Kritik an Sparplänen der Uni Bremen

Studierende bereiten Protest vor

In einer Woche will der Akademische Senat beschließen, wo an der Uni Bremen gespart werden soll. Es geht um ein Defizit von acht bis zehn Millionen Euro. Doch wird es unter den Studenten Proteste geben.
10.12.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Studierende bereiten Protest vor
Von Sara Sundermann
Studierende bereiten Protest vor

Ramona Seeger, Rafael Reisenhofer und Paul Naujoks heften Forderungen von Studierenden an einen roten Weihnachtsbaum des Asta.

Frank Thomas Koch

Am Glasgebäude im Zentralbereich werden in übergroßen Ziffern die Tage heruntergezählt: Nicht die Tage bis Weihnachten allerdings, so idyllisch ist es nicht. Gezählt werden die Tage, bis der Akademische Senat (AS) als wichtigstes Uni-Gremium darüber beschließen will, wo die Uni spart. Und damit die Tage, bis der Protest losgehen soll. Studenten haben die Zahlen oben an der Glaswand angebracht, jeden Tag klettert ein Schwindelfreier hoch und ändert die Ziffer.

Sieben Tage sind es jetzt noch – der Akademische Senat tagt am Mittwoch kommender Woche. Dann sollen richtungsweisende Entscheidungen gefällt werden. Denn noch bis Ende des Jahres will die Uni laut Sprecher Eberhard Scholz klären, wie sie ihr Defizit in Höhe von acht bis zehn Millionen Euro in den Griff bekommen will.

Dagegen regt sich schon jetzt Widerstand vom Allgemeinen Studentenausschuss (Asta) und von vielen anderen politisch aktiven Studierenden. Der Asta hat Ende vergangener Woche die Sparvorschläge der Uni-Haushaltskommission öffentlich gemacht, über die der Akademische Senat entscheiden will. Einer der Vorschläge: Die Verwaltungsgebühr für Studierende, die derzeit fünfzig Euro pro Semester beträgt, solle von der Wissenschaftsbehörde auf 90 Euro angehoben werden.

"Doppelstrukturen" sollen abgebaut werden

Außerdem sollen das Zentrum für Humangenetik und das Zentrum für Europäische Rechtspolitik geschlossen werden. Den beiden Instituten sind dem Asta zufolge derzeit insgesamt rund sechzig Mitarbeiter zugeordnet. Bei weiteren Uni-Instituten sollen pro Jahr jeweils zwischen 200.000 und 300.000 Euro gekürzt werden, unter anderem beim Institut Technik und Bildung, beim Zentrum für Umweltforschung und nachhaltige Technologien und beim Institut Arbeit und Wirtschaft.

Sogenannte „Doppelstrukturen“ in den Fachbereichen Geowissenschaften, Sozialwissenschaften und Kulturwissenschaften sollen abgebaut werden, wodurch sich 400. 000 Euro einsparen lassen sollen. Durch die Schließung von nicht näher benannten „wenig nachgefragten Studiengängen“ solle sich noch einmal derselbe Betrag einsparen lassen.

Die Haushaltskommission lehnt zwar ab, das Fach Psychologie zu schließen, stellt aber zugleich fest, dass sich dadurch zwei Millionen Euro einsparen lassen würden. Zwei Millionen Euro, die derzeit im Sparplan noch fehlen. Denn selbst wenn die Uni alle Kürzungsvorschläge umsetzt, würden immer noch zwischen einer und drei Million Euro fehlen, um das gesamte Defizit aus der Welt zu schaffen.

Den finanziellen Rahmen für diesen Spardruck gibt der im Sommer beschlossene Wissenschaftsplan 2020 vor. Die Uni will nun trotz Kritik am Finanzrahmen lieber selbst entscheiden, wo sie spart, als sich dies von der Behörde vorschreiben zu lassen, sagt Uni-Sprecher Eberhard Scholz.

Asta will die AS-Sitzung verhindern

Der Asta sieht das anders: „Wenn das Rektorat nicht mutig genug ist, sich gegen die Kürzungen zu stellen, müssen wir das als Studierende tun“, sagt Kristin Reimers vom Asta. „Wir wollen den Beschluss des Akademischen Senats verhindern, indem wir die Sitzung verhindern.“ Reimers rechnet mit 100 bis 150 Studierenden, die den Sitzungssaal blockieren könnten.

Klar ist: Es rumort auf dem Campus. Beim Asta steht ein roter Weihnachtsbaum, an den diverse Forderungen der Studierenden geheftet sind. Studierende wie zum Beispiel der Doktorand Rafael Reisenhofer sind quasi auf der Asta-Etage eingezogen. Der 27-Jährige wühlt sich dort durch Zahlen und Papiere zu den Uni-Finanzen: „Wenn wir die Selbstbeschneidung der Uni nicht verhindern, wird es niemand tun.“

Auf den Stufen des GW-II-Gebäudes sitzt ein Dutzend Studierende, die absprechen, wer wo Protest Flyer verteilt – 6000 Flyer sind in den Druck gegangen. Jeden zweiten bis dritten Tag gibt es Treffen von Studierenden, die den Protest organisieren.

„Wir sollen mehr zahlen für schlechtere Lehre“, kritisiert der Asta und weist darauf hin, dass sich durch die Schließung von Forschungsinstituten auch die Lehre verschlechtern werde.

Am Mittwoch ab 15 Uhr informiert das Rektorat in der Mensa über die Lage der Uni und stellt sich Fragen von Studierenden.

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