Positionspapier Studieren und Forschen im Zeitalter der Digitalisierung

Die wissenschaftspolitischen Sprecher der Unionsfraktionen haben sich auf eine Resolution für die Zukunft der Hochschulen und Universitäten geeinigt. Diese soll jetzt in den Bundesländern umgesetzt werden.
16.10.2018, 21:07
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Studieren und Forschen im Zeitalter der Digitalisierung
Von Lisa-Maria Röhling

Die wissenschaftspolitischen Sprecher der CDU- und CSU-Landtagsfraktionen haben sich auf ein Positionspapier zur Zukunft von Universitäten und Hochschulen geeinigt. Die gemeinsame Resolution, die bei der Sprechertagung in Bremerhaven beschlossen wurde, nimmt das Studieren und Forschen im Zeitalter der Digitalisierung in den Fokus.

In dem Papier, das dem WESER-KURIER vorliegt, betonen die wissenschaftspolitischen Sprecher, dass die Hochschule als „Keimzelle unseres Fortschrittes“ gesehen werden müsse. Deshalb konzentriert sich das Papier auf drei Punkte: Zum einen fordern die Sprecher, die Studienorganisation an den Hochschulen stärker zu modernisieren, beispielsweise mit digitalen Studierendenakten oder Campus-Managementsystemen, die der höheren Mobilität von Studierenden gerecht werden.

Damit verbunden ist auch ein Ausbau der dazugehörigen Infrastruktur, was eine „nationale Aufgabe sei“ und entsprechend finanziert werden müsse. Zum anderen soll die Lehre mit E-Learning-Angeboten wesentlich moderner und flexibler gestaltet werden. Zuletzt sollen nationale Forschungsdateninfrastrukturen gefördert werden, um somit Forschungsliteratur und -daten wesentlich einfacher zugänglich zu machen. „Hochschulen können nicht nur Gestalter, sondern auch Profiteur sein“, heißt es dazu in dem Papier.

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Konkrete Forderungen formulieren die Sprecher in Bezug auf das IT- und Lehramtsstudiengänge sowie auf die Forschung zum Thema Künstliche Intelligenz. Das Studienangebot im IT-Bereich müsse ausgebaut werden, außerdem müsse die Vermittlung von digitalen Medienkompetenzen bei der Lehramtsausbildung ein verpflichtender Bestandteil sein. Forschungsfelder mit dem Schwerpunkt Künstliche Intelligenz sollen außerdem stärker gefördert werden.

„Ich sehe die Wissenschaft als Schwerpunkt für Bremens positive Entwicklung“, erklärte Susanne Grobien, wissenschaftspolitische Sprecherin der Bremer CDU-Fraktion. Um die Pläne der Sprechertagung voranzubringen, sei sicherlich ein zweistelliger Millionenbetrag notwendig. Das sei aber für die Hochschulen ein wichtiger Schritt nach vorne, zumal die meisten schon erste Entwicklungen selbst angestoßen hätten: „Die Basis ist da. Niemand verweigert sich.“ Dass die Pläne nun vorankommen, liege in den Händen der Politik. Ziel sei es deshalb jetzt, das Konzept über die Landtage auf die Bundesebene zu heben.

Ständige Entwicklung

„Das ist am Puls der Zeit“, sagte Universitäts-Rektor Bernd Scholz-Reiter zum Konzept der CDU/CSU-Sprecher. Allerdings sei die Umsetzung der einzelnen Vorgaben nicht einfach: „Das ist eine Daueraufgabe.“ Besonders, weil digitale Technologien sich rasend schnell veränderten, könne es nicht einfach eine einmalige Umsetzung geben. „Das muss ständig entwickelt werden.“ Er halte die Umsetzung innerhalb von zehn Jahren für möglich.

Grundlagen für die Uni 4.0, die sich die Union wünscht, gibt es laut Scholz-Reiter an der Universität Bremen schon. Zum einen sei Bremen ein Vorreiter beim elektronischen Bewerbungsverfahren für Studiengänge gewesen, auch das digitale Campusmanagement mit Zulassungen und Prüfungsorganisationen sei sehr früh eingeführt worden. In der „Strategie 2018-2028“ der Universität sei außerdem eines der neun Ziele „Digitalisierung gestalten“. Zuletzt sei gerade eine Digitalisierungsstrategie auf den Weg gebracht worden. Dafür sei auch ein separates Gremium, das an das Rektorat angedockt sei, ins Leben gerufen worden, das binnen sechs Monaten das neue Konzept umsetzen soll.

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Dass die Unions-Vertreter E-Learning als Ergänzung zur klassischen Lehre sehen, begrüßt Scholz-Reiter. Es müsse eine Mischung aus digitaler und persönlicher Lehre sein, damit Fakten zu Hause erarbeitet werden und Diskussionen weiterhin in der Uni stattfinden. Das setzten bereits einige Lehrkräfte der Uni um, allerdings werde ein weiterer Ausbau nicht nur viel Geld kosten, sondern auch eine Aufstockung der Personalressourcen besonders im IT-Bereich bedeuten. Ideen wie die der E-Akte für Studierende seien zwar spannend, brauchten aber bundesweite, wenn nicht sogar EU-weite Vereinbarungen, um standardisierte Softwares zu nutzen.

Ähnlich wie die Uni Bremen beschäftigt sich auch die Hochschule bereits seit einiger Zeit mit der Digitalisierung in der Lehre und der Verwaltung, erklärte Hochschulsprecher Sascha Peschke. Man gehe von einem umfassenden Ansatz für die Modernisierung aus, um damit auch den veränderten Anforderungen in der Arbeitswelt und der Gesellschaft gerecht zu werden. Neben neuen digitalen Lernmöglichkeiten, die den Studierenden mehr Selbstorganisation und Individualisierung in ihren Kursen ermöglichen, ist aktuell eine hauptamtliche Konrektoratsstelle „Digitalisierung“ ausgeschrieben.

Kurse mit IT-Inhalten

Das sogenannte E-Learning wird auch von der Hochschule unterstützt. Allerdings werde auch dort auf eine Mischung von Online- und Präsenzlehre gesetzt, um so ein flexibles und selbst gesteuertes Lernen zu ermöglichen. Beispiele dafür seien sogenannte E-Tutoren, die Lehrveranstaltungen begleiten. „Der Lehr- und Lernprozess orientiert sich folglich noch stärker an den Lernenden und ihren Bedürfnissen“, so Peschke. Klassische Vorlesungen soll das aber nicht ersetzen. Trotzdem werden die Lehrkräfte an der Hochschule vermehrt dazu ausgebildet, auch E-Kurse anzubieten.

Dass mit mehr Digitalisierung auch eine höhere Nachfrage nach entsprechenden Fachkräften einhergeht, ist auch für die Hochschule klar. Schon jetzt seien 14 Prozent der Studiengänge dem Studiengebiet Informatik zuzuordnen, beispielsweise der Frauenstudiengang Informatik. Viele andere Studiengänge enthalten einzelne Kurse mit IT-Inhalten. Das Angebot werde allerdings stetig angepasst, um den schnellen Veränderungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung gerecht zu werden.

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