Wissenschaftler wollen Effekte der Frühförderung auf das spätere Leben und die Schule erfassen

Studienteilnehmer in der Vahr gesucht

Vahr. Frühe Förderung lohnt sich – oder? Diese Frage ist von der Forschung noch nicht abschließend geklärt. Mit einer Langzeitstudie möchten Forscher der Universität Bremen und das Bildungs- und das Sozialressort dieser Frage genauer nachgehen.
12.06.2017, 00:00
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Von CHRISTIAN HASEMANN
Studienteilnehmer in der Vahr gesucht

Heidemarie Rose ist im Sozialressort an der Studie beteiligt.

Christina Kuhaupt

Vahr. Frühe Förderung lohnt sich – oder? Diese Frage ist von der Forschung noch nicht abschließend geklärt. Mit einer Langzeitstudie möchten Forscher der Universität Bremen und das Bildungs- und das Sozialressort dieser Frage genauer nachgehen. Für die Studie suchen die Forscher noch Teilnehmer in der Vahr.

Kein laues Lüftchen, sondern die bisher erste europaweite Studie zu den Effekten einer frühkindlichen Förderung möchte die Brise-Studie sein. Brise steht dabei für Bremer Initiative zur Stärkung frühkindlicher Entwicklung. „Das wird hochinteressant für die Forschung sein“, sagt Heidemarie Rose, die im Sozialressort an der Studie beteiligt ist und mit Helena Justa, angestellt bei der Senatorin für Kinder und Bildung, das Forschungsprojekt auf der Stadtteilkonferenz Vahr vorgestellt hat. Beteiligt an der Studie sind neben den beiden senatorischen Ressorts auch die Universität Bremen, das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Jacobs Foundation.

„Mit früher Bildung ist auch immer ein hohes Versprechen verbunden: Alles wird gut“, sagt Heidemarie Rose. So genau beweisen könne man das allerdings nicht. „Das versucht man mit der Langzeitstudie.“ Auf zunächst acht Jahre ist die Brise-Studie angelegt. „Aber dabei wird es nicht bleiben“, ist sich Heidemarie Rose sicher. Ein Ziel der Studie sei dabei, die Effekte der Frühförderung auf das spätere Leben und die Schule zu erfassen. Dabei sollen schon bestehende Angebote systematisch verknüpft werden und eine stärkere und durchgehende Förderung der Kinder von der Geburt bis zum Schuleintritt stattfinden. Letztlich geht es aber auch um eine Kosten-Nutzen-Analyse der Frühförderung.

Aber das Projekt greift weiter. „Wir wollen uns die Angebotsstruktur in Bremen genau anschauen“, sagt Heidemarie Rose. Wie können Strukturen geschaffen werden, die für die Kinder von Kontinuität geprägt sind, sei eine Fragestellung. „Es gibt immer neue Herausforderungen in der Entwicklung des Kindes“, sagt Heidemarie Rose. Mit den Herausforderungen müssten sich auch die Angebotsstrukturen verändern. Ziel des Forschungsprojekts sei es außerdem, die Familien dazu zu bewegen, Angebote der Frühförderung auch tatsächlich wahrzunehmen.

In diesem und im nächsten Jahr suchen die Forscher jeweils etwa 65 Familien in der Vahr, die ein Kind erwarten. Bremenweit wollen die Forscher mindestens 1000 Kinder aus sozial und kulturell benachteiligten Ortsteilen mit der Langzeitstudie begleiten. „Wir sind gerade dabei, junge Frauen, die im letzten Quartal ihrer Schwangerschaft sind, anzuwerben“, sagt Heidemarie Rose. Dies werde sich noch das ganze Jahr hinziehen. Bisher sei die Unterstützung in der Vahr groß. „Wir haben eine wunderbare Unterstützung der dort Tätigen, seien es die Schulen, die Kitas oder andere Einrichtungen“, sagt Rose. In der Vahr bestehe der Wunsch, mitzuarbeiten.

Die Ansprache der werdenden Mütter erfolgt über die Frauenarztpraxen im Stadtteil. „Wir hatten eine Versammlung mit Ärzten, aber auch die Kitas und die anderen sozialen Dienstleister sollen das sehen und vermitteln.“ Für die Eltern gibt es einen Informations-Flyer, der unter anderem bei den Frauenärzten ausliegt. Teilnehmen können an der Studie Eltern, die in einem der 27 Ortsteile leben, in denen die Studie durchgeführt wird. Neben der engen Begleitung verspricht der Flyer außerdem einen kleinen finanziellen Anreiz.

Interessierte Familien können sich auf der Seite www.brise-bremen.de genauer informieren, auch per E-Mail: brise@uni-bremen.de oder unter 0421 218 68660.

„Das wird hochinteressant für die Forschung sein.“ Heidemarie Rose
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