – ein Anstieg um 61 Prozent im Vergleich zu 2011.

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Fast 61 Prozent der Kinder bis sechs Jahre besuchen inzwischen eine Kita oder andere vorschulische Einrichtung - ein Anstieg von 22 Prozent seit 2011. Die größten Sprünge gab es im Westen bei den Unter-Dreijährigen: 2020 hatten 31 Prozent der jüngeren Kinder einen Betreuungsplatz, 2011 waren es knapp 20 Prozent. In Niedersachsen sieht es ähnlich aus: 32,9 Prozent stehen 19,1 in 2011 gegenüber; in Bremen sind es 29 Prozent zu 19,6.

Verbessert haben sich auch die Personalschlüssel. In Ostdeutschland betreut rechnerisch eine Vollzeitkraft elf Ganztags-Kinder - in Niedersachsen sind es acht, in Bremen 7,9. Kindgerecht sei das allerdings noch nicht, heißt es in der Studie. Nach wissenschaftlichen Empfehlungen sollte der Personalschlüssel für Kinder ab drei Jahren bei 1 zu 7,5 liegen.

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